Bad Nauheim. Die hessischen Jäger bitten wegen des strengen Frosts um verstärkte Rücksichtnahme auf das Wild. Waldbesucher und Wintersportler sollten auf Wanderwegen, Skipisten und –loipen bleiben, appelliert der Landesjagdverband (LJV). „Rehe , Hirsche und andere Wildtiere schalten im Winter ihren Organismus auf Sparflamme, bewegen sich wenig und benötigen deshalb auch weniger Nahrung,“ erklärte LJV-Wildbiologe Rolf Becker am Sonntag in Bad Nauheim.
„Werden die Tiere aber wiederholt aufgescheucht, bekommen sie Heißhunger auf Knospen und Rinde von jungen Bäumen“, erläuterte Becker die Folge von Störungen. Dann müsse die jährliche Abschussquote erhöht werden. „Den wenigsten Waldbesuchern und Wintersportlern ist indessen bewusst, dass auch sie den Finger am Abzug des Jagdwehres haben“, betonte der Wildbiologe. Diese bestimmten jedoch durch ihr Verhalten im Wald und die Höhe der Wildschäden mit, wie viel Wildtiere dort leben dürften.
Besonders prekär ist nach Beckers Worten die Situation der vom Aussterben bedrohten Birkhühner in der Rhön. Die scheuen Hühner fliehen schon schon ab einer Distanz von 300 Meter vor Menschen. Bei der Flucht verbrauche das Birkwild so viel Energie, dass die seltenen Vögel an Entkräftung sterben könnten.
Die Jäger selbst sind laut Becker bestrebt, die Jagd im Winter frühzeitig zu beenden, um das Wild nicht unnötig zu beunruhigen. So ende beispielsweise nach dem neuen hessischen Jagdgesetz die Bejagung des Rotwildes schon zum 31. Dezember statt Ende Januar. Nur wenn der behördlich festgesetzte Abschuss bis Jahresende nicht erfüllt werden konnte, könne die Jagdbehörde die Jagdzeit regional ausnahmsweise bis zum 31. Januar verlängern.
In Hessen gibt es insgesamt rund 20.000 Hirsche und weibliches Rotwild, zirka 220.000 Rehe und über 200.000 Wildschweine. Dem Landesjagdverband gehören etwa 90 Prozent der 23.600 hessischen Jäger und Förster an.