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„Harry Potter und der Halbblutprinz“ läuft in den Kinos

090725_PotterFulda. Nach dem völlig verpatzten 5. Teil kommt nun „Harry Potter und der Halbblutprinz“ in die deutschen Kinos. Man kann ihn als eine Art Luftholen vor der alles entscheidenden Schlacht gegen Lord Voldemort betrachten, dem Kampf von Gut gegen Böse. Regisseur David Yates nimmt den Zuschauer mit auf eine heitere, beschwingte und spannende Reise in die Magie, die sich größtenteils an die Romanvorlage hält und durch  Einfallsreichtum besticht. Der Film richtet sich eher an Jugendliche und Erwachsene als an Kinder.

Bereits die Anfangssequenzen sind düster und beängstigend. Todesser (Lord Voldemort´s Gefolgsleute) greifen Städte der Muggel an und verbreiten Angst und Schrecken. Sie töten oder verschleppen Zauberer und machen auch vor der Winkelgasse nicht Halt. Der Zaubereiminister musste bereits zurücktreten. Es herrscht Aufruhr und Chaos in der Zaubererwelt. Harrys Pate Sirius Black ist tot und Harry plagt zudem die Frage ob er wirklich der „Auserwählte“ ist. Nur einer (er oder Lord Voldemort) wird am Ende überleben.

Zusammen mit Prof. Albus Dumbledore, dem Schulleiter von Hogwarts, besucht Harry Horace Slughorn, den er als Lehrer für seine Schule gewinnen will. Doch er warnt Harry, Slughorn ist ein Mensch, der sich nur mit den Besten der Besten umgibt. Harry würde noch in seiner ruhmreichen „Sammlung“ fehlen. Dann geht es zum Fuchsbau und den Weasley´s.

Tage später geht es in die Winkelgasse, hier sind viele Läden verwaist, doch ein Geschäft floriert, das der Zwillinge Fred und George Weasley und ihren „Zauberhaften Zauberscherzen“. Hier stapeln sich über mehrere Etagen Süßigkeiten und Zaubereien. Wertvolles für den Schulgebrauch wie Würgzungen-Toffee´s etc., alles wird hier feilgeboten. Auf die Mädchen wirkt ein Stand mit Liebestrank geradezu anziehend, der „das Opfer willenlos werden lässt“.

Doch auf einmal beobachten Harry, Ron und Hermine Draco Malfoy. Was treibt der im  Laden von Borgin und Burkes in der Nokturngasse und warum sieht er so verängstigt aus ? Auf der Fahrt im Hogwarts Express versucht Harry das herauszufinden und schleicht sich in Malfoys Abteil, mit fatalen Folgen. Die Sicherheitsmaßnahmen auf Hogwarts sind extrem verschärft worden, mächtige Zauber schützen nun das Schloss. Das große Thema diese Films ist die Liebe. Liebesglück, gekränkten Gefühle und Eifersucht wechseln einander ab. Die Mädchen versuchen den Jungs Liebeszauber zu verabreichen.

Das Schuljahr geht schnell vorüber, die Quidditch – Auswahl steht an, vor der Ron  besonders viel Angst hat; Dumbledore zeigt Harry einige Erinnerungen über Tom Riddle – den späteren Lord Voldemort –. Slughorn unterrichtet Zaubertränke. Durch Zufall fällt Harry dort das Buch des „Halbblutprinzen“ in die Hände, das ihm die Arbeit bei Slughorn erheblich erleichtert, doch Hermine warnt ihn davor, die enthaltenen Zaubersprüche anzuwenden. Harry schert sich nicht um deren Worte. Doch wer war dieser Prinz ?

