Fulda. „Gemeinschaft ist das Schlüsselwort dieses Jahrhunderts“, meint Michael Diestel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes im Kreis Rhön-Grabfeld. Er referierte vor 115 Personen vorwiegend aus der landwirtschaftlichen Erzeugung, die einer Einladung des Lebensmittelunternehmens tegut nach Fulda gefolgt waren. Michael Diestel berichtete von zahlreichen Genossenschaftsprojekten rund ums Thema erneuerbare Energien, die sich in den vergangenen Jahren im Kreis Rhön-Grabfeld entwickelt haben.
Sie werden mitinspiriert von Prinzipien, die Wilhelm Friedrich Raiffeisen schon vor über 100 Jahren formulierte und die heute immer noch aktuell sind: „Wenn der Kreislauf des Geldes, Sparen und Investieren, überschaubar und sozusagen um den Kirchturm geschieht, wenn die Nächsten sich als Erste entscheiden können mitzutun, dann entwickeln sich nicht nur wirtschaftlich erfolgreiche Projekte, sondern dann stärkt das auch die ländlichen Räume und die Menschen, die dort zu Hause sind.“
Gemeinschaft, Regionalität und Nachhaltigkeit waren zentrale Begriffe der Tagung, die vor allem Landwirte (aus Hessen, Bayern und Thüringen) ansprach und sie mit Verarbeitern und Händlern zu einem Tag der Information, der Begegnung und des Austauschs zusammenbrachte. tegut-Vorstandsvorsitzender Thomas Gutberlet unterstrich, wie wichtig es in diesem Zusammenhang sei, auch die Verbraucher für diese Themen zu sensibilisieren.
Denn es wäre schade, wenn tegut zum Beispiel den Ausstoß an CO2 pro verkauftem Artikel durch viele Maßnahmen mindert und dann die Nudeln ohne Deckel auf dem Topf gekocht würden; so ginge der zuvor erreichte Vorteil schnell wieder verloren. „Mit Gängelung ist aber kein Umdenken zu erreichen“, meinte der 40-Jährige. „Der Verbraucher muss selbst erkennen, dass nachhaltiges Wirtschaften sinnvoll ist und jeder Einzelne mit seinem Handeln die Zukunft mitbestimmt“.
„Traut Euch! Es geht doch!“, rief Dr. Peter Hamel von der Zivilcourage Vogelsberg denen zu, die sich von den Gentechnik-Multis mit Aussagen verunsichern lassen, es gebe nicht mehr ausreichend gentechnikfreie Futtermittel. Die Realität sieht laut Hamel anders aus. Seit 2007 organisiert er die gemeinschaftliche Nachfrage nach Sojaschrot, Milchleistungsfutter und Rapsschrot. Das Volumen erreichte 2009 etwa 10 000 Tonnen – eine  Menge, bei der nicht nur einige spezialisierte Landhändler ihr Angebot abgäben, sondern jeder, der in diesem Bereich bestehen wolle.
Solche Einkaufsgemeinschaften entstünden inzwischen an vielen weiteren Orten. Hamel dankte tegut, dass es sehr früh  Produkte „Ohne Gentechnik“ eingeführt habe und diese Entwicklung aktiv unterstütze. Jüngstes Beispiel sei die „Faire Milch“, die nicht nur „Ohne Gentechnik“ ist, sondern zudem Familienbetrieben der Region einen fairen Preis garantiert.
Stefan Hohmann aus Hilders, zweiter Vorsitzender des Vereins „Rhöner Biosphärenrind“, traf mit seinem Resümee zur Veranstaltung den Tenor vieler Rückmeldungen: „Ich freue mich jedesmal über den Austausch und fühle mich nicht nur als Lieferant, sondern als Partner willkommen.“ (sli)
Foto: Herwart Groll