Vogelsbergkreis. „Die Jugendlichen lechzen nach praktischen Erfahrungen“ – mit diesen Worten verdeutlichte Ausbildungsberater Herbert Schott von der Lauterbacher Arbeitsagentur, dass der „Runde Tisch Ausbildung“, den die Oberwaldschule in Grebenhain dieser Tage initiierte, beste Chancen auf Erfolg hat. Ziel des Runden Tischs Ausbildung ist eine sehr praxisnahe Berufsorientierung der Schülerinnen und Schüler, die von engagierten Unternehmen aus der Region gemeinsam mit der Oberwaldschule getragen wird. Vertreter von sechs Unternehmen folgten der Einladung der Oberwaldschule und besprachen mit den Lehrkräften, was „praxisnahe Berufsorientierung“ denn konkret bedeuten könnte.
Im Ergebnis vereinbarte die Runde, dass Unternehmen in der Schule nicht nur über ihre Ausbildungsberufe informieren, sondern darüber hinaus auch Unterrichtseinheiten anbieten, die realistische Aufgaben aus der Berufspraxis in den Klassenraum tragen.
Ebenfalls wurden Möglichkeiten zu Verbesserung der Vor- und Nachbereitung von Schulpraktika in Betrieben abgestimmt.
„Die Schulabgänger müssen bessere Kenntnisse in Deutsch, Mathematik und in Allgemeinbildung haben“, sagte die Unternehmerin Dagmar Schneider von der Firma Fehl und Walter aus Freiensteinau. Und ihre Kollegin Alexandra Schaub von der Firma Gluck fügte an: „Und ein Mindestmaß an wirtschaftlichem Verständnis.“ Durch die Offenheit der Schule gegenüber Unternehmen haben die Betriebe jetzt die Chance, selbst einen Beitrag zur Verbesserung der schulischen Leistungen zu leisten.
Die Veranstaltung wurde von Harald Finke, Vogelsberg Consult GmbH, moderiert. Man benötige abgestimmte Strategien, um dem bereits jetzt feststellbaren Fachkräfte mangel Herr zu werden, so Finke einleitend. Er ermutigte die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmen – aber auch die weiteren Firmen der Region – im wohlverstanden eigenen Interesse auf die Welt der Schule zuzugehen. Denn: „Wache Unternehmen haben einen Wettbewerbsvorsprung“.
Schulleiterin Karla Ketz-Kohlhepp begrüßte die Dialog-Initiative nachdrücklich. Sie diene auch dazu, die jeweils bestehenden Möglichkeiten realistischer einzuschätzen. Beim nächsten Runden Tisch an der Oberwaldschule im September will man sich damit auseinander setzen, wie Eltern und Schüler einbezogen werden könnten, wie das Fach Arbeitslehre zu stärken wäre und wie man weitere Betriebe gewinnt, sich am Runden Tisch in der Grebenhainer Schule zu engagieren.
Der Runde Tisch Ausbildung geht zurück auf das Projekt „Unternehmen an Schule“, das von der Vogelsberg Consult GmbH, Alsfeld, und vom Beratungszentrum B:24, Lauterbach, getragen wird. Es hat das Ziel, den nahtlosen Übergang von Vogelsberger Schülern in die Berufsausbildung sicher zu stellen (wir berichteten). Moderator Harald Finke konnte nach gut zwei Stunden eine erste positive Bilanz ziehen: „Es herrscht eine große Offenheit und Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.“