Eichenzell. Warum ihn die Lokal- bzw. Kommunalpolitik reizt? Da muss Günter Strelitz keine Sekunde überlegen. Die „vielen Gestaltungsmöglichkeiten“ und die „direkte Rückkopplung“ sind für den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag zwei der wesentlichen Gründe, sich politisch im Landkreis Fulda zu engagieren. Die Bürger teilten sofort mit, was gut und was schlecht sei. Der gebürtige Sauerländer, der seit Anfang der 80er Jahre in Eichenzell zu Hause ist und 1993 erstmals Mitglied der Gemeindevertretung wurde, kam über bürgerschaftliches Engagement in seinem persönlichen Umfeld in die Politik. „Da ging es in Eichenzell um planerische und gestalterische Fragen, etwa um die Bushaltestellen für Schulkinder“, erklärt der 57-Jährige rückblickend.
Kein Wunder, dass sich Strelitz als Studiendirektor an der Fuldaer Ferdinand-Braun-Schule auch für Bildungspolitik stark macht. Seine Kernaussage: Im Landkreis fehle eine Integrierte Gesamtschule. „Sie ist kein Ersatz, aber eine Ergänzung zum dreigliedrigen Schulsystem und zu G8“, so der Maschinenbau-Ingenieur. Der verkürzte Weg zum Abitur sei nicht für jeden geeignet, manche Schüler blieben auf der Strecke. Insgesamt stellt der Vater zweier erwachsener Kinder den Schulen im Landkreis aber ein gutes Zeugnis aus, vor allem ihn puncto Ausstattung.
Ein anderes Anliegen des Eichenzellers ist das schnelle Internet. Der Ausbau des Glasfasernetzes würde zwar mittlerweile zunehmend realisiert, allerdings nur bis in die Kabelverzweiger. Von dort aus führten dann Kupferkabel in die Häuser. Strelitz hingegen fordert das Verlegen von Glasfaserkabeln direkt bis in die einzelnen Haushalte, um Up- und Downloadgeschwindigkeiten von 100 MBit/s und mehr realisieren zu können. „Dadurch bekämen wir Vorteile gegenüber anderen Landkreisen“, so der SPD-Politiker. In Eichenzell sei ein Eigenbetrieb gegründet worden, um das geschilderte Vorhaben umzusetzen.
Als Zugezogener aus dem Sauerland hat Strelitz die Rhön und ihre weiten Fernen schnell schätzen und lieben gelernt. In seiner Freizeit zieht es den 57-Jährigen zusammen mit seiner Frau gerne zu Wanderungen in die Natur. Im Bereich Tourismus sieht der Studiendirektor noch „großen Handlungsbedarf“. Beispiel Wasserkuppe: Für Hessens höchsten Berg gebe es zwar einen Masterplan, allerdings gehe hier vieles zu langsam voran. Wichtig sei auf der Wasserkuppe eine ordnende Hand, um etwa den unterschiedlichen Interessen auf dem Berg der Flieger gerecht zu werden.
Den Umgang der Kreistagsmitglieder untereinander findet Strelitz „im Großen und Ganzen in Ordnung“. In den vergangenen Jahren habe sich diesbezüglich viel verbessert. Landrat Bernd Woide und Erster Kreisbeigeordneter Dr. Heiko Wingenfeld seien „sehr umgängliche Leute, die ich wegen ihrer klaren Positionen schätze“. So verschließe man sich nicht prinzipiell gegen alle oppositionellen Vorschläge. In der Vergangenheit habe es die SPD der CDU zu oft zu leicht gemacht, resümiert der Fraktionsvorsitzende.
In Zukunft wolle man bei zentralen Fragen wie etwa der Energiepolitik noch klarer Stellung beziehen. Themen wie der geplante Ausstieg aus der Atomenergie oder der Hessische Energiegipfel seien im Landkreis Fulda bisher nicht so richtig angekommen. Daran ist der noch nicht flächendeckende Breitbandausbau mit Sicherheit aber nicht Schuld.
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