
Vertriebsleiter Klaus Moll (links) und Geschäftsführer Martin Heun (rechts)
Fulda. Seit dem 1. Januar 2013 bieten die Gas- und Wasserversorgung Fulda GmbH und die Gas- und Wasserversorgung Osthessen (GWV) unter dem Markennamen BIOTHAN auch Bio-Erdgas an. Es wird in einer innovativen Anlage in Kleinlüder ausschließlich aus Abfallstoffen produziert. GWV liefert BIOTHAN in zwei Varianten: als reines Bio-Erdgas (BIOTHAN 100), und als 20-prozentige Beimischung zum konventionellen GWV-Erdgas (BIOTHAN 20).
„Mit BIOTHAN bieten wir allen Interessenten die Möglichkeit, unser regional erzeugtes Bio-Erdgas zu nutzen und so einen ganz persönlichen Beitrag zu Klimaschutz und Energiewende zu leisten“, beschreibt GWV-Geschäftsführer Martin Heun die Besonderheit des neuen Tarifs. Er belegt diese Aussage mit Daten aus einer aktuellen Studie, die Forschungsinstitute aus Bochum, Leipzig, Hamburg und Essen im Auftrag des Biogasrats e. V. erstellt haben: „Selbst im Vergleich zur umweltschonenden Heizung und Warmwasserbereitung mit Erdgas-Brennwerttechnik in einem Einfamilienhaus sinken die CO2-Emissionen beim Einsatz von 100-prozentigem Bio-Erdgas noch einmal bis zu zwei Drittel – je weniger ein Haus gedämmt ist, desto größer ist der Effekt.“ In dieser Untersuchung zur ökologischen und ökonomischen Optimierung des Wärmemarktes wurden im Sinne einer Ökobilanzierung die gesamten Treibhausgas-Emissionen inklusive Vorketten in CO2-Äquivalenten betrachtet.
In der Biothan-Anlage in Kleinlüder wird ausschließlich aus biogenen Reststoffen wie Gülle und organischen Abfällen zunächst Biogas erzeugt, das dann von der Biothan GmbH direkt vor Ort zu Bio-Erdgas veredelt und in das Netz der GWV Osthessen eingespeist wird. Die erste Ausbaustufe der Anlage hat im Sommer 2012 ihren Betrieb aufgenommen. Ab dem Sommer 2013 folgt mit Inbetriebnahme der zweiten Ausbaustufe zusätzlich die Verwertung der Biotonnen-Inhalte aus Stadt und Landkreis Fulda. Die anfallenden Gärreste werden als wertvoller Dünger in der heimischen Landwirtschaft eingesetzt.
Der Prozess der Bio-Erdgas-Produktion ist sehr aufwändig, wovon sich viele Menschen aus der Region bereits beim Tag der offenen Tür im September selbst ein Bild gemacht haben. Dieser Aufwand spiegelt sich auch in den GWV-BIOTHAN-Tarifen wider.
„BIOTHAN ist ein hochwertiges Produkt, das wir durch die Umwandlung von Abfällen und Veredlung von Biogas gewinnen. Außerdem produzieren wir unser Bio-Erdgas in vergleichsweise kleinen Mengen. Dennoch können wir BIOTHAN auf dem Preis-Niveau anderer Bio-Erdgas-Angebote in Deutschland anbieten“, sagt Martin Heun. Der Arbeitspreis für BIOTHAN 100 liegt bei 11,07 Cent pro Kilowattstunde.
„Um BIOTHAN auch für Interessenten verfügbar zu machen, die auf günstigere Preise angewiesen sind, bieten wir unser Bio-Erdgas auch als Beimischung zum konventionellen Erdgas an, als BIOTHAN 20“, erläutert der GWV-Geschäftsführer. Der Arbeitspreis für diesen Tarif beträgt 7,35 Cent pro Kilowattstunde.
„So wollen wir auch ökonomisch einen Anreiz bieten, den regionalen Wertschöpfungs-Kreislauf – Verwertung biologischer Reststoffe, Aufbereitung und Nutzung vor Ort – zu schließen“, beschreibt Martin Heun das Konzept.
Selbstverständlich können aber auch interessierte Kunden von außerhalb des Netzgebiets Bio-Erdgas beziehen – so lange der Vorrat reicht. „Die Lieferung an unsere eigenen Kunden hat natürlich Vorrang. Um den Absatz müssen wir uns keine Sorgen machen. Wir haben bereits viele Anfragen von Betreibern großer Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Denn die Verwendung von Bio-Erdgas in Blockheizkraftwerken ist besonders interessant“, berichtet der GWV-Chef. In solchen Anlagen hat der Einsatz von Bio-Erdgas, für das keine Nutzpflanzen angebaut werden müssen, auch den größten ökologischen Nutzen. Denn in einem BHKW wird das wertvolle „Abfall-Produkt“ BIOTHAN umweltschonend zur gleichzeitigen Gewinnung von Strom und Wärme genutzt werden.
Auch im GWV-Heizwerk Ziehers, das zahlreiche Schulen, Einrichtungen und Privathäuser mit Wärme versorgt, soll künftig BIOTHAN zum Einsatz kommen. Wirtschaftlich wird das durch die EEG-Vergütung für die Verstromung. „Sie kompensiert die Mehrkosten, die für den Einsatz des Bio-Erdgases anfallen“, erläutert Heun.
„Wer sich in Fulda und Osthessen für den Bezug von BIOTHAN entscheidet, leistet einen Beitrag zum Klimaschutz in der Region. Aus diesem regionalen Blickwinkel betrachtet wäre es aus unserer Sicht wünschenswert, dass möglichst viel von unserem GWV-Bio-Erdgas auch tatsächlich im heimischen Raum zum Einsatz kommt“, unterstreicht der GWV-Geschäftsführer.
Die Anlage der Biothan GmbH in Kleinlüder, an der GWV beteiligt ist, produziert derzeit aus etwa 11.000 Tonnen Gülle und rund 21.000 Tonnen organischen Abfällen rund 23 Millionen Kilowattstunden Bio-Erdgas pro Jahr. Nach Inbetriebnahme der zweiten Ausbaustufe werden ab Sommer 2013 rund 47 Millionen Kilowattstunden BIOTHAN jährlich ins GWV-Netz eingespeist. Das deckt rechnerisch den Wärmebedarf von etwa 2.400 Haushalten.