Tann. Bereits zum 12. Mal findet die Ausstellung „Gestatten, Kultur !“ des Tanner Diakoniezentrums in diesen Wochen statt. Ab dem 06. Juni 2010 werden die Werke behinderter Künstler gleichberechtigt neben den Werken professioneller Kunstschaffender im Naturmuseum der Stadt Tann ausgestellt. Der diesjährige Schirmherr, Dr. Heiko Wingenfeld, bezeichnete die Vernissage als gelungenen Start in die vierwöchige Ausstellungszeit.
Die Veranstaltungsreihe des Tanner Diakoniezentrums wartet seit Bestehen im Jahr 1999 immer wieder mit Neuerungen auf. In diesem Jahr werden als neue Elemente die keramischen Plastiken des verstorbenen Künstlers Robert Sturm (1935-1994) sowie die Arbeiten von Günter Liebau, der vor allem für seine Strukturobjekte bekannt ist, präsentiert. Dieses Arrangement – in Verbindung mit den Werken der künstlerisch tätigen Menschen mit Behinderungen – macht die diesjährige Ausstellung besonders reizvoll.
Während der Eröffnung griff der Geschäftsführer des Tanner Diakoniezentrums, Stefan Burkard, die Intention der Ausstellung auf. Er unterstrich dabei die Sprache der Kunst, durch welche Normalität und Offenheit für die Belange von beeinträchtigten Menschen gelebt wird. Besonders bedankte er sich im Namen der Einrichtung für die Bereitschaft von Herrn Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Heiko Wingenfeld, die Schirmherrschaft für die diesjährige Veranstaltung zu übernehmen. Für das Tanner Diakoniezentrum ist es gut zu wissen, dass das Engagement auch die Unterstützung des Landkreises findet.
Für den Schirmherr, Dr. Heiko Wingenfeld, verfolgt „Gestatten, Kultur !“ in diesen Tagen immer noch den aktuellen Ansatz wie vor 12 Jahren. Ein gemeinsames Projekt von Menschen mit und ohne Handykap, welches hessen- oder sogar bundesweit einmalig ist. Zudem beweist die Ausstellung für ihn, dass Kunst nicht ausschließlich in Ballungszentren, wie Frankfurt, Zuspruch finden muss, sondern Kunst unmittelbar in der ländlichen Region entstehen kann.
Zur Ausstellungseröffnung im Naturmuseum erwartete die Gäste ein Fachvortrag von Dr. Elisabeth Nüdling. Sie ist studierte Kunsthistorikerin und betreibt im Familienverbund das traditionsreiche Kunsthaus Nüdling in Fulda. In ihrem Vortrag griff sie die Kunstrichtung „Art Brut“ auf, stellte den geschichtlichen Verlauf dieses Stils dar und gab einen Ausblick in die Zukunft. „Art Brut“ heißt soviel wie die „rohe Kunst“. Es bezeichnet Kunstwerke, die von Künstlern ohne entsprechende Ausbildung entstanden.
Diese Art der Kunst setzen auch die Maler des Tanner Diakoniezentrums um. Vollkommen unbefangen fertigen sie ihre Bilder. Dabei erfahren sie zudem ungewohnte Aspekte und Ausdrucksformen, die im Alltag nicht zu verwirklichen wären.
Musikalisch Umrahmung erhielt die Eröffnung mit „Blues, Swing and Songs“ durch das Gitarrenduo Mike Jehn und Bernd Baldus. In entspannter Atmosphäre konnten sich die Besucher von den Werken der Künstler beeindrucken lassen. Neu in diesem Jahr war der Ausklang der Vernissage: Dieser fand bei Kaffee und Kuchen in der Begegnungsstätte „Kunst+Café“ (Marktstraße 12, Tann) statt.
„Gestatten, Kultur!“ im Tanner Naturmuseum ist noch bis zum 04. Juli dienstags bis sonntags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr geöffnet.