Büdingen. Da steht es nun, das alte Haus. Man nennt es einen Schandfleck, krumm und schief, mit löchrigem Dach, schmutzigem Verputz und den abgeblätterten Fensterläden. Wird es den Weg so vieler anderer Fachwerkhäuser des Dorfes gehen und am Abend nur noch ein Haufen Steine, Schutt und Balken sein? Abreißen oder erhalten? Vor dieser Frage stand schon so mancher Besitzer eines alten Fachwerkhauses. Schiefe Wände, steile Treppen und nicht zuletzt die hohen Kosten einer umfassenden Sanierung machen die Entscheidung zum Erhalt eines historischen Gebäudes nicht gerade einfach. Dafür hat jeder Stein, jeder Balken seine eigene kleine Geschichte, die manchmal sehr eng mit der Geschichte seiner heutigen Bewohner verknüpft ist. Was hat so ein altes Haus nicht schon alles gesehen, erlebt, überstanden?
Gerlind Lotter, Jahrgang 1931, arbeitete fast 40 Jahre im hessischen Schuldienst. Sie erzählte ihren Schülern und Schülerinnen, Enkelkindern und Kindern von Freunden gerne spontan entstehende Geschichten, zum Beispiel „Drei-Wörter-Geschichten“, deren Thema drei von den Kindern ausgewählte Wörter bilden.
Die Idee zu der Geschichte „Das alte Haus“ kam ihr während eines längeren Aufenthaltes im Hotel „Zur Krone“ in Hüttengesäß, im Zusammenhang mit der Frage nach Dorfverschönerung und Erhalt alten Baubestandes. Da sie ihr Elternhaus durch Flucht aus Schlesien 1945 verlor und das alte Fachwerkhäuschen ihres Schwiegervaters im Allgäu nicht erhalten werden konnte, lag ihr der Wunsch am Herzen, andere zum Erhalt ihres alten Hauses zu ermuntern, damit die mit ihm verbundene Geschichte eines Ortes und seiner Menschen auch für kommende Generationen lebendig bleibt.
Dabei entstanden auch die Illustrationen, die alle Anforderungen an kindgerechte Bilder erfüllen: Die Zeichnungen bestehen aus flächenhaften, vereinfachten Formen mit deutlichen Umrissen, das Allgemeine und Typische wird herausgestellt. Je nach Stimmung der Erzählung wurden die Bilder in gedeckten Grautönen oder ruhigen Primärfarben koloriert, sie erscheinen zum Teil sehr farbenfroh aber niemals grell. Das Buch ist zum Vorlesen ab Kindergartenalter und Selbstlesen für Grundschulkinder geeignet.