Fulda. Einen Besuch im Landratsamt des Kreises Fulda unternahm kürzlich der Gesamtwerkstattrat der Caritas Werkstätten, der die Interessen der 490 Beschäftigen an den fünf Standorten vertritt. In Beisein von Gesamtwerkstättenleiter Bernd Wystrach und Ansgar Erb vom Caritas-Vorstand empfing der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Heiko Wingenfeld die Delegation von etwa 15 Personen zu einem ausgiebigen Gespräch. Nachdem Dr. Wingenfeld den Werkstatträten mittels einer Präsentation das Gefüge des Landkreises sowie die Struktur der Verwaltung und seine eigene Funktion als Erster Kreisbeigeordneter dargelegt hatte, stellte ihm der Vorsitzende des Werkstattrates Matthias Boecken im Gegenzug den Werkstattrat mit seinen Mitgliedern vor und erläuterte die Funktion des Gremiums als Mitentscheidungsinstrument und Sprachrohr der behinderten Werkstattmitarbeiter gegenüber der Einrichtungsleitung.
Hauptthema der insgesamt fast zweistündigen Gesprächsrunde war der Inklusionsgedanke, der – verankert in der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderungen – gesamtgesellschaftlich auch in Deutschland verbindlich umgesetzt werden soll. Kreisbeigeordneter Wingenfeld verdeutlichte, dass im Landkreis auf vielen Ebenen dieses Anliegen nicht nur sehr ernst genommen wird, sondern dass man nach seiner Einschätzung auch bereits viele Schritte eingeleitet habe, um dem hohen Anspruch der Konvention gerecht zu werden.
So sei in den vergangenen Jahren durch Baumaßnahmen vieles getan worden, die Gebäude barrierefrei umzugestalten. Auf dem Gebiet der Bildung sei man intensiv dabei, Möglichkeiten und Angebote zu schaffen, damit Menschen mit Behinderung oder Einschränkungen sowie ihre Familien Wahlmöglichkeiten haben, denn – so Wingenfeld – Inklusion beinhalte auch die Freiheit, sich etwa bei der Schulbildung individuell für eine Variante – z. B. Förderschule oder Assistenz – zu entscheiden und nicht ohne Alternative das vermeintliche Nonplusultra vorgegeben zu bekommen.
Einig war man sich darin, dass Inklusion sich vor allem im Kopf aller Menschen abspielen müsse. Viele Dinge seien bereits auf den richtigen Weg gebracht, doch entscheidend für den Erfolg sei letztendlich, dass nicht behinderte Menschen das Zusammenleben mit Personen mit Handicap als völlig normal erachteten. So wünschten sich die Mitglieder des Werkstattrates den Respekt und auch die angemessene Anerkennung der Leistungen der Werkstätten als wirkliche Partner der Betriebe und Wirtschaftsunternehmen.
Mit einem Rundgang durch das Landratsamtsgebäude, bei dem es gleich noch Verbesserungsvorschläge im Sinne der Inklusion seitens der Caritas-Delegation für den Ersten Kreisbeigeordneten gab – „Die Beschilderung der Behindertentoilette muss unbedingt auffälliger sein, damit auch externe Besucher den Weg ohne Nachfragen finden können!“ – sowie einem gemeinsamen Mittagessen in der hauseigenen Kantine wurde der Besuch des Werkstattrates im Landratsamt abgeschlossen.