Harry verfolgt Malfoy nach einer Party Slughorn´s und bekommt einen Streit mit Prof. Snape mit. Scheinbar weiß auch der nicht was Malfoy vor hat und bietet ihm seine Hilfe an. Ganz am Ende des Films löst sich dieses Rätsel auf. So viel sei verraten, es wird das letzte „unbeschwerte“ Jahr auf Hogwarts sein. Die Angriffe häufen sich und Katie Bell stirbt fast ebenso wie Ron. Ihm Harry und Hermine bleibt also nicht viel Zeit die Wahrheit herauszufinden.

Der Film lebt von komischen ja fast absurden Momente, als Ron z. B. eine verhexte Praline ißt und fortan dümmlich grinsend den Mond anstarrt und fortwährend Romilda Wayne anhimmelt. Nicht zu vergessen die Liebeserklärung Lavender Browns an Rons Krankenbett, grandios kommentiert von Prof. Dumbledore. Zudem runden atemberaubende Landschaftsaufnahmen bei der Fahrt des Hogwarts Express, grandiose Musik und gute schauspielerische Leistungen das positive Gesamtbild ab. Besonders überzeugt hier Alan Rickman (alias Severus Snape) der wesentlich glaubwürdiger wirkt als zuvor und hier beeindruckend seine innere Zerrissenheit darstellt. Das alles macht den Film zu einem kleinen Meisterwerk.

Unterrichtsszenen kommen leider viel zu kurz. Negativ fällt auch das Hinzufügen von frei erfundenen Szenen auf, wie der Angriff von Bellatrix und dem Werwolf Fenrir Greyback auf den Fuchsbau (das Haus der Weasleys steht in Flammen) und die Jagd auf Harry. Das Luna Lovegood Harry im Zug findet ist auch falsch. Hingegen fehlen wichtige Teile des Romans wie das Gespräch des Zaubereiministers Rufus Scrimgeour mit Harry. Vergeblich sucht man auch den Kampf der Schüler gegen die Todesser am Ende der Geschichte. Mit einer Laufzeit von mehr als 2,5 Std. ist der Film für Kinder wohl etwas zu gewagt !

Gut gelungen sind hingegen die atemberaubenden Szenen beim Quidditch. Was früher eher künstlich wirkte ist nun viel realer.- neue Computertechniken machen es möglich -. Die Szene in der sich das völlig zerstörte Wohnzimmer Slughorn´s auf Dumbledores Wink hin wieder zusammensetzt glänzt nur so vor Einfallsreichtum wie der gesamte Film. Die Hauptdarsteller Watson, Grint und Radcliffe wirken sehr erwachsen.

Der Film wechselt zwischen warmen Farbtönen in der Jetztzeit zu beklemmenden optisch verzerrten schwarz – weiß Bildern bei den Angriffen der Todesser, Dumbledores Erinnerungen und Malfoys Szenen im Raum der Wünsche. Sehr düster ist die Szene in der Höhle mit den lebenden Toten, den Inferi, die Harry auf der Insel angreifen und ins Wasser ziehen.

Wiederum ist ein Vorwurf an die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) in Wiesbaden zu richten. Der Film wurde trotz dieser Szenen ab 12 Jahren freigegeben (d. h. 6 – 11 Jährige können mit ihren Eltern ebenfalls in den Film). Angebracht wäre eine Freigabe ab 14 oder 16 Jahre. Diese Stufen sollte man insgesamt für Kinofilme einführen ! Harry Potter – Filme sind nichts für Kleinkinder.

Insgesamt ein guter amüsanter Film, natürlich ist der Originalroman ob als Buch oder Hörbuch (übrigens neu vertont mit Felix von Manteuffel, erschienen im Hörverlag !) wesentlich besser. (tb)

USA 2009, 153 min, FSK ab 12 Jahren
Regie : David Yates (nach dem gleichnamigen Roman von J. K. Rowling)
DarstellerInnen: Daniel Radcliffe (Harry Potter), Rupert Grint (Ron Weasley), Emma Watson (Hermine Granger), Michael Gambon (Prof. Albus Dumbledore) u. a.
Kinostart: 16. Juli 2009

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