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Expressive Bilder, kraftvolle Skulpturen und vieles mehr – Tanner Diakonie präsentiert „Gestatten, Kultur !“

GK2014 Mustapha Bild (2)Tann. Die Reihe „Gestatten, Kultur !“ ist mittlerweile zu einer festen Größe im Kulturkalender der Region Rhön geworden: Zum 16. Mal bietet die Tanner Diakonie im Naturmuseum zu Tann Menschen mit und ohne Behinderung ein Forum, ihre Arbeiten einem interessierten Publikum zu präsentieren. Kurator Bernd Baldus hat die Exponate ausgewählt und zu einer überaus sehenswerten Schau zusammengestellt. Diese spannt den Bogen von Skulpturen über farbintensive Bilder bis hin zu grafischen Arbeiten und Fotografien.

Kraftvoll wirken die Skulpturen von Johannes Klüber. Der Bildhauer ist sowohl mit bronzenen Kleinplastiken als auch mit großen Objekten in Holz vertreten. Die expressiven Arbeiten greifen menschliche, bisweilen archetypische Momente auf und zeichnen sich aus durch eine originäre Oberflächenbearbeitung, die stets die Handschrift des Künstlers erkennen lässt.

Farbintensive Flächen aus Farbe konkurrieren in den Exponaten von Sahra Kropp um die Aufmerksamkeit des Betrachters. Mit ausgeprägtem Gefühl für das Setzen von Akzenten kreiert die Malerin in ihren Acrylarbeiten und Aquarellen abstrakte Räume zwischen Spannung und Harmonie. Auch Mustapha el Ayachi bringt in Acryl und in Aquarellkreide durch klug gewählte Kontraste Farbe zum Leuchten. Ein titelloses Bild in Acryl auf Leinwand weist mehrere Farbschichten auf, zeigt in unterschiedlichen Rottönen, in Gelb, Orange und Schwarz ein flammendes Inferno. Die Acrylarbeiten von Winfried Traumüller kennzeichnen sich durch einen starken Farbauftrag, wobei an verschiedenen Stellen immer wieder Spuren von Rakel, Walze und Pinsel erkennbar werden und der Oberfläche Struktur und Dynamik verleihen.

Um Tanz und Körperlichkeit, um Zeit und Vergänglichkeit kreisen die Exponate von Ulrike Kuborn. Ihre atmosphärisch dichten Acrylbilder auf Baumwolle fangen sehr sensibel Situationen der Bewegung ein. Die Malerin verweist auf die Flüchtigkeit des Augenblicks und setzt dieser mit ihren Bildern etwas Bleibendes entgegen: klug komponierte malerische Momentaufnahmen mit meditativem Charakter.

Aus den Arbeiten von Rosemarie Günther spricht eine Verehrung für das Werk von Felix Ramholz. Seine Bilder nutzt die Malerin als Inspiration, variiert Motive und Farbgebung und präsentiert so in Acryl ihre ganz eigenen Versionen von idyllischem Leben. Gertrude Hübner widmet sich Gouache und Zeichnung. Auf einer Arbeit auf Papier setzt sie mit Farbstiften winzige Haken aneinander, formiert sie zu einem bunten Gewebe, das wie ein Vorhang wirkt, der vom Wind sanft umspielt wird.

Ölkreide ist das bevorzugte Material von Martin Hüttel. Seine Bilder spiegeln Geometrie und Ordnung, sind gehalten von einem Raster aus Quadraten, von deren kontrastreicher Farbgebung Ruhe und Kraft ausgeht. Eine ähnliche Wirkung entfalten die Blätter, die Willibald Barwig mit Aquarellkreide gefertigt hat. Strukturen und Schraffuren in oft herbstlichen Tönen lässt er mittels Wasser und Pinsel zu harmonischen Seelen-Landschaften ineinander fließen.

Florale Motive wie abstrahierte Blumen, Zweige und Blätter bestimmen die Bildwelten in den Kaltnadelradierungen von Heinz Grass. Klaus Magnus hingegen greift in Radierung und Aquatinta urbane Szenen auf: Altberliner Häuser hält er mit großer Akribie fest, vollführt dabei ein strenges Spiel von Licht und Schatten.

Mit Fotografien ist Roland Kaufmann vertreten. Er hat in seiner Serie „TANN, 9. Juni 2013“ aus bisweilen eigenwilligen Blickwinkeln Szenen rund um das damalige Hochwasser in der Rhönstadt festgehalten. Bilder zeigen die Ulster als reißenden Fluss, dessen gewaltige Wassermaßen sich mit spritzender Gischt den Weg bahnen. Kunstfreunde sollten sich diese spannende Präsentation nicht entgehen lassen. Die Ausstellung „Gestatten, Kultur !“, finanziell unterstützt von der „Aktion Mensch“, ist noch bis 8. Juni 2014 während der gewohnten Öffnungszeiten des Naturmuseums zu Tann zugänglich. Zur Schau ist ein Katalog erschienen. Text: Klaus H. Orth

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