Fulda. Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) will seine niedrigschwelligen Beschäftigungs- und Qualifizierungsangebote für arbeitslose Jugendliche, die nicht in erster Linie berufspraktisch, sondern sozialpädagogisch ausgerichtet sind, auf eine breitere Grundlage stellen. In Kürze soll ein neues Projekt starten, das sich vor allem an junge Frauen wendet und in Zusammenarbeit mit dem Heimattiergarten Neuenberg durchgeführt wird. Bei einem Informationsbesuch des Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Heiko Wingenfeld in der AWO-Geschäftsstelle in der Langebrückenstraße wurde auch diese Maßnahme angesprochen.Weitere Themen waren unter anderem die Schuldnerberatung, der Betreuungsverein, die Migrationsberatung insbesondere für Angehörige des islamischen Kulturkreises sowie die Förderung von Selbsthilfegruppen. Die Kreisgeschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt, Edith Becker, lobte die traditionell gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis Fulda. Auf beiden Seiten herrsche Verlässlichkeit, ein hohes Maß an Vertrauen und Anerkennung für die Leistungen des jeweils anderen. An dem Gespräch nahm auch Bernd Köhler als Projektverantwortlicher von „Lohn und Brot“ teil, der die Maßnahme der AWO maßgeblich konzipiert hat..
Fahrradwerkstatt bundesweit bekannte Einrichtung
Bei „Lohn und Brot“ geht es darum, Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Gründen wie mangelnder Sprachkompetenz, psychischen Auffälligkeiten oder fehlende Integration aus dem ersten Arbeitsmarkt herausgefallen sind, Betätigungsfelder zu eröffnen, die sie wieder an ein geregeltes Alltagsleben heranführen und auf diese Weise für berufsvorbereitende Maßnahmen qualifizieren. Dies geschieht zum Beispiel in der Fahrradwerkstatt einer mittler-weile bundesweit bekannter Einrichtung oder auch in anderen Dienstleistungsbereichen, wozu die Spielplatzreinigung, Wohnungsauflösungen und die Grünflächenpflege zählen.
Junge Menschen, die finanzielle Leistungen vom Amt für Arbeit und Soziales beziehen, in ihrer Arbeits- und Ausbildungsplatzsuche zu unterstützen, ist auch das Ziel der Maßnahme „proJu“, die von der AWO in freier Trägerschaft angeboten wird. Die Teilnehmer werden in einem mit Computerarbeitsplätzen ausgestatteten Schulungsräumen unterrichtet und bei persönlichen Problemlagen beraten. Wenn dadurch eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt begünstigt wird, können sie auch ein Praktikum in der freien Wirtschaft absolvieren.
Arbeitscoaches als erfolgversprechender Ansatz
In diesem Zusammenhang sprachen sich die beiden AWO-Vertreter dagegen aus, Beschäf-tigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen an überregionale Anbieter zu vergeben. Die Grup-pen seien hierfür viel zu unterschiedlich zusammengesetzt. Dr. Wingenfeld ergänzte, dass vor Ort die Bedürfnisse des regionalen Arbeitsmarkts wesentlich besser abgeschätzt werden könnten. Ein besonderes Anliegen ist es dem Ersten Kreisbeigeordneten, dass bei leistungs-schwächeren Jugendlichen möglichst früh mit berufspraktischen Hilfen begonnen werde. Ein erfolgversprechender Ansatz sei die Einrichtung von Arbeitscoaches an Hauptschulen.
Auch beim Heimattiergarten-Projekt geht es um die Qualifizierung für den Arbeitsmarkt durch ein niedrigschwelliges Beschäftigungsangebot. Die Maßnahme wird in Kooperation mit dem Amt für Arbeit und Soziales durchgeführt und von dort finanziert. An dem Projekt nehmen vorerst zwölf junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren teil, die im Heimattiergarten unter fachlicher und pädagogischer Anleitung kleinere tierpflegerische und handwerkliche Arbeiten ausführen. Einmal in der Woche ist die Gruppe in den AWO-Schulungsräumen, um beispielsweise einen Computerkurs oder ein Bewerbertraining zu besuchen. Ebenso sind freizeit- und erlebnispädagogische Anreize vorgesehen.