Hünfeld. Die Anekdoten, die Elmar Hegmann von vielen „seiner“ Künstlerinnen und Künstler zu erzählen weiß, sind schier unerschöpflich. Was kein Wunder ist, leitet der 68-Jährige doch seit dessen Gründung den Jungen Kunstkreis (JuKu) Hünfeld. Und das ist immerhin schon 41 Jahre her. Den Vorsitzenden und seine Mitstreiter verbindet zum einen die Liebe zur Kunst mit all ihren Facetten, zum anderen zeichnet sie ein gehöriges Maß an Engagement und Enthusiasmus aus.

Bei der Idee, in der Haunestadt Kunst etablieren zu wollen, hat sich Hegmann Mitte der 60er Jahre vom Fuldaer Jungen Kunstkreis um Verena Pfisterer, Karlfried Staubach und Alexander Deisenroth inspirieren lassen. „In Hünfeld gab es damals so etwas nicht“, erinnert sich der Pädagoge, der 40 Jahre lang im Schuldienst tätig war – an der Jahnschule Hünfeld und an der Schule in Hofaschenbach. Gemeinsam mit Joachim Schulz und Günter Liebau, unterstützt vom damaligen Bürgermeister Wolfgang Strecke, rief er den JuKu Hünfeld ins Leben. „Und der ist inzwischen zu einem Stück meines Lebens geworden“, so Hegmann.
Zu den Gründungsmitgliedern zählte damals übrigens auch Professor Konrad Zuse, der nicht nur den ersten programmgesteuerten Rechner der Welt gebaut hat, sondern unter dem Pseudonym „Kuno See“ auch als Maler bekannt geworden ist. Inzwischen gehören gut 90 Mitglieder dem Verein an, laut Hegmann „zu einem gewissen Prozentsatz aktive Kunstschaf-fende, zu einem großen Teil Kunstinteressierte“. Diese seien über ganz Deutschland ver-streut, darunter viele ehemalige Hünfelder.
Rund 270 Ausstellungen hat es in den vergangenen 41 Jahren gegeben, und JuKu-Vorsitzender Hegmann attestiert den Hünfeldern sowohl ein positives Verhältnis zur Kunst als auch eine grundsätzliche Aufgeschlossenheit für neue Entwicklungen: „Wir haben hier teilweise mehr zeigen können als in Fulda, auch freizügigere Dinge.“ Dazu gehörte auch Politisch-provokantes, wie in den 70er Jahren eine Ausstellung des der SPD nahe stehenden Grafikdesigners Klaus Staeck – womit man sich Ärger mit dem damaligen Bürgermeister Bernhard Mihm einhandelte. 1988 wurde übrigens der Fototreff gegründet, um der Fotografie als einer Sparte künstlerischen Schaffens ebenfalls ein Podium zu geben.
Dies alles geschieht seit 1999 in der „Galerie im Bahnhof“, nachdem man zuvor an drei Stätten zu Hause war: 19 Jahre lang in der Töpferstraße 20 (in dessen Räumen sich damals parallel ein künstlerischer Jugendtreff etablierte), danach für neun Jahre in der ehemaligen Brauerei in der Stiftsstraße. Hegmann: „Nachdem auch dieses Gebäude abgerissen worden war, kamen wir in der ehemaligen Schmitzschen Villa in der Gartenstraße unter – bis diese zum Parkhaus umfunktioniert wurde.“ In den jetzigen Räumlichkeiten im Bahnhof standen für gut ein dreiviertel Jahr zunächst Sanierungsarbeiten an, „denn die Zimmer waren in einem absolut desolaten Zustand“.
Vermieter ist bislang noch die Deutsche Bahn AG, doch wird sich daran in Bälde etwas ändern, weil die Stadt Hünfeld im Zusammenhang mit der umfassenden Neugestaltung des Areals das Bahnhofsgebäude und das gesamte Umfeld erwerben will. Hegmann geht davon aus, „dass wir auch danach hier bleiben können und dass sich das Mietverhältnis zur Stadt besser gestalten wird als zur Bahn“. Denn allgemein verstehe man sich gut, was auch in den Worten von Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel zum Ausdruck kam, der den JuKu zum 40jährigen Bestehen als „Verein der Region, nicht nur Hünfelds“ bezeichnet hatte. Dessen Vorsitzender Elmar Hegmann sei ein würdiger Träger des Kulturpreises der Haunestadt und die „Galerie im Bahnhof“ eine Visitenkarte von Hünfeld. Die Stadt trägt übrigens den größten Teil der Kaltmiete, die der JuKu für die Räume aufbringen muss. Einen Zuschuss gibt es auch vom Landkreis Fulda.
Der Verein finanziert sich ansonsten über Mitgliedsbeiträge, Spenden und so genannte Kulturpatenschaften. Denn der Eintritt sowohl zu den Ausstellungen als auch zu diversen anderen Veranstaltungsreihen wie „Sonntags um 4“, „Bei Kerzenschein“, der Mittwochswerkstatt oder auch dem neuen „Offenen Atelier“ ist von Beginn an frei. Zu sehen sind Werke der JuKu-Mitglieder allerdings auch außerhalb der „Galerie im Bahnhof“ wie in den Räumen der VR-Bank Nordrhoen oder auch in der Seniorenresidenz Seniana. „Und wir hatten schon verschiedene Ausstellungen im Ausland, wie in Hünfelds Partnerstadt Landerneau“, so Hegmann. Der im Übrigen schon mit der Jahresplanung 2012 befasst ist.