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Bischof Algermissen predigte an Ostern im überfüllten Fuldaer Dom

Fulda (bpf). Auf die unlösbare Verbindung zwischen dem Osterfest und der Taufe hat der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen an Ostersonntag im überfüllten Fuldaer Dom hingewiesen. „Wie die Osterfeier den Übergang vom Tod Jesu Christi in das Leben seiner Auferstehung zum zentralen Inhalt hat, so ist die Taufe die sakramentale Teilhabe an diesem Übergang vom Tod zum Leben, weil uns Christus selbst beim Namen gerufen und in seine Hand eingeschrieben hat“, so der Oberhirte in seiner Predigt in dem Gottesdienst, der als lateinisches Pontifikalamt gefeiert wurde.

Das Osterfest lade dazu ein, aus dem „namentlichen Ruf Christi“ zu leben und es mit dem eigenen Leben zu verkünden. Den Menschen, die Grund zum Weinen hätten, dürften Christen die tröstliche Botschaft überbringen, dass auch sie vom auferstandenen Christus persönlich beim Namen gerufen seien. Das heiße nicht, das die eigene Existenz nur durch Triumphbögen führe, denn es seien auch Kreuze am Weg, aber am Ende komme für jeden das Licht des Ostermorgens. „Ohne den Gekreuzigten und Auferstandenen gliche unser Dasein einer Sehnsucht ohne Erfüllung, einer Frage ohne Antwort, einem Weg ohne Ziel, einem Gefängnis ohne Tür.“

Wer von Christus beim Namen gerufen und mit Taufwasser gewaschen sei, könne kein Mensch werden, der „mit allen Wassern gewaschen ist“. Man könne nämlich nicht an das alles verändernde Leben der Auferstehung glauben und gleichzeitig die Unrechtsstrukturen dieser Welt akzeptieren. Das bezog der Bischof deutlich auf die Tötung ungeborener Kinder und die Tendenz, „mittels Diagnostik nicht nur nach den Schwächen eines entstehenden menschlichen Lebens zu fahnden, sondern nach den Schwachen, um sie umzubringen“. Das könnten Christen niemals akzeptieren, ebenso wenig wie viele andere bioethisch umstrittene Handlungen, gab der Oberhirte zu bedenken. Der Glaube an die Erlösung durch Kreuz und Auferstehung führe konsequent in den „Aufstand gegen alle Formen des gesellschaftlich wie wirtschaftlich oder militärisch organisierten Todes“. Christen müssten sich massiv als Störenfriede betätigen, wo immer die Mächte des Todes am Werk seien. „Das ist die Konsequenz unserer österlichen Existenz!“

Ohne Hoffnung auf Zukunft werde für Menschen die Gegenwart unerträglich, sagte der Bischof eingangs. Deshalb gebe es im Grunde nur zwei Lebensoptionen: „Entweder setzen wir auf Zukunft, in die wir selbst eingeschlossen sind, oder wir entwickeln uns zu Depressiven und Dauernörglern am real existierenden Leben.“ Die zweite Option sei gleichzeitig Grund zur Traurigkeit. Das Weinen sei diesem Fest weder fern noch fremd. Im Mittelpunkt des Osterevangeliums stehe Maria von Magdala, eine Frau, die weint. „Sie weint um Jesus, ihr Ein und Alles, den sie im Tod verloren hat.“ Zusammen mit dem Leichnam Jesu hatte sie Hoffnung und Zukunft begraben müssen. „Solcher Entzug der Zukunft, ohne die wir nicht leben können, macht die eigentliche Melancholie des menschlichen Lebens aus“, unterstrich Algermissen. „Die Augen für die Gegenwart des Auferstandenen gehen Maria von Magdala auf, als Jesus sie anspricht und sie bei ihrem Namen ruft.“ Genauso ereignet sich laut Bischof Algermissen Ostern auch für uns: Maria suchte den Lebenden bei den Toten und machte die Erfahrung, dass der Lebende sie jenseits der Todesgrenze beim Namen ruft.

Auf unwiderrufliche Weise habe der Auferstandene jeden von uns bei der Taufe beim Namen gerufen und uns an seinem österlichen Leben der Auferstehung Anteil gegeben, fuhr der Bischof fort. Der Apostel Paulus deute das liturgisch-sakramentale Untertauchen in das Wasser der Taufe als Untertauchen in die abgründigen Wasser des Todes, und zwar in solidarischer Gemeinschaft mit Christus. Die „österliche Erfrischung durch das Bad der Taufe“ betrachte er als Auferweckung zu einem neuen und unvergänglichen Leben, und zwar wiederum mit und durch Christus. Von daher gehörten Ostern und Taufe unlösbar zusammen, und die Taufe habe ihren ursprünglichen und spezifischen Ort in der Osternacht.

Der Domchor unter Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber sang bei dem Gottesdienst die „Messe in G“ von F. Schubert, das „Halleluja-Amen“ aus „Dixit et Magnificat“ von W. A. Mozart und das „Halleluja“ aus dem „Messias“ von G. F. Händel. An der Domorgel spielte Domorganist Prof. Hans-Jürgen Kaiser. Das Domorchester wirkte ebenfalls mit.

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