Am Gründonnerstagmorgen feierte Bischof Heinz Josef Algermissen mit zahlreichen aus dem gesamten Bistum versammelten Priestern und Diakonen die traditionelle Chrisam-Messe. Der Name stammt von der Weihe der heiligen Öle für die Sakramentenspendung. Der Oberhirte stellte in seiner Predigt heraus, dass Priester heute lernen müssten, zwischen Notwendigem und Wünschenswertem in ihrem Dienst zu unterscheiden. Dabei erinnerte er an die „discretio“ des hl. Benedikt, die Fähigkeit des Maßhaltens. Aufgrund des fatalen Priestermangels hätten viele Priester mehrere Gemeinden in größeren pastoralen Räumen oder umfangreiche Arbeitsfelder im kategorialen Bereich übernommen. „So wie es aussieht, werden die Zuständigkeitsbereiche in Zukunft wohl eher noch größer werden. Wie aber kann man die übertragenen Aufgaben meistern und dabei auch noch zufrieden leben?“, fragte der Bischof. „Nicht alles, was in der Vergangenheit möglich und gut war, ist heute noch sinnvoll. Und manches, was durchaus sinnvoll wäre, ist einfach nicht mehr zusätzlich zu leisten. Das gilt für unsere finanziellen Mittel, mehr noch für unsere Kräfte.“
Algermissen forderte die Priester auf, sich und ihre Mitarbeiter nicht zu überfordern, sondern den Mut zu haben, auf das eine oder andere bisherige Angebot zu verzichten, wenn sie mit ihren Kräften an eine Grenze gerieten. Da heutzutage bei vielen Menschen der Wunsch nach Seelsorge in einem umfassenden Sinn immer deutlicher zur Sprache komme und die Kirche darauf antworten müsse, sollten Priester sich auch um eine vertiefte Selbsterkenntnis bemühen. „Es geht um den rechten, gläubigen Umgang mit den eigenen Lebenswunden, die in unserer Biographie und unserer Charakterstruktur begründet sind. Es geht um Versöhnung mit sich selbst. Dahinter steht die Überzeugung und Erfahrung, dass es gerade dieser aufmerksame kritische Umgang mit sich ist, der zu den Mitmenschen Brücken schlägt.“ Recht verstanden könne auch die Erfahrung von Schuld und Versagen die beste Qualifikation für Seelsorge sein.
Das bedeute sicher nicht, dass ein guter Seelsorger „alles“ erlebt haben müsste. „Aber es kann bedeuten, dass er an einer Stelle seines Lebens einmal existenziell an die Grenze gekommen ist und weiß, was Schwäche und Krise bedeuten“, gab der Bischof zu bedenken. Der Priester als Seelsorger brauche jemanden, der ihm menschlich nahe stehe und dem er Vertrauen schenken könne. Das führe direkt zur Frage nach der mitbrüderlichen Communio, auch nach regelmäßigen Treffen der Priester auf der Ebene der Dekanate. Bischof Algermissen rief auch zur Lektüre der Heiligen Schrift und zur Feier der Heiligen Messe als Heilmitteln auf. „Die Barmherzigkeit, die uns geschenkt wird, dürfen wir weiterschenken. Das ist kein Zeichen der Schwäche, sondern Geschenk eines starken Gottes, der sogar das Kreuz des Karfreitags ausgehalten hat.“ Am Gründonnerstag seien die Priester eingeladen, sich auf das große Geschenk ihrer priesterlichen Berufung zu besinnen, sich ihrer zu freuen und im Treueversprechen erneut ihre Bereitschaft zu bekunden, als Priester „Christus, dem Herrn, und unseren Schwestern und Brüdern zu dienen“.