Fulda. Die Bauarbeiten an der Bio-Erdgas-Anlage der Biothan GmbH auf dem Finkenberg bei Kleinlüder sind nun abgeschlossen. Vor Gästen aus Politik und Wirtschaft wurde die 2. Ausbaustufe (Trockenvergärung) heute offiziell eingeweiht. Alle Redner lobten das Konzept zur Erzeugung regenerativer Energie aus biogenen Abfallstoffen.
Verarbeitet werden in der Anlage vor allem Gülle sowie organische Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie. „Die Verarbeitung von Lebensmitteln – etwa Mais – zu Energie ist in Deutschland nicht unumstritten. Wir setzen hier ausschließlich Abfallstoffe ein und machen daraus wertvolles regeneratives Erdgas“, unterstreicht Biothan-Geschäftsführer Dipl.-Betriebsw. Andreas Bug. „Diese grundsätzliche Ausrichtung hat uns viel Anerkennung eingebracht und trägt zur hohen Akzeptanz dieser Anlage bei“, so Bug.
„Wir freuen uns, dass die Anlage nun vollständig seinen Betrieb aufnehmen kann“, sagt Martin Heun, Geschäftsführer der RhönEnergie Fulda GmbH. „Wir haben hier auf dem Finkenberg ideale Voraussetzungen vorgefunden: Uns stand ein großes ehemaliges Militär-Gelände zur Nutzung zur Verfügung. Darüber hinaus erhielten wir viel politische Unterstützung – und dies auf allen Ebenen. Die Anlage setzt im Landkreis Fulda einen energiepolitischen Akzent. Das gibt uns Ansporn für weitere innovative Projekte.“
Regeneratives Erdgas aus Abfall
Die Bio-Erdgas-Anlage wird von etwa einem Dutzend Zulieferern und zahlreichen Landwirten der Region mit Abfällen versorgt. Die anfallenden Gärreste sind ein geruchsarmer Dünger und werden von rund 30 Landwirten abgenommen. Seit dem Frühjahr 2013 werden auf dem Finkenberg zudem die Inhalte der Braunen Tonne der Stadt und des Landkreises Fulda verarbeitet. Pro Jahr werden so in beiden Ausbaustufen aus zusammen rund 62.000 Tonnen Reststoffen 47 Mio. Kilowattstunden (kWh) Bio-Erdgas erzeugt. Dabei entstehen zusätzlich 38.000 Tonnen Dünger und 12.500 Tonnen Kompost.
Aus der Region für die Region
„Der größte Teil der bei uns eingesetzten Stoffe stammt unmittelbar aus dem heimischen Raum“, betont Andreas Bug. „Dünger und Kompost kommen dann anschließend auch wieder in der Region zum Einsatz. Auch das von der RhönEnergie Fulda vermarktete Bio-Erdgas steht in der Region zur Verfügung, findet aber ebenfalls überregional Abnehmer.
Betreiber der Anlage ist die Biothan GmbH, eine gemeinsame Tochter der RhönEnergie Fulda GmbH, der GWV Osthessen GmbH sowie der Stadt Fulda. Im Sommer 2011 startete nach einer Planungsphase der Bau der 1. Ausbaustufe: der sogenannten Nassvergärung. Diese konnte im Sommer 2012 in Dienst gestellt werden. Die nun realisierte 2. Ausbaustufe dient der Trockenvergärung mit anschließender Kompostierung. So können auf dem Finkenberg wechselnde biogene Grundstoffe unterschiedlicher Konsistenz verarbeitet werden.
Dazu wird das angelieferte Material aufbereitet und in Gärbehältern vergoren. Zunächst entsteht so Biogas, das anschließend direkt vor Ort zu Bio-Erdgas aufbereitet und in die Erdgas-Fernleitung der GWV Osthessen eingespeist wird.
Deutschlandweites Modellprojekt
In Deutschland gibt es inzwischen rund 7.000 Biogasanlagen. Lediglich etwa 100 davon veredeln das Bio-Gas zu Bio-Erdgas, das wie fossiles Erdgas eingesetzt werden kann. Von diesen 100 Anlagen erzeugen weniger als 10 Prozent Gas aus biogenen Reststoffen. Das Besondere an der Anlage auf dem Finkenberg besteht darin, dass sämtliche Wertschöpfungsstufen an einem Ort und aus einer Hand erbracht werden.
Die Biothan-Anlage wurde 2012 im Wettbewerb „Deutschland – Land er Ideen“ ausgezeichnet und darf seither den Titel „Ort im Land der Ideen“ führen. Im Frühjahr 2013 wurde die Bio-Erdgas-Anlage für den GreenTec Award nominiert.