Fulda. Im Rahmen der Energiesparwochen des Landkreises Fulda veranstaltete das Forum „Netzwerk Holz und Kompetenzfeld Energie“ des Vereins Natur- und Lebensraum Rhön e.V. eine Exkursion zu innovativen Projekten zur Erzeugung regenerativer Energien. Die ca. 25 Teilnehmer der Exkursikon lauschten gespannt, was Jürgen Klose, einer von drei Gesellschaftern, aus 13 Jahren Ölmühlenbetrieb in Großentaft zu berichten hatte. Die Ölmühle in Großentaft, ursprünglich erbaut zur Gewinnung von kalt gepresstem Rapsöl zum Betreiben von umgebauten Dieselmotoren musste sich nach der Besteuerung des Rapsöls für Verbrennungsmotoren komplett neu orientieren. War noch vor 10 Jahren das Rapsöl um einiges billiger als Diesel, so sind durch Besteuerung sowie Börsenspekulationen für Rapssaaten die Preise heute nahezu identisch. Neu ausgerichtet vermarktet die Ölmühle heute weitestgehend das Rapsöl in die Futtermittelindustrie und als Speiseöl.
Der Bürgermeister der Marktgemeinde Burghaun stellte den Exkursionsteilnehmer das gemeindliche Energiekonzept vor. Die Marktgemeinde möchte sich in absehbarer Zeit rein rechnerisch mit Energie selbst versorgen. Dazu tragen verschiedene Hackschnitzelanlagen in Bürgerhäusern und im Bauhof und andere Projekte bei. Hier sei als Beispiel Windkraft und Photovoltaik genannt, die die Gemeinde in Zukunft mittels einer Energiegenossenschaft, die vor einiger Zeit gegründet wurde, bewegen will. Getreu dem Motto „Was dem einzelnen nicht möglich ist, das schaffen viele“ von Friedrich-Wilhelm Raiffeisen hat die Energiegenossenschaft – so berichtet Bürgermeister Hohmann – schon einige 100.000,- € für regenerative Energieprojekte von Privatpersonen der Marktgemeinde und auch Personen von umliegenden Gemeinden zur Verfügung gestellt bekommen. Auch machte die Firma Hauser aus Steinbach, die alle Hackgutanlagen der Gemeinde mit Hackschnitzeln bestückt, am neu angelegten Schredderplatz eine Vorführung mit ihrem Mobilhacker.
Dass man mit dem Anbau von Miscanthus oder auch Elefantengras genannt, Hackschnitzelanlagen betreiben kann, ist lange bekannt. Dass dieses Gewächs aber bei uns im Landkreis so gut gedeiht, zeigte die Firma Oswald Wärme & Design in Petersberg / Steinau. Die beiden Geschäftsführer Achim und Wigbert Waider legten im Jahre 2006 ein 2,5 ha großes Miscanthusfeld an, das heute zwei Wohnhäuser und ein Geschäftsgebäude mit ca. 600 m² nahezu ganzjährig mit Wärmeenergie versorgt. Der 50-kw-Kessel läuft seit mehreren Jahren störungsfrei. Einzig der Ascheanteil beim Verbrennen von Miscanthus ist etwas erhöht. Als kleiner Wehrmutstropfen muss noch erwähnt werden, dass für Miscanthus-Hackgut ein großer und windgeschützter Lagerraum vorgehalten werden muss.
Zum Abschluss der Veranstaltung besuchten die Teilnehmer noch eine im April 2010 angelegte Kurzumtriebsplantage. Der Initiator Eugen Sauer hat auf einem 2,5 ha großen Wiesenumbruch Pappelstecklinge im Verband von 2 x 0,5 m ausgebracht und will diese nach ca. fünf Jahren ernten lassen. Diese Pappeln, die dann einen Umfang von 12 – 15 cm haben, können mit einem herkömmlichen Maishäcksler mit Spezialvorsatz geerntet werden. Joachim Walter, Ranger beim Biosphärenreservat Rhön, Organisator und Initiator dieser Exkursion war mit der Veranstaltung sehr zufrieden. Bei versierten Referenten und exzellentem Wetter konnten die Exkursionsteilnehmer viel Neues erfahren und viele Ideen mit nach Hause nehmen. Wegen der guten Resonanz wird auch im kommenden Jahr wieder eine solche Bioenergieexkursion vom Biosphärenreservat Rhön geplant und durchgeführt werden.