Paderborn (pdp). Bischof Heinz Josef Algermissen aus der Diözese Fulda feierte an Libori-Montag im Hohen Dom zu Paderborn das traditionelle Pontifikalamt mit den Frauen. Gerade Frauen seien in ihren Familien und Pfarrgemeinden die besten Glaubenszeuginnen und Katechetinnen, so der frühere Paderborner Weihbischof. „Was wäre die Kirche ohne Ihren Einsatz in Familie, Gemeinde und Verband. Helfen Sie bitte mit, daß der Glaube wieder mehr zum Thema in den Familien wird. Wir dürfen die kommende Generation nicht um Gott betrügen.“
„Wo wir sprachlos sind, kann Weitergabe des Glaubens nicht gelingen“
Es komme darauf an, „daß wir das, was wir mit dem Herzen glauben, auch mit dem Mund bekennen und so den Glauben weiter tragen“, sagte Bischof Algermissen in seiner Predigt. Ein nicht ausgesprochener Glaube sei ein sterbender Glaube. In der Gesellschaft habe der christliche Glaube unter der Vielfalt der Lebensentwürfe seine Selbstverständlichkeit verloren. In Familie, in Schule, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, im Verein müsse der einzelne plötzlich begründen, warum er Christ sei und der Kirche treu bleibe, warum er glaube und sein Leben an den Geboten ausrichte.
Doch seien es viele nicht gewohnt, über ihren Glauben zu sprechen, ihn persönlich auszudrücken und zu begründen, diagnostizierte Bischof Algermissen. „Wo wir aber sprachlos sind, kann Glaubensweitergabe fast nicht gelingen.“ Nur wer überzeugt sei, könne andere überzeugen, nur wer seinen Glauben glaubwürdig lebe, könne andere durch sein Lebenszeugnis auf den Glauben hinweisen.
Glaubensaustausch enorm wichtig
Für den Austausch im Glauben seien Treffpunkte notwendig, so der frühere Paderborner Weihbischof: Gesprächskreise für Eltern, Bibel-Teilen, wo die Verbindung der Frohbotschaft zum Leben gesucht werde. „Weitergabe des Glaubens braucht die Bereitschaft, meinen Glauben, vielleicht auch meine Fragen und Zweifel, anderen mitzuteilen, mit ihnen darüber zu sprechen. So können Keimzellen von Kirche erwachsen.“ Das sei dringend geboten angesichts der Situation, daß bei vielen der Glaube buchstäblich in den Kinderschuhen stecken geblieben sei und mit dem Heranwachsen und Erwachsenwerden nicht Schritt gehalten habe. „Sie dürfen sich dann auch nicht wundern, wenn der Glaube immer ferner rückt, wenn er es nicht mehr schafft, uns Orientierung zu geben, wenn der Glaube eines Tages gänzlich abhanden kommt.“
Aus dem ganzen Erzbistum kamen Frauen am Libori-Montag zum traditionellen Pontifikalamt in den Hohen Dom und füllten das Kirchengebäude bis auf den letzten Platz. Mitarbeiterinnen der Caritas-Konferenzen im Erzbistum Paderborn e. V. (CKD) hatten das Pontifikalamt mit vorbereitet. „Wir sind eingeladen, zu erinnern und fortzuschreiben. Wir haben erfahren: Der christliche Glaube trägt uns in unserem Leben“, sagte Margarete Klisch, CKD-Diözesanvorsitzende, zu Beginn des Gottesdienstes. Der christliche Glaube habe Wurzeln, die Halt und Sicherheit gewähren würden und er mache frei für Visionen. „Wir können eine Reise durch das Leben antreten, die uns mit dem Himmel verbindet.“ Der Gottesdienst wurde vom Paderborner Frauenchor unter Leitung von Rudolf Brüggemeier und Domorganist Gereon Krahforst musikalisch gestaltet.