
Den Aktionsplan „Wildkatze“ stellten (von links) der Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön Michael Geier, Ulrike Schade vom Verein RhönNatur e.V. und Geoökologe Michael Brombacher von der
Zoologischen Gesellschaft Frankfurt jetzt in Oberelsbach vor. Foto: Heise
Oberelsbach. Die Rückkehr der Raubtiere wird immer wieder aus Regionen gemeldet, in denen sie längst ausgestorben – meist ausgerottet – waren. Auch die Rhön lässt seit geraumer Zeit damit aufhorchen, dass sich die hier heimische Wildkatze wieder ausbreitet. Das Biosphärenreservat will in den kommenden Jahren versuchen, die Lebensbedingungen zu verbessern und hat aus diesem Grund einen Aktionsplan entwickelt, der jetzt vorgestellt wurde.
Wie viele Tiere derzeit tatsächlich in der Rhön leben, kann Michael Geier,
Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, gar nicht genau sagen. 52 Exemplare seien nachgewiesen, es könnten aber durchaus mehr sein. Auch lässt sich bisher nur schwer auseinanderhalten, wie viele von den gezählten Vierbeinern nur „auf der Durchreise“ waren, denn die Tiere hätten einen enormen Aktionsradius.
Genauere Daten lieferten aber die Ergebnisse des Projekts „Die Wildkatze in der Rhön“, finanziert durch die Allianz Umweltstiftung und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt. Mit Hilfe von Lockstöcken konnten drei Korridore ausgemacht werden, auf denen sich die Tiere bewegen. Die drei Korridore vereinigen sich im Raum Bad Brückenau. Spannend ist jetzt die Frage, ob die in der Rhön identifizierten Katzen „Reisende“ sind oder eine ansässige Population darstellen. Mit Hilfe von DNA-Tests ließen sich Indizien dafür finden, dass wohl „Rhöner“ Wildkatzen darunter sind. Ein Beweis stehe aber noch aus, dass es Wildkatzen in der Rhön ununterbrochen bis heute gegeben hat, bemerkt Geier.
In den 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte es Meldungen gegeben, wonach die letzte Wildkatze der Rhön bei Hausen geschossen worden sei. 1969 soll es bei Hilders wieder eine Sichtung gegeben haben, in den 90er-Jahren dann im Neuwirtshauser Forst. Aufschluss darüber, ob die Wildkatze in der Rhön tatsächlich schon einmal ausgerottet war, erhofft sich Geier durch einen DNA-Test an zwei ausgestopften Exemplaren, die aus den 1930er Jahren stammen. Sollten Übereinstimmungen mit aktuellem Genmaterial festgestellt werden, wäre der Nachweis erbracht, dass die Wildkatze in der Rhön trotz intensiver Bejagung nie ausgerottet worden ist.
Damit gäbe es ein Argument mehr, die Wildkatze in der Rhön stärker zu schützen. Es wären ohnehin keine besonders aufwendigen Schutzmaßnahmen notwendig, sagt Diplom-Ökologin Ulrike Schade vom Verein RhönNatur e.V. Mit relativ einfachen Mitteln könnte der Lebensraum optimaler gestaltet werden, etwa dadurch, dass Restholz im Wald zurückbleibt. Durch die Maßnahmen werde zudem auch kein Konfliktpotenzial aufgebaut, etwa mit dem Birkwild, das die freie Fläche bevorzugt, während die Wildkatze eher geschlossene Waldbestände liebe.
Vor allem wird ein störungsfreier Lebensraum für die Wildkatze benötigt,
wofür sich beispielsweise die Kernzonen des Biosphärenreservats anbieten. Dort sollen Vorranggebiete eingerichtet werden, die besonders auf die Wildkatze abgestellt sind und beispielsweise über ein Feuchtbiotop verfügen, felsige Abhänge, Hecken und Waldränder. Schwieriger wird es mit den menschengemachten Barrieren in den Korridoren. Eine der wichtigsten Wanderrouten quert beispielsweise die  B 285 zwischen Ostheim und Nordheim. Ein weiteres Hindernis ist die     B  279 zwischen Bad Neustadt und Schönau. Eine Grünbrücke oder Untertunnelung wären hier viel zu aufwändig, räumt Geier ein. Wo jedoch aus anderen Gründen Um- oder Ausbaumaßnahmen an Verkehrswegen anstehen, kann das Wanderverhalten der Tiere in die Planungen einbezogen werden. Auch wären fallweise Geschwindigkeitsbegrenzungen eine kostenneutrale Möglichkeit, der Wildkatze – und anderen Wildtieren – eine bessere Überquerung zu ermöglichen.
Wichtig sei aber auch, weitere Erkenntnisse über die Wildkatze zu erhalten. Daher wird der Aktionsplan auch weiter wissenschaftlich begleitet. Darüber hinaus wird die Bevölkerung aufgerufen, Totfunde von Wildkatzen der Bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön in Oberelsbach mitzuteilen (Telefon 0931-380-1660), und diese zu protokollieren. Formulare findet man im Internet unter www.rhoennatur.de. Auf dieser Internetseite sind auch der gesamte Aktionsplan sowie eine umfassende Darstellung der Wildkatze und ihrer Verbreitung in der Rhön einsehbar.