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Verbraucherberatung: Flüchtlingsprojekt übertrifft Erwartungen

Ministerium und Verbraucherverbände ziehen Zwischenbilanz nach einem Jahr / Ministerin Priska Hinz: „Mit unserem Projekt konnten wir Geflüchteten ganz praktisch und in ihrem Alltag hier in Hessen helfen.“

„Mit unserem Beratungsangebot wollen wir Geflüchtete nicht nur vor Abzocke und Betrug schützen, sondern auch Grundlagen für das Haushalten in der eigenen Wohnung vermitteln. Nach einem Jahr kann ich sagen: Das war genau die richtige Entscheidung. Denn die Nachfrage nach Beratung und Hilfestellung ist deutlich höher als erwartet“, sagte Verbraucherschutzministerin Priska Hinz heute in Wiesbaden. Im September 2016 hatte das Verbraucherschutzministerium gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Hessen (VZH) und dem DHB-Netzwerk Haushalt mit dem Projekt „Verbraucherkompetenz für Flüchtlinge“ eine neue Beratung. Die Landesregierung hat für das auf drei Jahre befristete Projekt 400.000 Euro bereitgestellt.

„Seit vergangenem Jahr haben wir knapp 4.000 Personen in rund 250 Veranstaltungen erreicht – das ist beachtlich. Viel wichtiger aber ist, dass wir mit der Beratung den Geflüchteten in ihrem Alltag ganz praktisch helfen konnten“, sagte die Ministerin. In der persönlichen Beratung geht es um Fragestellungen zu Vertragsabschlüssen, Versicherungen oder Zahlungsverkehr. So werden zum Beispiel aus Unwissen mehrfache Verträge mit Mobilfunkunternehmen abgeschlossen. Ein anderes Thema sind die hohen Energiekosten, die Flüchtlingsfamilien finanziell belasten.

Beratungsangebote in zwölf Sprachen

Eine wichtige Rolle bei der Aufklärung spielen die sogenannten „Verbraucherlotsen“, die den Geflüchteten einen verständlichen und ansprechenden Zugang zu grundlegenden Verbraucherthemen in Deutschland gewähren sollen. Die Angebote gibt es in insgesamt zwölf Sprachen. Neben Deutsch und Englisch sind dies Arabisch, Persisch (Farsi und Dari), Kurdisch, Somali, Russisch, das pakistanische Urdu sowie die in Äthiopien und Eritrea gesprochenen Sprachen Amharisch, Tigrinya und Oromo. Das Projekt bietet ferner Informationsangebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hilfsorganisationen sowie für Ehrenamtliche, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Sie sind oft die ersten Ansprechpartner und werden über die häufigsten Verbraucherprobleme der Geflüchteten informiert. Hinzu kommt das Angebot von interkulturellen Schulungen für Beratungskräfte der Verbraucherverbände.

Verbraucherverbände sehen Erfolge

Auch die hessischen Verbraucherverbände zogen eine positive Zwischenbilanz. VZH-Vorstand Andrea Jahnen (Frankfurt) sagte: „Die Rückmeldungen überzeugen uns tagtäglich von dem Bedarf und der Notwendigkeit des Projekts. Denn gezielte Verbraucherinformationen helfen den Alltag zu meistern und schützen vor unliebsamen Kosten- und Vertragsfallen. Dank dem Zusammenspiel mit vielen Partnern konnten wir eine Vielzahl an Multiplikatoren und Geflüchtete erreichen, zudem in Einzelberatungen konkrete und wirkungsvolle Unterstützung geben.“

Die Landesvorsitzende des DHB, Anne Mitschulat (Korbach), ergänzte: „Die Geflüchteten wollen und sollen Eigenverantwortung für ihr neues Lebensumfeld übernehmen. Hauswirtschaftliche Themen werden deshalb stark nachgefragt. An einigen Orten führen wir gemeinsam mit Landkreisen und Kommunen Schulungen für den sogenannten Haushalts- oder Wohnungsführerschein mit Zertifikat oder Nachweis durch. Er dient erfolgreich als Türöffner bei der Wohnungssuche und auch als Vermittlung zwischen der leider oft noch skeptischen Bevölkerung und den geflüchteten Menschen.“

Hintergrund: Hessische Verbraucherverbände

Die 1959 gegründete Verbraucherzentrale Hessen mit Sitz in Frankfurt am Main unterhält derzeit acht Beratungsstellen: Borken, Darmstadt, Frankfurt, Fulda, Gießen, Kassel, Rüsselsheim und Wiesbaden. Hinzu kommen die Beratungsstützpunkte Erbach/Odenwald und Fritzlar. Das Angebot wurde 2015 um eine Beratung per E-Mail ergänzt.

Der 1949 gegründete DHB – Netzwerk Haushalt, Landesverband Hessen, mit Sitz in Korbach bietet Verbraucherberatung in 13 Städten: Bebra, Bad Camberg, Bad Hersfeld, Dieburg, Dillenburg, Frankenberg, Gelnhausen, Herborn, Korbach, Limburg, Marburg, Stadtallendorf und Wetzlar.

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