Fulda (cif). Burnout, Depressionen, allgemein größer werdende psychische Belastung im Beruf und privat – in Deutschland steigt von Jahr zu Jahr die Zahl der Menschen mit ärztlich diagnostizierten psychischen Krankheiten. Bei der Caritas schlägt sich diese Entwicklung auf verschiedene Weise spürbar in der Hilfstätigkeit nieder. So wächst zum Beispiel seit Jahren bei der Behindertenhilfe und Psychiatrie der Betreuungsbereich für Menschen mit seelischen Erkrankungen. Die Arbeitsplätze in der Werkstatt für psychisch kranke Menschen wurden mehrfach aufgestockt, und auch das Angebot an Plätzen für betreutes Wohnen und in Wohnheimen ausgebaut. Des Weiteren werden auch die verschiedenen Beratungsdienste immer stärker mit dem Phänomen psychischer Erkrankungen konfrontiert.
Nun will die Caritas im Bistum Fulda auf die Situation mit einem verstärkten Spezialangebot an Fortbildungen reagieren. Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch unterstreicht, dass nach den entsprechenden Bedarfsanalysen Vorstand und Aufsichtsrat zügig die entsprechende Entscheidung herbei geführt hatten. Dabei war man sich einig darin, einen qualitativ besonders hohen Maßstab an eine solche Fortbildung zu legen: „Uns geht es darum, möglichst viele der involvierten Mitarbeiter in den Fachdiensten für das Phänomen zu sensibilisieren. Welche Formen psychischer Erkrankungen gibt es, wie äußern diese sich, und vor allem – wie gehe ich mit meiner Erkenntnis um, wie helfe ich den Betroffenen kompetent weiter?“
Der Caritasverband startet entsprechend jetzt im Februar eine sechsteilige Fortbildungsreihe zum Thema „Umgang mit psychiatrischen und psychischen Phänomenen im beruflichen Alltag“. Dabei sollen die teilnehmenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf aktueller wissenschaftlicher Basis Schulung in Diagnostik und Beratung von psychisch erkrankten Hilfebedürftigen erhalten.
Organisiert wurde die Fortbildungsreihe vom Caritas-Referenten Soziale Dienste Franz J. Meyer, der betont, dass in den Beratungsstellen und Caritas-Diensten die Beraterinnen und Berater, Pädagoginnen und Pädagogen, Pflegerinnen und Pfleger durch die Konfrontation mit ganz unterschiedlichen psychischen und psychiatrischen Störungsbildern vor immer größere Herausforderungen gestellt würden: „Die angebotene Fortbildungsreihe soll ihnen ein grundlegendes Wissen vermitteln und dieses durch Fallbeispiele aus der Praxis fundieren“, erläutert er. „Themen sind u. a. die Einführung in die Psychiatrie und die psychiatrische Krankheitslehre sowie die Einführung in das Krankheitsbild der körperlichbegründbaren Psychosen und Schizophrenien. Thematisiert werden des Weiteren Depressionen und bipolare Störungen, neurotische Störungen, Psychotraumatologie, Â Abhängigkeitserkrankungen, Suizidalität und psychiatrischer Notfall. Und selbstverständlich geht es bei der Fortbildung auch um Psychotherapieverfahren und um gesetzliche Grundlagen in diesem Bereich.“ Mit Dr. Rainer Hoffmann, dem ehemaligen Ltd. Oberarzt der Psychiatrie am Klinikum Fulda und jetzt niedergelassenem Psychiater in eigener Praxis, der auch als Sachverständiger und Gutachter in gerichtlichen Prozessen tätig ist, konnte zudem ein erfahrener Referent und Facharzt für die Caritas-Fortbildungsreihe gewonnen werden.
Dass der Verband mit dem Angebot bedarfsgerecht liegt, zeigt sich daran, dass die für Veranstaltungsreihe 2013 die maximale Teilnehmerzahl schon kurz nach Ausschreibung angemeldet war. „Wir freuen uns natürlich, dass die Resonanz bei diesem wichtigen Thema so groß war“, unterstreicht Caritasdirektor Juch. „Die Fortbildung ist auch ein echter Qualitätsgewinn: Unsere Mitarbeiter können nach deren Absolvierung ihrer Funktion als Helfer in Not dann in mehrerer Hinsicht noch besser nachkommen. Zudem ist es durchaus kein Fehler, in Fragen von Burnout oder psychischer Überlastung auch in Hinblick auf die eigene Arbeitssituation und die der Kollegen rechts und links von mir wach zu sein!“
Der Verband hat sich übrigens wegen der raschen Ausbuchung des Fortbildungsangebotes entschieden, die Veranstaltungsreihe zum Umgang mit psychiatrischen und psychischen Phänomenen im Jahr 2014 noch ein zweites Mal anzubieten. Auch diese zweite Veranstaltungsstaffel ist inzwischen bereits ausgebucht.