Vogelsbergkreis. Am 25. November ist der „Internationale Gewaltschutztag“. Landrat Manfred Görig, die Polizei und das Familienbündnis unterstützen erneut die internationale Aktion von „Terre des Femmes“ und der Vereinten Nationen: Vor dem Kreishaus in Lauterbach weht die blaue Fahne mit der Aufschrift: „Nein zu Gewalt an Frauen – Frei leben ohne Gewalt“. Für den Landrat ist es wichtig, häusliche Gewalt noch weiter aus der Tabuzone zu holen. Anlässlich des Gewaltschutztages kam der „Runde Tisch Gewaltschutz“ – eine Zusammenkunft von Fachleuten, die bereits seit 2003 im Kreishaus wirkt – vor einigen Tagen gemeinsam mit dem Handlungsfeld „Gewaltprävention“ zusammen. Görig lobte die Initiative der damaligen Gleichstellungsbeauftragten Sylke Emmermann, die vor neun Jahren den Runden Tisch Gewaltschutz mit initiiert hatte. Kreisverwaltung, Polizei, sämtliche Beratungseinrichtungen sowie Staatsanwaltschaft und die Gerichtsbarkeit arbeiten hier zusammen.
„Das, was hinter der Wohnungstür an häuslichen Gewalttaten passiert, ist nicht Privatsache, sondern wird von der Polizei zur Anzeige gebracht“, machte Landrat Görig deutlich. Fachleute des Amtes für Soziale Sicherung und der Polizei beleuchteten intensiv das vielschichtige Problem der häuslichen Gewalt. Nach dem Gewaltschutzgesetz, das seit 2002 in Kraft ist, gelte die Regel „Wer schlägt, muss gehen.“ Dies sei ein deutlicher Beitrag zum Opferschutz, machte der Landrat deutlich. Die Fachberatungsstelle für Frauen und Kinder in Not in der Kreisverwaltung leiste eine schwierige, komplexe und nachhaltige Arbeit. Deren Expertinnen machten auf die starke Traumatisierung der Opfer in vielen, teils sich wiederholenden Fällen aufmerksam.
„Das Dunkelfeld ist heller geworden“, machte Polizeihauptkommissar Wolfgang Keller deutlich. Über 100 Fälle häuslicher Gewalt seien Jahr für Jahr im Vogelsbergkreis zu beklagen. Zu 90 Prozent gehe die Gewalt von den Männern aus. Polizei und Landrat lobten die sehr gute Zusammenarbeit von Kreisverwaltung, Polizei und Weißem Ring, der ebenfalls zu den Mitgliedern des Runden Tisches im Landratsamt zählt.
Landrat Görig hält es für „äußerst sinnvoll“, nach der zehnjährigen Erfahrung mit dem Gewaltschutzgesetz eine Überprüfung der tatsächlichen Auswirkungen im Sinne des Opferschutzes und der Prävention vorzunehmen. Nötigenfalls müsse der Gesetzgeber nachsteuern, wenn die Schutzziele noch nicht genügend erreicht seien.
Landrat Görig stellte in Aussicht, die Erfahrungen und Auswertungen seiner Verwaltung und der Polizei auch dem Kreistag und den entsprechenden Fachausschüssen vorzustellen. Wolfgang Keller hob die Aspekte „Intervention statt Schlichten“ und Prävention als wesentliche Ziele des Gewaltschutzgesetzes hervor. Darüber hinaus zeige die Polizei gegenüber den Opfern aber auch gegenüber den Tätern konkrete Beratungs- und Hilfsangebote auf. So begrüßt die Polizei das Beratungsangebot des Diakonischen Werks, dessen Fachberater Peter Leiding intensiv mit männlichen Tätern arbeitet, um friedliche Wege von Konfliktlösungen jenseits der Gewalt gemeinsam zu suchen und zu stabilisieren.
Der Leiter der Alsfelder Polizei, Erster Polizeihauptkommissar Harald Bartel, lobte die neuen Möglichkeiten des Gewaltschutzgesetzes. Denn wo früher der Polizei oft die Hände gebunden gewesen seien, sei heute häusliche Gewalt – ob körperlich oder psychisch – ein Offizialdelikt und die Polizei könne aktiven Opferschutz, zum Beispiel vor Stalking und Einschüchterung, betreiben. Allerdings sei die Polizei auch heute noch machtlos, wenn ein Opfer den Täter immer wieder aufs Neue gewähren lasse.
Zum Foto: Traditionsgemäß wird zum Internationalen Gewaltschutztag, dem 25. November, vor dem Lauterbacher Kreishaus die Fahne von „Terre des Femmes“ gehisst. Unser Foto zeigt von links: Polizeihauptkommissar Wolfgang Keller, Heidrun Bass (stellvertretende Leiterin des Amtes für soziale Sicherung), Kreisbeigeordnete Magdalena Pitzer, Erwin Maisch (Polizeidirektor a.D. und Sprecher der Initiative SMOG), Erster Polizeihauptkommissar Harald Bartel, Christa Löxkes, Sandra Obenhack (Familienbündnis), Marianne Zimmer (Kinderschutzbund), Polizeihauptkommissarin Bärbel Rodemer, Eva Schlegel und Landrat Manfred Görig. Foto: Erich Ruhl, Pressestelle Vogelsbergkreis
Informationen:
Frauen-Notruf der Kreisverwaltung: 06641 / 977-244, E-Mail: fachberatung.frauen@vogelsbergkreis.de
Informationen: Terre des Femmes, Menschenrechte für die Frau e.V., Postfach 2565, 72015 Tübingen.
http://frauenrechte.de
www.netzwerk-gegen-gewalt.de
Beratungsangebot Täterarbeit beim Diakonischen Werk „Dialog“:
peter.leiding@diakonie-vogelsberg.de