Kleinlüder. Am 26. Juli dieses Jahr erfolgte der offizielle erste Spatenstich. In den seither vergangenen 100 Tagen hat sich auf dem Gelände „Am Finkenberg“ bei Kleinlüder bereits viel getan. Nach weitgehendem Abschluss der Erdarbeiten entstehen hier inzwischen die acht großen Vergärer und Lagerbehälter. Die Behälter aus Spezialbeton haben jeweils einen Durchmesser von 11 bis 27 Metern und erreichen eine Höhe von bis zu neun Metern. Auf einer Begehung mit dem Geschäftsführer der Biothan GmbH (einer hundertprozentigen GWV-Tochter), Andreas Bug, verschaffte sich Bürgermeister Werner Dietrich einen persönlichen Eindruck vom Fortgang der Arbeiten. Ziel sei es, vor Einbruch des Winters mit dem Bau der Behälter so weit wie möglich voranzukommen, erläuterte Bauherr Bug. Auch die Strom- und Datenleitung sowie die Anschlussleitung zur Erdgas-Fernleitung sollen vor dem Winter fertig sein.
Beim Rundgang wurde erkennbar, dass die Betreiber keine Kosten und Mühe scheuen, um für die Anlage die höchstmögliche Betriebssicherheit zu gewährleisten. Immerhin werden hier später erhebliche Mengen an Rohstoffen und Gärresten bewegt. „Wir setzen am Finkenberg in jedem Punkt auf Qualität und Nachhaltigkeit“, unterstreicht Bug. „Unser Vorhaben wird von vielen als ein Modell regenerativer Energieerzeugung betrachtet und aufmerksam verfolgt. Wir wollen und werden den Beweis erbringen, dass man in Einklang mit der Umwelt Energieerzeugung und Recycling kombinieren kann.“ Wenn die Anlage fertig ist, werden am Finkenberg pro Jahr rund 30.000 Tonnen organischer Reststoffe (z. B. Speisereste und Gülle) in Bio-Erdgas verwandelt. Die dabei anfallenden Gärreste sind ein bei Landwirten gefragter nahezu geruchloser Dünger. Auf dem Finkenberg werden keine nachwachsenden Rohstoffe verarbeitet.
„Die Baustelle macht auf mich einen hervorragenden, gut durchorganisierten Eindruck“, freut sich Bürgermeister Dietrich, der mit den Planungen detailliert vertraut ist. „GWV und Biothan pflegen mit der Gemeinde Großenlüder auf kurzem Dienstweg enge Kontakte. Das war von der ersten Idee an der Fall. Diese Politik der Transparenz von Seiten der Betreiber hat ein Vertrauensverhältnis entstehen lassen, wie es bei solchen Großprojekten keineswegs Standard ist. Offenheit und Bürgernähe wurde bei uns in Großenlüder bereits praktiziert, bevor die Diskussion um Stuttgart 21 zeigte, wie wichtig es ist, die Bürger vor Ort einzubinden.“
Im zeitigen Frühjahr 2012 werden die ersten Behälter befüllt, um die biologischen Prozesse in Gang zu setzen. Im Sommer 2012 soll die Anlage dann im wahrsten Sinne des Wortes „mit Vollgas“ in Betrieb gehen.