
Stahlende Gesichter (v. li.): Roswitha Birkemeyer, Christoph Göbel, Daniel Schmidtke, Ursula Simon, Rainer Wittich, Manfred Lersow, Marianne Reith, Hubertus Spieler
Fulda. Im Rahmen der zweiten Tagung des Arbeitskreises Gesundheit & Werte der Industrie- und Handelskammer Fulda Ende Mai im ITZ überreichte die IHK Fulda am 27. Mai die ersten Prädikate „Gesund arbeiten in FD”. Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Burnout oder Boreout beschäftigen immer mehr Unternehmen. Die Industrie- und Handelskammer möchte gerade auch die klein- und mittelständischen Betriebe ermutigen, sich viel intensiver mit Personalentwicklung und Gesundheitsprävention zu beschäftigen“, unterstrich IHK-Präsident Bernhard Juchheim, der die Tagung eröffnete. „Das Prädikat gibt ihnen die Chance herauszustellen, was sie leisten. Die ersten ausgezeichneten Unternehmen sind hervorragende Beispiele dafür“, betonte Juchheim.
„Zufriedene Mitarbeiter sind auch wichtige Botschafter, wenn es darum geht, neue Mitarbeiter oder Kunden zu gewinnen. Mit dem Prädikat, das in die Markenkampagne Region Fulda eingebunden ist, positioniert sich die Region klar als Wirtschafts- und Werteregion“, so der Unternehmer.
Das Prädikat „Gesund arbeiten in FD“ orientiert sich an der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Gesundheit. Laut WHO ist Gesundheit ein Zustand völligen körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Es geht also nicht darum, ob ein Mensch gesund oder krank ist, sondern in welche Richtung er sich mit Hilfe seiner Ressourcen bewegt. Jeder Einzelne ist aufgerufen, selbst aktiv etwas für seine Gesundheit zu tun.
Das Prädikat „Gesund arbeiten in FD“ haben Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region mit viel Engagement im IHK-Arbeitskreis Gesundheit & Werte entwickelt. Das Konzept dahinter stellte Hubertus Spieler vor, der den Arbeitskreis moderiert. Die Auszeichnung orientiert sich am Konzept der Salutogenese (siehe Kasten), bei der auch die Sinnhaftigkeit eine wichtige Rolle spielt. „Bewertet werden unternehmerische Aktivitäten, die sechs Bereichen zugeordnet werden: (1) körperlich-medizinisch, (2) geistig-intellektuell, (3) seelisch-emotional, (4) sozial-kommunikativ, (5) kulturell-ökologisch und (6) sinnhaft-wertebewusst.
„Salutogenese in Unternehmen braucht ein bewusstes Lebens- und Arbeitsstil-Konzept: Ein sinnvolles Leben und Arbeiten mit weniger Stress, mehr Spaß, guten zwischenmenschlichen Beziehungen und ausreichend Raum für geistige und seelische Entwicklung“, betonte Spieler. „Gesund zu arbeiten und zu leben verstehen wir als einen kontinuierlichen Wachstumsprozess.
Damit liegt Spieler auf einer Linie mit Ulrich Jentzen. Der Geschäftsführer der Stiftung Reformhaus-Fachakademie und Akademie beleuchtete in seinem Vortrag die Frage, warum wir es immer wieder schaffen, nicht gesund zu bleiben oder zu werden? Je ausdrücklicher der Verstand predige „Das darfst du nicht!“, umso stärker werde der Widerstand auf der unbewussten Ebene. Gesundheit dürfe nicht zur staatsbürgerlichen Pflicht werden. Im Mittelpunkt stehe die Freiwilligkeit. „Wir dürfen nicht die stigmatisieren, die sich nicht gesund verhalten.“ Gesundheit sei ein langer Weg, auf dem es auch immer wieder Rückschläge gäbe, warnte Jentzen vor überzogenen Hoffnungen.
Ein relatives statt ein vollkommenes Wohlbefinden anzustreben, eine Balance zwischen Produktivität und Lust, der Umgang auf Augenhöhe und Handlungsspielraum für die Mitarbeiter seien weitere Aspekte. Nicht zuletzt hätten Führungskräfte auf dem Weg zu einem gesunden Unternehmen eine wichtige Vorbildfunktion.
Folgende Unternehmen sind die ersten, die mit dem Prädikat „Gesund arbeiten in FD“ ausgezeichnet wurden
- Edag Group (Gold)
- Fikentscher GmbH (Silber)
- MUP Bürohandels GmbH (Gold)
- Papperts GmbH & Co. KG (Gold)
- Simonmetall GmbH & Co. KG (Gold)
- Zufall logistics group (Gold)
Salutogenese (lat. salus „Gesundheit“, „Wohlbefinden“ und -genese, also „Gesundheitsentstehung“) bezeichnet zum einen eine Fragestellung und Sichtweise für die Medizin und zum anderen ein Rahmenkonzept, das sich auf Faktoren und dynamische Wechselwirkungen bezieht, die zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit führen. Der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923 – 1994) prägte den Ausdruck in den 1980er Jahren als komplementären Begriff zur Pathogenese (Entstehung von Krankheit). Nach dem Salutogenese-Modell ist Gesundheit nicht als Zustand, sondern als Prozess zu verstehen. Quelle: Wikipedia