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Jugendhilfe stellt sich sozialräumlich neu auf – Regionalteams und regionale Arbeitsgemeinschaften

Fulda. Die Jugendhilfe des Landkreises Fulda befindet sich in einem kontinuierlichen Umstrukturierungsprozess. „Vor drei Jahren haben wir uns auf den Weg gemacht, Jugendhilfe anders zu denken“, so Erster Kreisbeigeordneter Dr. Heiko Wingenfeld. Neue Wege erforderten von allen Beteiligten die Offenheit zur Selbstreflexion und den Mut, als notwendig erkannte Veränderungen schrittweise umzusetzen. Nach Angaben von Jugenddezernenten Dr. Wingenfeld gehe es darum, wie die grundlegende Aufgabe der Jugendhilfe, Kinder und Jugendliche in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung bestmöglich zu fördern, erfolgreich bewältigt werden könne. Allein mit einem weiteren Ausbau der professionellen Hilfen werde man dem gestiegenen Bedarf an Begleitung und Unterstützung nicht hinreichend gerecht. Vielmehr mache der gesellschaftliche Wandel eine Anpassung auch im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe erforderlich.

Als „zukunftsweisend“ bezeichnet der stellvertretende Landrat den sozialräumlichen Ansatz in der Jugendhilfe, der einen immer wichtigeren Stellenwert in der Fachdiskussion einnehme. „Sozialräumliches Arbeiten heißt, dass das Jugendamt und die freien Träger mehr als bislang mit den Akteuren vor Ort vernetzt sind“, erläutert Jugendhilfeplanerin Uta Riegel, die beim Landkreis auch als Projektmanagerin für den sozialräumlichen Umbau des Fachdienstes Familie, Jugend, Sport, Ehrenamt der Kreisverwaltung zuständig ist.

Vor diesem Hintergrund habe man den Landkreis in verschiedene Regionen eingeteilt, deren Grenzen sich weitgehend an den gewachsenen Strukturen in der Jugendhilfe orientierten. Innerhalb des Fachdienstes sei für jede Teilregion ein Regionalteam eingerichtet worden, bestehend aus Vertretern des Sozialen Dienstes, der wirtschaftlichen Jugendhilfe sowie der Kinder- und Jugendförderung. Bei Bedarf könnten weitere Spezialdienste wie die Erziehungsberatungsstelle oder das Kompetenzzentrum hinzugezogen werden.

Für eine Kooperation und Vernetzung in der Jugendhilfe und darüber hinaus sollten regionale Arbeitsgemeinschaften sorgen, in denen die Verantwortlichen gleichberechtigt und partnerschaftlich zusammenarbeiteten. Inzwischen hätten sich, so Uta Riegel, mehrere regionale Arbeitgemeinschaften gebildet, um die in ihrem sozialräumlichen Umfeld vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen. Dr. Wingenfeld weist auf einen wichtigen Aspekt hin: „Kurze Wege tragen zur Einbindung junger Menschen in das Gemeinwesen bei.“

Für die Einzelfallhilfe gebe es in jeder Region ein Fallteam, das an die Stelle der bisherigen Erziehungs- und Beratungskonferenz trete. Hier werde über die Einleitung von möglichst niedrigschwelligen Hilfen entschieden, gegebenenfalls nach Durchführung eines Familienrats. Laut Riegel soll der Familienrat künftig zum Standardverfahren in der Hilfeplanung werden, wobei die Rolle des Jugendamts darin bestehe, für den organisatorischen Rahmen zu sorgen, die Teilnehmer vorzubereiten und die Umsetzung der getroffenen Vereinbarungen fachlich zu begleiten.

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