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Großer Erfolg der Ausstellung „200 Jahre Emanzipation der Juden in Fulda und Region“

141026_ImhofFulda. Mit 1800 Besuchern in nur 5 ½ Wochen ist die Ausstellung „200 Jahre Emanzipation der Juden“ die erfolgreichste Präsentation des Vonderau-Museums in der letzten Zeit. Das Konzept der Ausstellung holte die Menschen über eine großformatige Inszenierung von historischen Straßenszenen, Stadtviertelansichten und Häuserfotos in das Fulda um die Jahrhundertwende. Nach den geschichtlichen Stationen der Emanzipation im 19. Jahrhundert, von Napoleons Code Civil bis zum Ersten Weltkrieg, wird der Besucher eingeladen, sich in die jüdische Glaubenswelt und deren prägenden Einfluss auf den Alltag gläubiger Juden zu vertiefen.

Danach entlässt ihn die Ausstellung mit einem erweiterten Blick und neuen Fragestellungen in die Welt von heute, so Initiator und Kurator der Ausstellung, Dr. Michael Imhof von „Zukunft Bildung Region Fulda e.V“. „Das interessiert die Menschen. Sie wollen wissen, was die Geschichte mit ihnen zu tun hat.“ Beim Blättern im Gästebuch bestätigt sich diese Einschätzung: „Ein neuer Blick auf die Heimat. Viele Dank!“ ist zu lesen oder „Wir haben einen tollen und informativen Vortrag über viele unbekannte Dinge des Judentums gehört!“.

Während der Finissage, dem Abschluss zusammen mit den Machern der Ausstellung, Leihgebern und Sponsoren, bedankte sich der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Fulda, Herr Roman Melamed bei Dr. Imhof für die eindrucksvolle Gestaltung der Epoche der Emanzipation der Juden im 19. Jahrhundert. In den Zeiten immer wieder neu aufkommender antijüdischer Stimmungen sei es für die jüdische Gemeinde wichtig, in einer solchen Ausstellung von der Bedeutsamkeit des Judentums für die Region Fulda zu erfahren. Er bestätigte die anrührende Bemerkung aus dem Besucherkreis der jüdischen Gemeinde während eines Rundgangs: „In der Ausstellung habe ich zum ersten Mal wieder das Gefühl, zuhause zu sein“.

 

Kleinodien der Ausstellung wurden nochmals besonders ausgeleuchtet: Frau Notburga Klüber verwies anhand erst kürzlich entdeckter Fotos und Notizen zu Familienbiographien auf die bürgerliche Stellung der Familie Isaak und Marianne Rödelheimer aus Wüstensachsen um 1870 und ihre Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung in der Rhöngemeinde. Mit der einzigartigen Schnitzfigur eines mit Löffeln handelnden Haussierhändlers aus der Rhön skizzierte Dr. Imhof den Weg vom jüdischen, ärmlichen Kleinhandel zu neuen Wirtschaftsformen. Dieses zukunftsweisende Wirtschaftsdenken zeigte Raimund Henkel anhand einer ausgestellten Nähmaschine stellvertretend für ein breites kundenorientiertes Sortimentangebot auf, das im Kaufhaus von Jesajas Katz in Flieden angeboten wurde. Den Weg vom Tuchändler in Lütter zum industriellen Lackproduzenten zeichnete Joachim Schulz an der vielseitigen Unternehmerfamilie Stern nach. Die Rolle von Provinzialrabbiner Dr. Michael Cahn als Streiter für die jüdische Orthodoxie wurde von Michael Imhof gewürdigt.

 

Die kulturelle Infrastruktur der jüdischen Landgemeinden mit Synagoge, Friedhof, Mikwe und Schule konnte der Betrachter in den großformatigen Fotokollagen von Joachim Schulz und Viola Riesner entdecken.

Die Esther-Rolle aus der Schatzkammer der Fuldaer Hochschulbibliothek von ca. 1650, in der die Errettung der Juden vor einem drohenden Pogrom in der Babylonischen Gefangenschaft geschildert wird, ist ein bibliophiler Schatz, der zum Versenken in die mit blumenverzierten Säulen und Ornamenten geschmückte Bilderwelt der jüdischen Geschichte einlädt.

 

Die Absicht der Ausstellung, die Bedeutsamkeit des Judentums für die Entwicklung der Region im 19. Jahrhundert aufzuzeigen ist erfüllt, wie die Eintragungen im Gästebuch, belegen. Mit einem historischen Akzent wird die Ausstellung in reduzierter Form ab 15.11. in der Hochschulbibliothek auf dem Hochschul-Campus zu sehen sein.

Gästebuch-Einträge:

  • „Ein neuer Blick auf die Heimat. Vielen Dank!“
  • „Unsere Glückwünsche zu einer äußerst liebevoll gestalteten und lehrreichen Ausstellung!“
  • „Wir nehmen viele neue Erkenntnisse mit nach Hause“
  • „Eine schöne und bewegende Ausstellung!“
  • „Großartig!“
  • „Vielen Dank für die informative Ausstellung!“
  • „Ein wichtiges Kapitel Fuldaer Geschichte wurde hier eindrucksvoll dokumentiert. Ein großes Lob!“
  • „Informationen, von denen nicht gesprochen wurde!“

 

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