Mit seiner Unterschrift unter das „Gesetz über die Hochschulträgerschaft im Bistum Fulda“ hat Bischof Heinz Josef Algermissen am Mittwoch die Eingliederung des Katholisch-Theologischen Seminars an der Universität Marburg in die Theologische Fakultät Fulda verfügt. „Ausbildung und Bildung an der Theologischen Fakultät Fulda dürfen als missionarisches Zeichen in Richtung der gesellschaftlichen Öffentlichkeit verstanden werden“, betonte der Oberhirte, der in seiner Eigenschaft als Großkanzler der Theologischen Fakultät ein Schlusswort zur traditionellen Hrabanus-Maurus-Akademie sprach. „Es braucht notwendig für die kirchlichen Berufe in unserem Land eigenständige akademische kirchliche Einrichtungen, in denen die besonderen Belange des kirchlichen Dienstes angesichts sich ständig verändernder pastoraler Rahmenbedingungen berücksichtigt werden“, unterstrich der Bischof im Auditorium maximum der Fakultät. Dabei sei es notwendig, über den Tellerrand zu schauen und einen breiten Diskurs zu wagen. Laut Rektor Prof. Dr. Dr. Bernd Willmes profitierten sowohl Marburg als auch Fulda von den gemeinsamen Lehrkräften und neuen Studienangeboten.
Festvortrag über Priesterausbildung
Bischof Algermissen betonte, dass Ausbildung und Bildung lebenswichtige Felder kirchlicher Tätigkeit seien, um Menschen eine Grundorientierung für die „sinnvolle, erfüllende und der Wahrheit verpflichtete Gestaltung und Bewältigung ihres Lebens“ zu geben. Es gehe um die Hinordnung des Menschen auf den lebendigen Gott, der sich in seinem Sohn Jesus Christus in dieser Welt offenbart habe. Der Oberhirte dankte dem Liturgiewissenschaftler der Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Cornelius Roth, für seinen Festvortrag mit dem Titel „Pastor doctus – Pastor bonus. Priesterausbildung zur Zeit des Hrabanus Maurus und heute“. Zu Beginn der Festakademie hatte Rektor Prof. Willmes den Bischof sowie Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez, die anwesenden Domkapitulare und Professoren der Theologischen Fakultät und zahlreiche Gäste aus Kirche, Universität und Gesellschaft begrüßt. Im Laufe der Veranstaltung wurden zwei Absolventen ihre Diplomurkunden verliehen. Die Akademieveranstaltung wurde musikalisch sehr lebendig umrahmt durch ein Instrumentalensemble mit jiddischen Musikstücken.
In seinem Vortrag stellte Prof. Roth das Werk „De institutione clericorum“ des Fuldaer Abtes Hrabanus Maurus (780-856) über die Priesterausbildung vor und zeigte, dass vieles davon auch noch in der Ausbildung von Klerikern im 21. Jahrhundert und einer immer uneinheitlicher werdenden Welt von Belang ist. Nach Hrabanus müsse ein Priester ein „kompetenter Liturge und Sakramentenverwalter“ und zugleich ein „umfassend Gebildeter und Gelehrter“ sein. Dieses doppelte Klerikerbild fordere für die heutige Priesterausbildung „Mut zum Wesentlichen“, hob Roth hervor. Denn es brauche eine Stärkung der Kernkompetenzen der Geistlichen für eine würdige Feier der Liturgie und eine zeitgemäße Verkündigung, die auch der Kirche Fernstehende anspreche. Zudem würden heute besonders menschliche Qualitäten von Priestern erwartet, und dazu müsse auch eine gute Allgemeinbildung kommen. „Wir brauchen eine würdig gefeierte Liturgie in einer Zeit, in der Rituale den Menschen wieder etwas bedeuten“, führte Prof. Roth aus. Der Zelebrant solle „in der Liturgie zu Hause sein“, nicht einfach Überliefertes subjektivistisch über Bord werfen, wohl aber „wirkliche Kreativität im Akt des Liturgiefeierns selbst“ entfalten. Kriterien für einen gut predigenden Priester seien heute mehr denn je die Alltagsnähe zu den Menschen und die Echtheit des Inhalts – es sei mehr von Christus und vom Wort Gottes zu reden. Damit der Priester den Menschen gegenüber auskunftsfähig in Fragen des Glaubens sein könne, bedürfe es umfassender theologischer Bildung, zu der aber eine Bildung in praktischer Hinsicht hinzukommen müsse. Die Forderung, dass Kleriker einen Blick für den Menschen haben und gut ausgebildet sein müssten, bezog Prof. Roth auch auf die pastoralen Mitarbeiter in der Kirche.