Fulda. Der Weg zum Landratsamt ist für die Beschäftigten der Kreisverwaltung unterschiedlich weit. Die Entfernung kann wenige Metern oder auch zweihundert Kilometer betragen. Erwin Wehner und Martina Rode verkörpern die beiden Extreme. Während Erstgenannter zu Fuß nur wenige Schritte zurücklegen musste, reist Martina Rode mit der Bahn fast aus dem Harz an. Der pensionierte Hausmeister Erwin Wehner hat bis zum Erreichen der Altersgrenze im Jahr 2004 rund zwanzig Jahre im Kreishaus gewohnt. In der ehemaligen Dienstwohnung des Landratsamtes befinden sich heute Büroräume des Fachdienstes Revision, dem früheren Rechnungsprüfungsamt. Der Abschied von der Kreisverwaltung ist dem 70-jährigen Rentner, der im umgebauten Elternhaus seiner Frau in Petersberg-Rex wohnt, nicht leicht gefallen. „Wir hatten eine sehr schöne, geräumige Wohnung und haben anfangs etwas getrauert.“
Foto: Max Colin Heydenreich
Im Rückblick ist der gelernte Kfz-Mechaniker überzeugt, seine schönsten Berufsjahre beim Landkreis verbracht zu haben. Vor der Übernahme der Hausmeisterstelle im Kreishaus und dem damit verbundenen Einzug in die Dienstwohnung im Dezember 1985 hatte er zwölf Jahre als Hausmeister an der Mittelpunktschule Hofaschenbach gearbeitet und mit seiner vierköpfigen Familie ebenfalls in einer Dienstwohnung gelebt. Er kann sich noch gut an seinen Dienstantritt im Jahr 1973 erinnern, als ihn der frühere Landrat Fritz Kramer verpflichtete.
Ein prägendes Ereignis war der Brand des Kreishauses im März 2001. Auch gab es neben mehreren Fehlalarmen zwei größere Einbrüche und andere ungewöhnliche Vorfälle wie ein improvisiertes Lagerfeuer von im Außenbereich kampierenden Asylbewerbern. Den Unterschied zu den heutigen Hausmeistern sieht Wehner in seiner ständigen Präsenz vor Ort. Eine Dienstwohnung habe Vorteile zum Beispiel beim Schneeräumen oder bei abendlichen Sitzungen, andererseits werde man auch schon mal zu später Stunde herausgeklingelt.
Martina Rode ist dem früheren Hausmeister beruflich nie persönlich begegnet. Als Erwin Wehner noch seinen Dienst im Kreishaus versah, war die heute 47-jährige beim damaligen Amt für Landwirtschaft und Landentwicklung beschäftigt. Die Agraringenieurin wurde dort im April 1989 als landwirtschaftliche Beraterin eingestellt. Das ehemalige Landwirtschaftsamt wechselte in den nachfolgenden Jahren mehrfach seinen Namen und Standort, bevor am 30. Juni 2005 die Kommunalisierung und Eingliederung in die Kreisverwaltung erfolgte.
Zwischenzeitlich hatte Martina Rode das Aufgabengebiet gewechselt und kümmerte sich bis zur Familienpause im Jahr 1999 um Dorferneuerung und Regionalentwicklung. 2004 nahm sie die berufliche Tätigkeit wieder auf, als sich die Möglichkeit bot, ihre Vollzeitstelle auf 17 Stunden wöchentlich zu reduzieren und diese im Blockmodell an zwei Tagen in der Woche zu erbringen. Bei der Kreisverwaltung ist die Agraringenieurin im Fachdienst Dorferneuerung und ländliche Entwicklung tätig und dort für die Nutzung regenerativer Energien zuständig.
Nach Aussage der gebürtigen Berlinerin, die im niedersächsischen Landkreis Nordheim wohnt, schlägt ihr Herz für die Region, deren Vorzüge sie trotz einer gut zweistündigen Bahnanreise zu schätzen wisse. Während sie von Dienstagfrüh um sechs Uhr bis Mittwochabend um 18 Uhr unterwegs ist, versorgen ihr Mann und eine Zugehfrau die beiden Kinder sowie den Haushalt. Beruf und Familie zu ihrem Recht kommen zu lassen, erfordere Organisationsgeschick, Zeitmanagement sowie Verständnis bei Kollegen und Vorgesetzten.