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Form muss funktionieren, Funktion muss Form haben – Studenten der Werkakademie präsentieren Abschlussarbeiten

Fulda. Ausgesuchte Abschlussarbeiten von Studenten der Werkakademie für Gestaltung sind in der Kreishandwerkerschaft in der Rabanusstraße in Fulda zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten aus ganz unterschiedlichen Gewerken wie z.B.  ein Rennrad aus verkupfertem Stahl, der Entwurf für ein neues Outfit für Flugbegleiterinnen, eine völlig neuartige Garderobe für Kindergärten oder auch eine innovative Buchbinderarbeit.

In seiner Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung  ging Kreishandwerksmeister Dipl.-Ing. Claus Gerhardt auf die Gründe ein, warum die Kreishandwerkerschaft regelmäßig diese Ausstellung nach Fulda holt. „Wir möchten mit dieser Ausstellung Menschen motivieren, sich mit Gestaltung auseinanderzusetzen“, so Gerhardt. Gestalten im Handwerk bedeute für ihn nicht nur gutes Design und gute Form, sondern immer auch,  dass etwas gleichzeitig auch im täglichen Gebrauch funktioniere.

Ähnlich äußerte sich auch Schreinermeister  Lutz Schell-Peters, Leiter der Werkakademie in Kassel. Gestalter seien keine Künstler, sondern Handwerker. Der Mehrwert der Gestaltung läge darin, eine Einheit zwischen technologischer und gestalterischer Kompetenz zu schaffen. Es ginge nicht primär darum, Dinge schöner zu machen, sondern vielmehr darum, Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die am Markt Bestand hätten. Die Ausbildung zum Gestalter im Handwerk sei damit auch ein Stück Gewerbeförderung. Mit dem Know how des Gestalters könnten sich Betriebe am Markt neu positionieren und ausrichten und würden sich damit einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen, so Schell-Peters.

Schreinermeister Norbert Jehn, Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft und einer der Gründungsväter der Werkakademie, stellte noch einen weiteren Aspekt heraus. Absolventen der Werkakademie hätten es einfacher, die Sprache der Architekten zu verstehen. Denn durch den Einsatz moderner Technologien würde immer mehr das Verständnis für Form und Gestaltung  verloren gehen.  Früher hätte der Handwerker noch viel mehr selber Hand anlegen müssen, so Jehn.  Unter seinen Händen wäre etwas entstanden, wäre etwas geformt worden. Diese Arbeiten würden heute aber moderne Maschinen übernehmen. Über Form und Gestaltung würde am Schreibtisch entschieden. Außerdem, so Jehn, sei eine Zusatzqualifikation zum Gestalter im Handwerk auch deshalb wichtig, weil die Kundschaft heute immer anspruchsvoller würde und dem Mitarbeiter immer mehr gewerkeübergreifendes Know how abverlange.

Die Werkakademie für Gestaltung möchte sich zukünftig verstärkt auch für die Betriebe hier in der Region öffnen. Geplant sind zusätzlich berufsbegleitende Kurse, in denen auch spezifische Themenstellungen und Weiterbildungserfordernisse der Betriebe aufgegriffen werden sollen. Mit unter den Gästen zur Ausstellungseröffnung war auch Dr. Gabriele König, die Leiterin der Fuldaer Kinderakademie. Sie regte eine verstärkte Kooperation zwischen Kreishandwerkerschaft, Werkakademie und Kinderakademie an.

Die Ausstellung in der Kreishandwerkerschaft ist noch bis Ende des Jahres montags bis freitags zwischen 8 und 16 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. www.werkakademie-kassel.de

Foto: Lutz Schell-Peters (ganz rechts) erläuterte den Gästen anlässlich der Ausstellungseröffnung die Neuentwicklung einer Kindergartengarderobe. Von l.: Claus Gerhardt, Zentralheizungsbauermeister Dieter Alsheimer, Gabriele König, Uhrmachermeister Markus Müller, Norbert Jehn

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