Fulda (cp). Fast 250 Steine liegen in der Galerie vor den Spiegelsälen im Stadtschloss. Jeder ist mit dem Namen, dem Geburts- und Sterbedaten eines Fuldaer Juden versehen, der in die Arbeits- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten deportiert worden ist. Schülerinnen und Schüler des Marianums haben diese Steine als Zeichen gegen das Vergessen gestaltet und bei der Eröffnung der Doppelausstellung „Sonderzüge in den Tod“ und „Jüdische Nachbarn – Wege von gestern“ zusammen mit Besuchern niedergelegt. „Diese Erinnerung weiterzugeben, ist eine wesentliche Aufgabe der Schulen“, erklärte Dr. Lothar Schöppner, der Schulleiter des Marianums. Die umfangreiche Ausstellung, die aus Textfahnen, Tischvitrinen mit Fotos und Schriftstücken, Video-Stationen und einer Foto-Präsentation besteht, zeigt auf der einen Seite die bürokratische Seite der Deportation mit der Deutschen Reichsbahn. Auf der anderen Seite stehen jüdische Menschen im Vordergrund, die in Fulda gelebt haben und Teil der hiesigen jüdischen Gemeinde gewesen sind.
Zeitzeugenberichte
„Die Doppelausstellung ist ein eindrucksvolles Zeugnis der schmerzvollen Erinnerung an die Schreckenstaten der NS-Zeit, die besonders auch für die jüngere Generation interessant ist“, betonte Oberbürgermeister und Kulturdezernent Gerhard Möller. Als Schirmherr des Projekts dankte er allen Beteiligten – der Initiatorin des Fuldaer Teils der Ausstellung und Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dr. Irena Ostmeyer, Gabriel Moeller für seine wissenschaftliche Begleitung und den Mitarbeitern des Vonderau Museums, allen voran Museumspädagogin Kornelia Wagner – für deren kompetente und engagierte Arbeit. Die Ausstellung der Deutschen Bahn ist seit dem Jahr 2008 als Wanderausstellung in der ganzen Bundesrepublik unterwegs, um das „hocharbeitsteilige Verfahren der Deportation mit der Deutschen Reichsbahn, das in erschreckenswerter Reibungslosigkeit organisiert war“ zu veranschaulichen, wie Dr. Susanne Kill von der Deutschen Bahn AG erläuterte.

Ursprünglich wollte die Bahn die Ausstellung nach einem Jahr beenden, da es aber so viele Anfragen von Städten und Gemeinden gegeben habe, wurde sie verlängert – die Ausstellung in Fulda ist nun die 41. dieser Art. Der Fuldaer Teil der Ausstellung lebt von Zeitzeugenberichten und Interviews und zeigt besonders das persönliche Schicksal der Fuldaer Juden, wie Dr. Ostmeyer darlegte. „Besonderer Dank gilt auch den zahlreichen Fuldaer Lehrern sowie deren Schülerinnen und Schülern, die die Erinnerungen von Überlebenden übersetzt und uns mit Recherchen im Internet unterstützt haben“, so die Initiatorin. Beispielsweise wurde ein Dokument der Überlebenden und Zeitzeugin Ruth Rose, dessen Tinte bereits stark verblasst war, wieder lesbar gemacht.
Information und Vortrag
Zu sehen ist die Ausstellung in der Galerie vor den Spiegelsälen bis zum 3. Dezember. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 17.00 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Am Donnerstag, 29. November 2012, informiert Gabriel Moeller um 19 Uhr im Haus Oranien in einem Vortrag über das Thema „Jüdische Nachbarn. Teil 2“.