Fulda. 1988, mit 13 Jahren, kam der junge Omid Nouripour mit seinen Eltern auf der Flucht vor politischer Unterdrückung durch das Mullah-Regime im Iran nach Deutschland. Heute wohnt er in Frankfurt, ist Deutscher, grüner Politiker und hessischer Bundestagsabgeordneter.
Jetzt hat er im Herder-Verlag ein Buch über seine Erfahrungen und Einsichten zum Thema Integration veröffentlicht: „Mein Job, meine Sprache, mein Land – Wie Integration gelingt“, das er auf Einladung des Fuldaer Kreisverbands von Bündnis 90/ Die Grünen kürzlich im Museumscafé vorstellte. Ca. 40 Zuhörerinnen und Zuhörer, eine ganze Anzahl von ihnen Fuldaerinnen und Fuldaer iranischer Herkunft, hatten sich zu dieser Lesung eingefunden.
Berufliche Integartion steht ganz oben
Dass die Integration von Einwanderern ein Prozess sei, der nie als völlig abgeschlossen gesehen werden sollte, ist eine Hauptaussage von Nouripours Buch. Als wichtigsten Punkt dabei sieht er die berufliche Integration, daher steht sie im Buchtitel an erster Stelle: „mein Job“. Berufliche Integration aber ist ohne sprachliche nicht möglich: „meine Sprache“- und führt auch zugleich zu sozialer: „mein Land“. Besonders wichtig, geradezu unverzichtbar, so Nouripour, seien daher Schulbildung und Sprachenlernen für die jüngere Generation.
Am Beispiel seines eigenen Lebenswegs zeigt Nouripour in dem Buch Gründe auf, wie seine Integration gelingen konnte. Er zieht eine Parallele zu einem anderen jungen Mann mit vergleichbaren sozialem Hintergrund, dem 9/11-Attentäter Ziad Jarrah aus dem Libanon. Warum ist dessen Integrationsprozess gescheitert, der von Nouripour aber, wie er selbst meint, gelungen? Bei Jarrah seien mehrere Umstände zusammen gekommen, vor allem, dass Jarrah alleine nach Deutschland kam, Nouripour aber mit der Familie und dass Jarrah zunächst in Greifwald wohnte, Nouripour aber ins weltoffenen Frankfurt zu zog, die dazu geführt hätten, dass Jarrah sich fundamentalistischen Islamisten anschloss.
„Ziad Jarrah hätte vermutlich jeden Integrationstest bestanden.“ Doch bei ihm und vielen anderen Extremisten, die oberflächlich ein integriertes Leben führten, sei der Prozess der Integration abgebrochen worden, bevor sie an einem Punkt angekommen waren, von dem an sie sich mit der sie integrierenden Gesellschaft identifizierten. Erst wenn man Integration als Prozess begreife, der stets auch Gefahr laufen kann zu scheitern, könne man diese Probleme besser verstehen.
Integaration als kommunale Aufgabe
Nouripour kritisierte, dass die vielen Beispiele erfolgreicher Integration in der öffentlichen Diskussion leider oft ausgeblendet, die misslungenen dagegen breit ausgewalzt würden. Zum Gelingen seien jedoch einige Voraussetzungen zu beachten, die Nouripour zum Schluss zusammen fasste. Dazu gehörten u.a. Integration in den Arbeitsmarkt, bessere Bildungschancen für Einwanderer, Rechtsgleichheit, bessere Wohnangebote, vor allem aber ein Klima der Offenheit und Toleranz.
Kommunale und regionale Bezüge seien in Integrationskursen wichtig. „Für den Einwanderer in Stuttgart ist die Geschichte von Mercedes-Benz interessanter und lebensnaher als die Historie der Kreidefelsen auf Rügen“. Integration sei auch und vor allem eine kommunale Aufgabe. Deutschland habe vieles richtig gemacht, aber vieles bleibe noch zu tun.