Fulda. Die Fuldaer GRÜNEN kritisieren, dass der Fuldaer Magistrat weiteren Forderungen der Hauswurzer Investorenfamilie entgegenkommt. Die in den genehmigten Plänen vorgesehene abgeflachte Ecke des Gebäudes darf nun doch ausgebaut werden.
Zum Hintergrund:
Der Bebauungsplan für das Eckgrundstück Bahnhofstraße 11-11a/Ecke Lindenstraße wurde 2011 nach den Wünschen der neuen Eigentümerin geändert. Baurecht besteht jetzt nicht nur auf dem Grundriss der bisher dort beheimateten Commerzbank – das Gebäude wurde mittlerweile abgerissen -, sondern auch für angrenzende Abschnitte. Zum einen hat das Stadtparlament mehrheitlich beschlossen, einen Teil der dahinterliegenden Erschließungsgasse an die Investorin zu verkaufen und ihr auch ein Baurecht hierfür gewährt, zum anderen wurde die Baugrenze an der Seite zur Lindenstraße um drei Meter in den Straßenraum hinein erweitert. Insbesondere diese Erweiterung in Richtung Lindenstraße wird von den GRÜNEN kritisiert.
Damit die gewohnte Lauflinie durch den Baukörper etwas weniger gestört würde, war geplant, die vordere Ecke in den unteren beiden Geschossen abzuflachen (‚negative Ecke‘, das heißt einen Einzug des Gebäudes nach innen von 3,80 mal 3,80 Meter.) Durch eine vorgebaute Säule ergab sich ein begehbarer Arkadenbereich, ohne den optischen Eindruck eines Quaders zu stören.
Der vorgesehene Mieter H & M fordert mittlerweile jedoch, dass diese Ecke ausgebaut wird – anderenfalls erwarte die Firma von der künftigen Vermieterin einen Mietnachlass. Das Motiv für das Erteilen dieser Genehmigung ist, soe die GRÜNEN, offensichtlich darin zu sehen, die Investorin schützen zu wollen, denn die Gefahr, dass H&M den Vertrag platzen lasse, bestehe nicht. Doch öffentlich begründe Oberbürgermeister Möller die Genehmigung als nötiges Unterfangen, die Schweden bei der Stange zu halten.
„Ich frage mich, warum wir Stadtverordneten eigentlich stundenlang in Sitzungen des Bauausschusses, der Stadtverordnetenversammlung und des Gestaltungsbeirates über das Projekt diskutieren, wenn unsere Entscheidung dann doch wieder vom Magistrat geändert wird – und wir davon nicht einmal offiziell in Kenntnis gesetzt werden“, klagt die GRÜNE Bauausschussvertreterin Ute Riebold. Als „demokratisches Mäntelchen“ wollen die GRÜNEN nicht dienen. Das ganze Verfahren sei schon weitgehend an den Vorgaben der Investorin respektive der vorgesehenen Mieterin orientiert gewesen. „Dass nun eine weitere Forderung erfüllt wurde – noch dazu im stillen Kämmerlein – zeigt einmal mehr, wie wenig souverän die Fuldaer Stadtregierung handelt.“
Arkadenschließungsultimaten scheinen eine Spezialität von H&M zu sein. In Höxter ist derzeit ebenfalls eine entsprechende Forderung des schwedischen Modehauses aktuell. „Die H&M betreffende Schlagzeiten wechseln: Mitte letzten Jahres standen noch die schlechten Arbeitsbedingungen einer Zuliefer-Firma in Kambodscha im Blickpunkt der Öffentlichkeit.“

