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Ärztliche Versorgung auf dem Land“ – Praxisforum des „Kompetenznetzes Vitale Orte“ in Friedrichsdorf-Köppern

Friedrichsdorf. „Ziel der Landespolitik ist die Stärkung des ländlichen Raumes und seine Entwicklung als eigenständiger Wirtschafts- und Lebensraum. Dies erfordert auch Lösungen auf interkommunaler oder regionaler Ebene. Die zentralen Akteure sind dabei die Kommunen, Kreise und Regionen, nur sie können die in den Kommunen vordringlichen Themen benennen“, sagten der Hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch und der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner heute vor mehr als 100 Gästen auf dem Praxisforum „Ärztliche Versorgung auf dem Land“ in Friedrichsdorf. Die Minister stellten die planerischen Strategien der Landesregierung zur Sicherung der Versorgungsfunktionen in den vom demografischen Wandel betroffenen ländlichen Regionen vor und sicherten den Regionen die Unterstützung der Landesregierung zu.

Als unerlässlich bezeichnete beide Minister eine gute medizinische Versorgung. „Sie ist ein Standortfaktor bei der Ansiedlung neuer Unternehmen und bei der Rekrutierung von Fachkräften. Sie ist zudem eine Investition in die Vitalität unserer Dörfer und Landstädte“, erklärte Posch. Deshalb fördere das Land Projekte der sozialen Infrastruktur wie etwa Ärztehäuser, sozialtherapeutische Einrichtungen oder medizinische Dienste mit Darlehen und Bürgschaften.

Der Wirtschaftsminister wies auf die große Bedeutung von Regionalstrategien zur Daseinsvorsorge hin. Die Aufnahme der Kreise Vogelsberg und Hersfeld-Rotenburg sowie der Region SPESSARTregional ins Aktionsprogramm regionale Daseinsvorsorge des Bundes sei eine große Chance: „Das Land wird die Regionen dabei unter Einbindung der Servicestelle Demografie unterstützen. Es wäre wünschenswert, wenn alle Regionen von den Erfahrungen profitieren und den fachübergreifenden Dialog zur Sicherung der Daseinsvorsorge führen würden.“

„Bei der Erstellung von Regionalstrategien zur Daseinsvorsorge gilt es auch, im Hinblick auf die demografische Entwicklung für zukunftsfähige und weiterhin bedarfsgerechte Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen zu sorgen. Hierfür sind Strukturreformen notwendig, die eine engere Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie Krankenhäusern ermöglichen. Sowohl das GKV-Versorgungsstrukturgesetz als auch der Hessische Pakt zur Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung haben neue, effiziente Unterstützungsmaßnahmen geschaffen, mit denen die notwendigen Strukturreformen eingeleitet werden können“, erklärte Sozialminister Stefan Grüttner.

Statistisch gesehen hat Hessen genug Ärztinnen und Ärzte, allerdings sind sie räumlich ungleich verteilt. Während in städtischen Regionen eine Überversorgung besteht, können Arztpraxen auf dem Land nur schwer wiederbesetzt werden. Dies führt in ländlichen Regionen zu längeren Anfahrts- und Wartezeiten oder sogar zu lokalen Versorgungsengpässen. „Die Hessische Landesregierung hat daher mit den Vertretungen von Ärztinnen und Ärzten und Krankenhäusern, den Kranken- und Ersatzkassen, den Kommunalen Spitzenverbänden und den Hochschulen ein umfangreiches Maßnahmenpaket verabschiedet, das u.a. die Förderung der Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten in Gebieten mit regionalem Versorgungsbedarf vorsieht. Allein dafür stellen die Partner des Pakts jährlich 600.000 Euro zur Verfügung. Weiterhin werden die Verbesserung der Aus- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten oder die Einrichtung von Begleitdiensten für Patientinnen und Patienten unterstützt“, erläuterte Grüttner.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen hat die aktuelle ambulante Versorgungssituation in allen hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten analysiert und die Ergebnisse auf ihrer Website bereitgestellt. Ihr Vizevorsitzender Dr. Gerd W. Zimmermann stellte Wege vor, Lücken in der Versorgung zu schließen. Sie reichen von der Niederlassungsberatung für Ärztinnen und Ärzte und der Information über neue Versorgungs- und Kooperationsformen bis hin zu den neuen Fördermöglichkeiten des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes des Bundes und den Maßnahmen des Hessischen Paktes. „Die KVH ist sehr frühzeitig eine Kooperation mit dem Hessischen Landkreistag eingegangen, um die Versorgungssituation in den ländlichen Regionen Hessens zu analysieren und über gemeinsame Maßnahmen zu beraten“, erklärte Dr. Zimmermann.

Finanzielle Förderangebote – Unternehmerkredite, Bürgschaften oder die Förderung aus dem Programm „Gründungs- und Wachstumsfinanzierung Hessen“ und des Hessischen Pakts zur Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung – wurden von Ulrich Lohrmann aus dem Beratungszentrum der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen und von Jörg Osmers, Abteilungsleiter Gesundheit im Hessischen Sozialministerium, vorgestellt.

Fünf Beispiele aus der Praxis zeigten, was Verantwortliche vor Ort tun können, um die ärztliche Versorgung auf dem guten Niveau zu halten. Landrat Stefan Reuß hat im Werra-Meißner-Kreis einen Masterplan erarbeiten lassen, der die ärztliche Versorgungssituation detailliert analysiert und Handlungsempfehlungen gibt, u. a. die Priorisierung von Hausarztstandorten oder die Kooperation mit Taxiunternehmen. Im Vogelsbergkreis hat Landrat Rudolf Marx eine Projektgruppe „Ärztliche Versorgung“ eingerichtet. Ärztinnen und Ärzte, Kreisverwaltung u. a. haben ein Handlungskonzept erarbeitet und eine Gesundheitskonferenz durchgeführt.

Unter dem Motto „Medizin (er)leben im Vogelsberg“ haben Landkreis und Ärztinnen und Ärzte bei den Marburger Medizintagen für die Niederlassung im Kreis geworben. Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg hat sich dafür eingesetzt, dass in der Stadt Romrod ein Hausarztzentrum eingerichtet werden konnte, in dem der Praxisinhaber als Unternehmerarzt tätig ist, der andere Ärztinnen und Ärzte – auch in Teilzeit – angestellt hat. Diese Form der Praxisführung bietet z. B. Ärztinnen mit kleinen Kindern die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten, ohne Nacht- und Wochenenddienste und ohne unternehmerisches Risiko.

Die Verbundweiterbildung für Hausärztinnen und -ärzte im Main-Kinzig-Kreis ist ein weiteres Beispiel für die Sicherung der ärztlichen Versorgung auf dem Land. Dr. med. Willi Heinrich und Prof. Dr. Hahn stellten vor, wie die Kooperation zwischen Klinik und Hausarztpraxis für den nötigen Nachwuchs auch in dünn besiedelten Gegenden sorgt. Prof. Dr. med. G.-André Banat, stellv. Ärztlicher Direktor des Gesundheitszentrums Wetterau gGmbH, stellte das medizinische Clustermanagement vor. Durch diese Verzahnung der Leistungsanbieter erhält der Patient – unabhängig davon, an welcher Stelle er das Gesundheitssystem betritt die für ihn bestmögliche medizinische Versorgung, weil Krankenhäuser, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Reha-Einrichtungen, häusliche Pflegeorganisationen u. a. eng vernetzt sind.

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