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KNITTEL MobileEnergie in Fulda feiert sein 140-jähriges Bestehen

Fulda. Mit Garnen und Stoffen begann 1871 die Erfolgsgeschichte von KNITTEL MobileEnergie. In diesem Jahr feiert das Fuldaer Familienunternehmen, das sich heute als regionaler Energiehändler mit Vollsortiment am Markt etabliert hat, sein 140-jähriges Bestehen.
1871 – der deutsch-französische Krieg war gerade vorbei – machen sich Romanus und Wilhelm Knittel auf den Weg zum Amtsgericht Fulda und lassen sich ins neue Handelsregister eintragen: „Es erscheinen die Fabrikanten Romanus und Wilhelm Knittel von hier und erklären dieselben: Wir betreiben dahier unter der Firma J. Knittel Söhne ein Leinenfabrikgeschäft. Jeder von uns beiden ist zur Zeichnung und Vertretung der Firma berechtigt.“ Noch firmieren die Brüder unter dem Namen des Vaters, Johannes Knittel, der von seinem Heimatort Eichenzell aus Heimweber mit Kette und Schuss beliefert und mit dem handgewebten Leinen einen schwunghaften Handel betreibt. Die Söhne setzten – erst von der Hornungsbrücke, dann von der Ohmstraße in Fulda aus – das gleiche Geschäft erfolgreich fort.

Nachdem Wilhelm Knittel 1875 kinderlos gestorben war, ruft Romanus seinen Sohn Eduard ins Geschäft. Doch aufgrund der mechanischen Konkurrenz müssen die Handweber nach und nach aufgeben. Auf den Leiterwagen des Unternehmens Knittel werden nun Lebensmittel, später Hausrat und Möbel transportiert – und im Lager der Spedition entsteht ein kleiner Kohlenhandel.

1898 stirbt Romanus Knittel, kurz danach seine Frau Anna Maria und auch die Söhne Eduard und Richard. Deren Witwen Mathilde und Babette führen das Geschäft weiter. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 stehen die Wagen still, die Pferde müssen an die Front. Zu Hause bringt Babette Knittel ihre drei Jungen mit dem Kohlenhandel durch die schlechten Zeiten.

Auch nach Ende des Kriegs 1918 geht es mit dem Kohlenhandel erfolgreich weiter, Ernst Knittel, Babettes ältester Sohn, macht sich mit an die Arbeit. 1932, als die Weltwirtschaftskrise ihren Höhepunkt erreicht, wird dessen Kind, Willi Knittel, geboren. Vater Ernst erweitert trotz aller Schwierigkeiten das Geschäft rund um die Kohle. Der Großhandel schlägt ganze Schiffspartien holländischer Lieferanten in Hanau um und verkauft die Ware bis nach Würzburg und Kassel. Für die heimische Industrie führt Knittel Feinkohle aus Oberschlesien ein, in Bad Kissingen nimmt ein Kohlen-Zweiggeschäft seinen Betrieb auf. Der Zweite Weltkrieg naht, der dritte Krieg in der Familien- und Firmengeschichte der Knittels.

1945 beginnt Ernst Knittel gemeinsam mit den Brüdern Eugen und Heinrich den Betrieb wieder aufzubauen. Babette Knittel entscheidet 1948: Sohn Ernst bekommt den Kohlengroßhandel „J. Knittel Söhne“, seine Brüder Eugen und Heinrich den „Kohleneinzelhandel Gebr. Knittel“.

In den folgenden drei Jahrzehnten baut Ernst Knittel den Großhandel und einen zusätzlich erworbenen Einzelhandel aus. Willi Knittel beendet Anfang der 50er Jahre seine Lehr- und Wanderjahre und wird Assistent der Geschäftsleitung, Ende der 50er Jahre nimmt der Betrieb Heizöl mit ins Verkaufsprogramm auf. 1961 stirbt Ernst Knittel – und erlebt nicht mehr, wie sich die von ihm eingefädelte Zusammenarbeit mit der Deutschen Erdöl-Aktiengesellschaft DEA positiv zu entwickeln beginnt.

1962 wird Willi Knittel geschäftsführender Gesellschafter. Seine Frau Marlies arbeitet in führender Position im Betrieb mit. Dem Bündnis mit DEA entwachsen zwei neue Standbeine, die den Kohlenhandel verdrängen: Heizöl und Schmierstoffe für Industrie, Handwerk und Landwirtschaft sowie das Tankstellengeschäft. Der 100. Geburtstag wird des Unternehmens im Jahr 1971 gefeiert.

1973 bricht die Öl- und Kraftstoffkrise über Europa herein, doch kurze Zeit später geht es wieder bergauf. Der Gleisanschluss zum Firmengelände lässt die Tanklagerkapazität in der Spitze auf zwei Millionen Liter wachsen. Dann, im November 1989, ist plötzlich ein fast vergessenes Produkt gefragt: das Zweitaktgemisch. Nach der Grenzöffnung wird Willi Knittel im alten Thüringer Stammgebiet aktiv, seine älteste Tochter Uta Knittel-Weber tritt 1990 in die Geschäftsleitung im Betrieb ein. 1991 wird die Geschäftsleitung um ihren Ehemann Udo Weber erweitert, 1997 steigt ebenso Ulrich von Keitz in das Führungsteam ein.

Als Top-Anlage entsteht 1996 auf 4500 Quadratmetern an der Fuldaer Kreuzbergstraße ein DEA-Autoport der Superlative. Zum 125-jährigen Geburtstag zieht das Unternehmen ins neue Verwaltungsgebäude am alten Standort in der Dientzenhofer Straße.

Im Jahr 2002 wird ein Lizenzvertrag mit der AVIA unterzeichnet und im gleichen Jahr verabschiedet sich der Seniorchef Willi Knittel aus dem aktiven Unternehmensgeschehen. Einen weiteren Meilenstein in der Unternehmensgeschichte markiert das Jahr 2006 – seit dieser Zeit ist KNITTEL Gesellschafter der AVIA.

Ein Jahr später, 2007, nennt sich der Familienbetrieb um zu KNITTEL MobileEnergie, denn mittlerweile umfasst das Unternehmensportfolio mit den Themen Mobilität und Energie nun viel mehr als nur den reinen Mineralölhandel. 2010 wird die Angebotspalette nochmals grundlegend erweitert: Der Betrieb entwickelt sich vom Mineralöllieferanten zum regionalen Energiehändler, der neben Heizöl ebenso Erdgas, Holzpellets und Strom vertreibt. Damit trägt das Unternehmen den Veränderungen auf dem Energiemarkt Rechnung, denn immer mehr Kunden legen Wert auf das Angebot ihres kompletten Energiebedarfs aus einer Hand.

In der Unternehmensgeschichte von KNITTEL gab es immer mutige Entscheider, die es geschafft haben, dem permanenten Wandel auf dem Markt mit einem Wechsel im Unternehmensportfolio Rechnung zu tragen. Wichtige Meilensteine haben dabei sicherlich der Schritt vom Textil- zum Kohlehandel und später der Wechsel ins Mineralölhandelsgeschäft markiert. Das entscheidendste Ereignis in der jüngeren Unternehmensgeschichte ist ganz klar die grundlegende Erweiterung der Leistungsbereiche im Energiesegment – zum regionalen Energiehändler mit Vollsortiment.

KNITTEL MobileEnergie unterhält heute außerdem rund 80 Tankstellen in Hessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg und beschäftigt in der Unternehmensgruppe etwa 100 Mitarbeiter, 65 davon im Stammhaus in Fulda.

 

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