Fulda. Was am 1. März 2001 im Grünen Zimmer des Stadtschlosses Fulda mit einer Startveranstaltung zu Lernpartnerschaften zwischen Unternehmen der Region und Schulen begann, ist inzwischen ein wichtiges Stichwort auf der Visitenkarte der Bildungsregion Fulda. Dies war die einhellige Meinung der Teilnehmer an der Herbst-Regionalkonferenz von Staatlichem Schulamt, IHK und Kreishandwerkerschaft im ÜWAG-Informationszentrum. Die Förderung des Schülerinteresses an naturwissenschaftlichen und technischen Berufen (MINT-Berufe) stand im Mittelpunkt. Am Beispiel der Partnerschaften der Bardo-Schule mit den Firmen EDAG und R+S solutions Holding wurde die Win-Win-Situation für Unternehmen und Schulen deutlich.
Sowohl Tanja Rieger, Leiterin des Ausbildungswesens und der vormalige Aufsichtsratsvorsitzende Herbert Schneider von R+S solutions wie auch Alexandra Dantmann, verantwortlich für das Personalmarketing bei der Firma EDAG, betonten die Bedeutung der Partnerschaften für Ihre Unternehmen. Gerade die Motivation für MINT-Berufe sei für beide von herausragendem Interesse. In Potenzialanalysen mit den Schulen gelte es, Talente für ihre technisch orientierten Unternehmen zu entdecken. Hier werden Schulen auch Anregungen für den naturwissenschaftlichen Unterricht angeboten.
Durch „Experimente zum Anfassen“ wird der Alltagsbezug von oftmals als langweilig empfundenen Inhalten des Physik- und Chemieunterrichts deutlich. Beide Unternehmen bilden in Ihrer Internationalität die „Welt im Kleinen“ ab, Begegnungen mit Menschen aus aller Welt sind alltäglich und selbstverständlich. Englisch wird zur täglichen Gebrauchssprache. Die Mitarbeiter in Fulda sind Teil der internationalen Gesellschaft, so die Unternehmensvertreter.
Weitere Kooperationen pflegt die Bardo-Schule mit Galeria-Kaufhof, Media-Markt, der Stadt Fulda und den Beruflichen Schulen. Wenn in der Ferdinand-Braun-Schule von den Bardo-Schülern Schulmöbel konstruiert und bis zur Auslieferung für die Schule fertig gestellt werden, dann hat Lernen einen nachhaltigen Sinn. Über das dichte Netzwerk wird der Fachunterricht durch zahlreiche Impulse aus dem Wirtschaftsleben bereichert, stellte Joachim Trost, an der Bardoschule Koordinator für die Lernpartnerschaften, überzeugend und anschaulich dar. Insbesondere die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen und die systematische Begleitung bei der Berufsorientierung und schließlich Berufswahlentscheidung wurde von ihm hervorgehoben.
Hieran konnte Martina Parrisius vom Frauenhofer Institut für Chemische Technologie in Karlsruhe Pfinztal mit Theorie-Praxis (TheoPrax)-Angeboten des Instituts für Schulen direkt anknüpfen. TeoPrax, so Frau Parrisius verbindet Theorieanwendung mit unternehmerischem Denken. Mit dem Konzept „Unternehmergeist in der Schule“ werden Schülerinnen und Schüler aus allen Schulformen zu kreativem Denken und Handeln angeregt. So wurde ein neues Saftgetränk kreiert, das inzwischen in der Produktion ist und vermarktet wird. Für Biobauern wurde eine Maschine zur Trennung von Kümmelsame von Wildpflanzen konstruiert und bis zur Serienfertigung gebracht. Entsprechende Angebote stehen demnächst auch für Fuldaer Schulen zur Verfügung.
Zum Abschluss bedankte sich Dr. Michael Imhof, der Initiator des erfolgreichen Partnerschaftskonzepts zwischen Unternehmen und Schule in der Region Fulda, bei den beteiligten Firmen und Schulen und wünschte dem Projekt eine nachhaltige Zukunft.
Zum Bild: Sprechen sich einhellig für Lernpartnerschaften aus (von links): Stefan Schunck, Diemar Weidenbörner (beide IHK Fulda), Petra Stephanblome, Michael Imhof (Schulamt), Joachim Trost (Bardoschule), Martina Parrisius (Fraunhofer-Institut), Stefan Auth und Carsten Zabel (beide Üwag).
Foto: Ralf Kleemann