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Enkeltochter Cahn

DSC_0001Neriya heißt die Enkeltochter von Michael Cahn. Wie auch ihr inzwischen 90-jähriger Großvater, Inhaber der Ferdinand-Braun-Medaille und Sohn des letzten Fuldaer Provinzialrabbiners, lebt die junge Studentin in Israel. Zurzeit absolviert die 19-Jährige ein mehrmonatiges Sozialpraktikum im jüdischen Altenheim in Frankfurt.

Nun hielt sich Neriya in der Geburtsstadt ihres Großvaters auf, um auf Spurensuche nach den Wurzeln ihrer Familie zu gehen. Gemeinsam mit Dr. Michael Imhof, dessen Sohn David sowie ihrer aus dem Jemen stammenden Freundin Ella traf sie sich im Stadtschloss zum Gedankenaustausch mit Fuldas neuem Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld.

Geschichte besser verstehen

DSC_0003Für Wingenfeld steht fest, dass die nächsten Tage und Wochen der jungen Frau hilfreich sein werden, die „Geschichte des Großvaters“ besser zu verstehen. Auf dem Programm von Neriya stehen deshalb unter anderem ein Besuch der „Rabbiner-Villa“ in der Von-Schildeck-Straße – hier wohnte früher der Großvater – und ein Besuch des Grabes des Urgroßvaters auf dem jüdischen Friedhof. Als erfreulich wertete der OB im Gespräch mit der Cahn-Enkelin, dass die jüdische Gemeinde von Fulda weiter wächst. Vor allem aufgrund der Zuwanderung aus den Staaten Osteuropas. Gleichzeitig machte er deutlich, wie wichtig den Deutschen die Reflexion ihrer Geschichte sei. „Wir arbeiten an einer Gesellschaft, die die schlimmen Erfahrungen der Vergangenheit nicht wiederholen soll.“ Als Teil dieser geschichtlichen Aufarbeitung und Versöhnungsarbeit hatte Wingenfelds Vorgänger Dr. Wolfgang Hamberger 1987 die noch lebenden ehemaligen jüdischen Fuldaer Mitbürgerinnen und Mitbürger aus aller Welt zu einem großen Fest der Begegnung in die alte Heimatstadt eingeladen. Viele waren damals nach Fulda gekommen, unter ihnen auch Neriyas Großvater Michael Cahn, um zugleich die untergegangene jüdische Gemeinde durch die Nutzung der ehemaligen jüdischen Schule als Ort des Gebets wieder zu begründen.

Fulda bis heute verbunden

Bis heute hält der gebürtige Fuldaer Cahn die Kontakte aufrecht, was nicht zuletzt in der hohen Auszeichnung mit der Ferdinand-Braun-Medaille mündete. „Gästen aus der Vaterstadt“, wie Neriyas Großvater gerne zu sagen pflegt, steht er immer gerne als kundiger Stadtführer in Jerusalem zur Verfügung. Brücken bauen und Barrieren brechen, das ist sein Credo.

Aber auch der akademische Austausch liegt Michael Cahn sehr am Herzen. In seinem Bemühen wird er von Dr. Michael Imhof unterstützt. „Wir sind auf einem guten Weg“, unterstreicht Imhof. Gruppen der Hochschule Fulda besuchen immer wieder die Partnerhochschule in Jerusalem.

Das Treffen von 1987 hatte auch für den heutigen Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld „Folgewirkungen“. Er kam ebenfalls mit ehemaligen Fuldaern, beispielsweise bei einem mehrwöchigen New-York-Aufenthalt zusammen, um mehr über ihre tragischen Erlebnisse aus der damaligen Zeit erfahren zu können. Besonders haften geblieben sind Wingenfeld die Schilderungen eines ehemaligen jüdischen Fuldaers, der in Buchenwald inhaftiert war. Ihm blieb unverständlich, wieso das Umfeld so plötzlich und drastisch seine Haltung gegenüber jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern verändern konnte.

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