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Verse soll Fulda eine „archäologische Stimme“ verleihen

Fulda (mb). Sein Erfahrungsschatz ist groß. Entsprechend hoch sind die Erwartungen von Stadt und Kreis an Dr. Frank Verse, der Fulda in Zukunft eine „archäologische Stimme“ verleihen soll. Der 41jährige ist neuer Stadt- und Kreisbodendenkmalpfleger. Der gebürtige Sauerländer schließt eine seit dem Tod von Dr. Matthias Müller bestehende Lücke. Schutz und Sicherung der Bodendenkmäler im Vorfeld von Baumaßnahmen wird einer von Verses Arbeitsschwerpunkten sein. Ein weiterer die Betreuung der vielen ehrenamtlichen Kräfte in der Region. Inzwischen hat Verse deshalb auch den Vorsitz des archäologischen Arbeitskreises des Geschichtsvereins übernommen.

Forschung voranbringen

Archäologie sei wichtig, um die Bodendenkmalforschung wahrzunehmen und voranzubringen, skizzierte Fuldas OB und Kulturdezernent Gerhard Möller die Aufgabenstellung des neuen Stadt- und Kreisbodendenkmalpflegers. Zügigkeit im Vorgehen und Vorabbegutachtungen seien insbesondere bei anstehenden Bauvorhaben notwendig. Verse müsse deshalb ein hohes Maß an Mobilität und Flexibilität mitbringen.

Für Stadt und Landkreis sei es von Vorteil, dass mit Frank  Verse ein ausgewiesener Experte vor Ort ist. Er könne sich nun auf die Region konzentrieren, was im ein oder anderen Fall der wissenschaftlichen Untersuchung „beschleunigende Wirkung haben wird“, wie der Erste Beigeordnete des Landkreises Fulda, Dr. Heiko Wingenfeld, hofft. Vom Einsatz Verses verspricht sich Wingenfeld eine „kulturelle Bereicherung“. Möglicherweise könne das Thema Archäologie durch den neuen Stadt- und Kreisbodendenkmalpfleger „auch für Schulen interessant werden.“

Uniplatz und Milseburgausgrabung

Aktuell wird sich der studierte Ur- und Frühgeschichtler, der im Nebenfach unter anderem „Klassische Archäologie“ belegte, mit Bodenanalysen im Zuge der Umgestaltung des Universitätsplatzes beschäftigen. Mittelfristig aber auch mit nicht abgeschlossene Projekte seines Vorgängers Müller, wie zum Beispiel die Milseburgausgrabung. Eines der ersten Vorhaben wird die Untersuchung des Schulhofes der Dalbergschule sein, deren Außenmauer auf den Resten der alten Stadtbefestigung steht. Wenn es nach Fuldas Kulturdezernent geht, sollen die Arbeiten gleich im neuen Jahr beginnen. Unter Kulturamtsleiter Dr. Werner Kirchhoff waren auf dem Areal bereits die Fundamente eines der 12 Türme der Stadtmauer, dessen genaue Lage nicht bekannt war, entdeckt und freigelegt worden.

Wie wichtig die wieder besetzte Stelle ist, belegte Möller mit dem Hinweis auf Notgrabungen beim Bau des Westrings. 2006 führten die archäologischen Bodenuntersuchungen zu einem bemerkenswerten Fund, aber auch kurzzeitigen Verzögerungen im Straßenbau. Aus Sicht des OBs ist diese Ausgrabung deshalb ein „gutes Beispiel“ dafür, dass die Archäologie graben müsse. „Jetzt wissen wir, dass das Oberzentrum im Westen entstanden ist“, fügte Kreisbeigeordneter Wingenfeld schmunzelnd an.

Kompromiss

Die Besetzung des Stadt- und Kreisbodendenkmalpflegers mit einer halben Stelle bezeichnete Fuldas Verwaltungschef als politischen Kompromiss. Das Kerngeschäft könne in diesem Rahmen erfüllt werden. Stadt und Kreis wenden rund 30.000 Euro für die Beschäftigung Verses aus, der in der verbleibenden Zeit publizistisch in einem Frankfurter Buchverlag mitwirkt.

Woher, wohin

Seine Liebe zur Altertumsforschung und Archäologie hat Verse schon früh entdeckt. „Als Kind bin ich auf der Burgruine Plettenberg herum gesprungen“, lächelt er. Viel wichtiger für seine Entscheidung sei jedoch die Frage nach dem „Woher, wohin“ gewesen, die sich jeder im Leben stelle. Verses Bezug zu Fulda rührt aus Forschungsarbeiten im Vonderau Museum her, als er für seine Dissertation Keramiken auswertete. Nach dem Studium an der Westfälischen Wilhelms Universität Münster und der Promotion über „Ältereisenzeitliche Keramik im Mittelgebirgsraum zwischen Rhein und Werra“ führten weitere berufliche Stationen Verse an das Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Akademie der Wissenschaften und Literatur der Frankfurter Johann Wolfgang von Goethe Universität.

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