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Seltene Papierkrippen im Kloster Wechterswinkel

Rhön. Anlässlich des Rhöner Krippenweges vom 18. November 2011 bis 8. Januar 2012 ist eine Ausstellung von außergewöhnlichen Papier-, Klapp- und Faltkrippen aus dem 19. Jahrhundert im Kloster Wechterswinkel zu sehen. Um 1600 sind erstmals Krippen in Franken nachweisbar. Während des Barocks erlebt die Aufstellung von Weihnachtskrippen in Kirchen eine Blütezeit, vor allem im süddeutschen Raum und in den Gebieten der ehemaligen Fürstbistümer Fulda und Würzburg. So rückt die Krippe im 18. Jahrhundert verstärkt in den Mittelpunkt der weihnachtlichen Bräuche. Mit der Ausbreitung des Krippenbrauchs in den Gebieten nördlich der Alpen entstanden auch die ersten kleinformatigen Papierkrippen für den Hausgebrauch.

Ein jähes Ende findet diese Blütezeit um 1800 durch aufgeklärte Landesherren und Kirchenfürsten. Das Aufstellen von Weihnachtskrippen wird als „übertriebene Frömmelei“ verurteilt und 1803 durch ein Krippenverbot untersagt. Dadurch verlagert sich der Krippenbrauch aus dem öffentlichen Raum der Kirchen in den privaten Bereich. Dieses fördert gleichzeitig die Entstehung kleinformatiger Krippen aus Papier, unter anderem in Schwaben, Bayern und Böhmen. Diese Krippen konnten nicht nur einfacher aufgestellt werden, sondern waren auch wesentlich preiswerter als geschnitzte. Der Papierschnitt war bereits im 17. und 18. Jahrhundert in Mode gekommen und fand insbesondere in den gemalten oder gedruckten Dioramen (Schaukästen) seine Verwendung. Die Papierkrippen entwickelten sich aus den barocken Miniaturtheatern aus Papier, die als Ausschneidbögen zu erhalten waren und sich großer Beliebtheit erfreuten.

So zeigt die diesjährige Ausstellung zum Rhöner Krippenweg im Kloster Wechterswinkel zahlreiche Papierkrippen in unterschiedlichen Erscheinungsformen. Als einfache ausgemalte, ausgeschnittene und aufgeklebte Papierkrippe oder als aufwändige Schaukastenkrippe. Ebenso zu sehen sind Falt- und Klappkrippen, die manchmal wie Märchenbücher unsere Kindheit beim Aufschlagen einen vielschichtigen Raum aus Stall mit Tieren und Figuren entstehen lassen. Zudem gezeigt werden auch Papierkrippen, die aufwändig auf Holz geklebt und ausgesägt wurden. Schwerpunkt dieser Privatsammlung aus Unterfranken bildet das 19. Jahrhundert, aber es sind auch Beispiele vor 1800 vertreten und gleichwohl Stücke aus dem 20. Jahrhundert dabei. Die Beliebtheit der Papierkrippen lag neben dem preiswerten Erwerb, ebenso an der einfachen Aufstellung und dem wenigen Platz, der solch eine Krippe benötigte.

Auch in diesem Jahr führt der Rhöner Krippenweg vom 18. November bis 8. Januar 2012 durch den gesamten Landkreis Rhön-Grabfeld bis zum Kreuzberg hinauf. Die Veranstaltungsreihe wird von einem festlichen Musik- und Konzertprogramm von Klassik bis Volksmusik begleitet. Im Kloster Wechterswinkel sind am 10.12. Flöte und Harfe im Konzert zu hören mit Mathias von Brenndorff und Maria Stange, am 17.12. eine weihnachtliche Winterreise mit dem Bariton Jochen Kupfer und am 26.12. alte europäische Weihnachtsmusik mit The Playfords. Weitere Veranstaltungen wie Krippentouren zu den Kirchen im Landkreis sind ab Weihnachten möglich.

Begleitet wird die große Krippenausstellung in Wechterswinkel durch weitere Ausstellungen, so im Bruder Franz Haus „Himmelsboten der Weihnachtszeit“ vom 25. November 2011 bis 8. Januar 2012, im Museum Lebendige Kirchenburg Ostheim „Geschnitzt und geschnitten – Faszinierende Krippen aus Holz und Papier“ vom 25. November 2011 bis 9. Januar 2012 und mit einem Abstecher nach Münnerstadt „Licht Christi – Krippen aus Papier“ vom 26. November 2011 bis 8. Januar 2012. Die Broschüre mit dem gesamten Veranstaltungsprogramm ist im Landratsamt, bei allen Tourist-Infos des Landkreises, in allen Gemeinden, Museen und Banken kostenlos erhältlich.

Weitere Informationen zum Rhöner Krippenweg

Kulturagentur Rhön-Grabfeld, Spörleinstr.11, 97616 Bad Neustadt a.d. Saale, Tel. 09771/94-674 und unter www.rhoener-krippenweg.de.

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