Fulda/Burghaun. Besitzer von Kleingärten im Waidesgrund können ein Lied davon singen: Die Kaninchen haben sich hier in letzter Zeit so stark vermehrt, dass die kleinen Felltierchen in der Gartenanlage mittlerweile eine echte Plage darstellen und alles abfressen, was ihnen vor die Beißerchen kommt. “Auch in einem solchen Fall beraten wir die untere Jagdbehörde und bringen unsere Erfahrungen ein”, erklärt Kreisjagdberater Hans-Kurt Köhler.
Köhler ist als Jagdberater für den Altkreis Fulda im Einsatz, sein Kollege Jürgen Manns kümmert sich um das Gebiet des Altkreises Hünfeld. “Wir stehen der unteren Jagdbehörde bei jagdfachlichen und jagdwirtschaftlichen Angelegenheiten zur Seite, wie zum Beispiel bei Fragen zu Jagdbezirken, Wildschäden, Pachtverträgen und Abschussplänen sowie bei Ordnungswidrigkeits- und Strafverfahren”, umreißen Köhler und Manns ihr umfangreiches Aufgabengebiet.
Die Kreisjagdberater werden nach Anhörung der Jägerschaft und des Jagdbeirates für die Dauer von vier Jahren durch den Kreisausschuss bestellt. Sie üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus und erhalten eine pauschalierte Aufwandsentschädigung. “Ich sehe mich auch als Bindeglied und Moderator zwischen den Jägern, den Jagdgenossenschaften und der Verwaltung”, definiert Köhler seine Aufgabe. Manns legt in den jährlichen Versammlungen der Hegegemeinschaften besonderen Wert darauf, dass die versammelten Jäger hinsichtlich gesetzlicher Änderungen, wildbiologischer Erkenntnisse und jagdpraktischer Erfahrungen auf den neuesten Stand gebracht werden.
Bei ihren Tätigkeiten ergeben sich immer wieder jahreszeitliche Schwerpunkte. Im Frühjahr beispielsweise müssten die Abschusspläne für das kommende Jagdjahr festgesetzt und Stellungnahmen zu neuen Pachtverträgen abgegeben werden, so Köhler, der bis zu seiner Pensionierung als Leiter der Revierförsterei Istergiesel tätig war. Regelmäßig würden die Kreisjagdberater von der unteren Jagdbehörde kontaktiert und um ihre Einschätzung gebeten. Beide Jagdberater loben dabei die “sehr gute Zusammenarbeit” und “die hohe Akzeptanz bei allen Beteiligten”. Dies gelte auch dann, wenn einmal unangenehme Entscheidungen getroffen werden müssten.
Fast fünf Jahrzehnte lang gehörte für den jetzt 77jährigen Köhler die Jagd zu seinen beruflichen Aufgaben, davon 35 Jahre hier im Fuldaer Land. Daher sind ihm die Veränderungen in der heimischen Natur und in der Tierwelt vertraut. Starke Rückgänge habe es beim Niederwild, hauptsächlich bei Rebhühnern, Hasen und Kaninchen gegeben, auch die Häufigkeit und das Ausmaß der Wildschäden hätten zugenommen. Unter anderem sei dies auf eine stärkere Intensivierung in der Landwirtschaft zurückzuführen, generell seien die Ursachen aber vielschichtig.
Sein Kollege Manns, der viele Jahre auch als Beauftragter des Naturschutzbeirates des Landkreises tätig war, führt ergänzend aus, dass durch die Strukturveränderungen in der Landwirtschaft die Zahl und Größe der biologisch wertvollen Flächen abgenommen hätten. Die Folge hiervon sei eine ständig sinkende Artenvielfalt. Das zeigten insbesondere die Populationsentwicklungen bei Hasen und Rebhühnern, die als Leitarten wichtige Indikatoren für den ökologischen Zustand der Lebensgemeinschaften seien.
Manfred Wiegel vom Sachgebiet Jagd und Fischerei der Fuldaer Kreisverwaltung zufolge sind die Abschusszahlen beim Rehwild im vergangenen Jahrzehnt weitgehend konstant geblieben. Das Streckenergebnis belegt dies eindeutig: Lag die Zahl vor zehn Jahren bei 4486, so ist die Differenz zum aktuellen Wert mit 4565 nur marginaler Natur. Erhebliche Schwankungen bei insgesamt angestiegenen Beständen sind beim Schwarzwild von Jahr zu Jahr zu verzeichnen. Ursache hierfür seien unter anderem das veränderliche Nahrungsangebot (Eicheln, Bucheckern) und Witterungseinflüsse. “Zur Verringerung der Wildschäden ist weiterhin eine konsequente Bejagung nach wildbiologischen Gesichtspunkten erforderlich”, so Wiegel.
Bei den Hasen, Kaninchen und insbesondere bei den Rebhühnern setzte sich der langjährige, auch überregionale Abwärtstrend weiter fort. Beispiel Rebhuhn: Das Streckenergebnis ging in den vergangenen zehn Jahren von 49 auf inzwischen nur noch fünf zurück. Die Abschusszahlen beim Raubwild – insbesondere beim Waschbär – zeigten die Bemühungen der Jägerschaft zur Verminderung der Verluste bei den Bodenbrütern und dem Niederwild und der Gefahren durch Tollwut, Räude und Fuchsbandwurm. Wurden vor zehn Jahren noch 164 Waschbären erlegt, so waren es zuletzt 530. Wichtig bei der Bewertung der Zahlen: Die genannten Streckenergebnisse für den Landkreis Fulda enthalten auch das so genannte Fallwild, das überwiegend bei Unfällen im Straßenverkehr getötet wurde.
“Es entsteht der Eindruck, dass das Ansehen des Jägers in der Öffentlichkeit und insgesamt die Bedeutung der Jagd in den letzten Jahren abgenommen hat”, merkt Kreisjagdberater Köhler an. Ein Teil der Bevölkerung, besonders im städtisch geprägten Raum, habe kaum noch eine direkte Beziehung zur Natur und damit zur Jagd und ihren Aufgaben im Naturhaushalt, erklärt Köhler. Die Jagd sei als ein regelnder und sinnvoller Eingriff in die Natur mit dem Ziel zu sehen, das ökologische Gleichgewicht zu wahren, Schäden zu vermindern und dabei auch nachhaltig die natürlichen Ressourcen zu nutzen. Dabei folge man dem gesetzlichen Auftrag, einen artenreichen und gesunden Wildbestand zu erhalten, der an die landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnisse angepasst sei, sowie dessen Lebensgrundlagen zu pflegen und zu sichern.
Generell wünscht sich Köhler einen pfleglichen Umgang mit der Natur, mehr gegenseitige Rücksichtnahme und einen fairen Interessensausgleich zwischen den unterschiedlichen Naturnutzern in Wald und Feld. (jw/was/gi)