Fulda, Hanau, Marburg, Kassel (mz) Lob und Ermutigung erfuhren die 170 neu gewählten Pfarrgemeinderäte des Bistums bei der Einführungstagung am vergangenen Wochenende im Fuldaer Bonifatiushaus. Die Anerkennung der Bistumsleitung sprach Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez aus: „Ich bin immer wieder tief beeindruckt, wenn ich Sie sehe und erlebe, über die Frauen und Männer, die sich einsetzen für diese Kirche“, so der Weihbischof. Dank für das Engagement und Ermutigung für die nun kommende Amtsperiode sprach der Vorsitzende des Katholikenrates, Richard Pfeifer (Biebergemünd-Kassel) den neu gewählten Räten zu. Zur Begeisterung für den Glauben rief Seelsorgeamtsleiter Domkapitular Rudolf Hofmann die Pfarrgemeinderäte auf.
Pfarrgemeinderat in einer sich wandelnden Kirche und Gesellschaft
Die Tagung, die als Start in die neue Amtsperiode von Katholikenrat und Bonifatiushaus veranstaltet wurde, begann am Samstag mit dem Grundsatzreferat von Prof. Dr. Christoph Jacobs, Dozent an der Theologischen Fakultät in Paderborn. Umbruchszeiten sind nach den Worten von Professor Jacobs Zeiten der besonderen Begegnung mit Gott. Es komme darauf an, die Entkirchlichung der Gesellschaft als Herausforderung anzunehmen. Der Rückgang der Gottesdienstbesuche an Sonntagen wie auch der kirchlichen Eheschließungen in den letzten Jahrzehnten bedeute laut Professor Jacobs, dass man von der bislang gekannten Sozialform von Kirche Abschied nehmen müsse. Die Pfarrgemeinderäte müssten sich entscheiden, welche Rolle sie in Zukunft einnehmen wollen. Der Professor regte eine theologische Deutung der Entwicklung an. , etwa als eine „neue Schöpfung“ durch Gott, als einen „Exodus“ mit der Befreiung von alten Lasten, als ein „Exil“ mit Erfahrung von Treue und Verinnerlichung. Die Kirche reflektiere das Licht der Botschaft Christi wie der Mond das Licht der Sonne, sie sei aber wie dieser auch zyklischen Wachstums- und Sterbensphasen unterworfen. Nur wenn man die Gegenwart als Gott gewirktes Geschehen deuten könne, werde man fähig, Kirche neu zu verstehen. Der Professor rief in diesem Zusammenhang zu einem Paradigmenwechsel auf. In Zukunft müsse Kirche nicht klerikal sondern als Volk Gottes gedacht werden. Die Pfarrgemeinderäte seien berufen, sich nicht einzig für ihre Wähler sondern vor allem auch den Suchenden und den pilgernden Gläubigen zuzuwenden. Es komme in Zukunft darauf an, nicht ausschließlich in großen pastoralen Einheiten zu denken, sondern kleine Gemeinschaften zu gründen. Dies sei vor allem auch Aufgabe der Pfarrgemeinderäte.
nachgehakt
In zehn Dekanats-Arbeitskreisen wurde anschließend das Referat von Prof. Dr. Jacobs besprochen. Die Arbeitskreisergebnisse spiegelten die Offenheit, Motivation und den Ideenreichtum der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
In der anschließenden Interviewrunde nahmen Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez, Prälat Rudolf Hofmann, stellv. Dechant Elmar Gurk, Gemeindereferentin Birgit Imgram und Richard Pfeifer Stellung zu den vielfältigen Fragen der Pfarrgemeinderäte.
Die Eucharistie am Sonntagmorgen zelebrierte Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez in der mit Pfarrgemeinderäten gefüllten Pfarrkirche St. Andreas, Fulda-Neuenberg.
wenn ich heute zu Dir käme
In Tischgesprächen wurden Tipps und Ratschläge für die Pfarrgemeinderatsarbeit weitergegeben. Referenten aus Pastoral und Bistumsverwaltung moderierten die Gesprächskreise. Michael Bieling und Andreas Groher stellten die Angebote der Erwachsenenbildung im Bildungshaus St. Michael, Kassel, und im Bildungshaus Kloster Salmünster vor. Ltd. Schulamtsdirektor i.K. Winfried Engel informierte über die Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrgemeinde. Das Angebot der Gemeindeberatung erläuterten Ernst Joachim Jost und Birgit Imgram. Über geistliche Impulse und Besinnungstage informierte Dagmar Denker. Doris Meyer-Ahlen leitete einen Gesprächskreis zur diakonischen Pastoral und Thomas Bretz zum Thema Neuevangelisierung. Infos und Erfahrungsaustausch zur Jugendarbeit gaben Jugendpfarrer Sebastian Blümel und Geschäftsführerin Katharina Schick. Diakon Stefan Wick informierte über Möglichkeiten, den Gottesdienst der Gemeinde mitzugestalten.
„Die engagierte und offene Beteiligung am Impulsvortrag von Professor Jakobs, den Gesprächsrunden, aber auch beim beten und singen habe ich mit großer Freude und Dankbarkeit wahrgenommen. Das vielfältige und teilweise überschwängliche Feedback sehe ich als Bestätigung dafür, dass diese beiden intensiven Tage gut gelungen waren. Ich danke dem Heiligen Geist, dass er unseren Pfarrgemeinden solchen Frauen und Männern geschenkt hat,“ so Richard Pfeifer.