Rhön. Die erste Tagung der Regionalen Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Rhön unter dem Vorsitz des Landkreises Rhön-Grabfeld widmete sich verschiedensten Länder übergreifenden Projekten. Zum 1. Januar waren Vorstand und Geschäftsführung nach dem regulären zweijährigen Turnus vom Landkreis Fulda an den bayerischen Rhön-Landkreis übergeben worden. In den Jahren von 2011 bis 2016 soll es ein Länder übergreifendes Projekt zum Schutz des Rotmilans geben. Der Vorstand der ARGE Rhön stimmte den bisherigen Entwürfen und Konzepten zu, die Martin Kremer, stellvertretender Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, dem Gremium vorstellte.
Das Schutzprojekt soll die Gebietskulisse der fünf Rhönlandkreise Bad Kissingen, Fulda, Rhön-Grabfeld, Schmalkalden-Meiningen und Wartburgkreis umfassen. „Projektziele sind die Sicherung, Stabilisierung und Ausweitung der Rotmilanbestände sowie die Sensibilisierung der Politik und der Öffentlichkeit für die Artenvielfalt im Biosphärenreservat Rhön“, fasste es der Vorsitzende der ARGE Rhön und Landrat des Landkreises Rhön-Grabfeld, Thomas Habermann, zusammen.
Insgesamt habe der Projektentwurf ein Finanzvolumen von rund 300 000 Euro. Wenn der Antrag genehmigt wird, trage das Bundesamt für Naturschutz den Hauptteil der Kosten. Die entsprechende Ko-Finanzierung würden die drei Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats Rhön übernehmen. Falle die Fördersumme höher aus, könnte sich auch die ARGE Rhön an einer Finanzierung beteiligen, erläuterte der Geschäftsführer der Regionalen Arbeitsgemeinschaft Rhön, Manfred Endres.
„Bei diesem Projekt geht es um die Stärkung des Bewusstseins für diese Leit-und Charakterart der Rhön. Wir müssen die Überlebensbedingungen für den Rotmilan verbessern und konkrete Schutzmaßnahmen treffen“, erklärte Habermann. Der Rotmilan sei der größte Taggreifvogel im Biosphärenreservat Rhön. In den Grünlandbereichen der Region finde er ideale Bedingungen vor.
„Er ist ein absoluter Sympathieträger der Rhön, denn alle hier kennen ihn – vom Kind bis zum Rentner“, sagte Habermann. Es sei daher Anliegen der ARGE Rhön, den naturschutzfachlich sehr hohen Stand der Region durch ganz gezielte Projekte weiter zu entwickeln. Dieser Aufgabe werde sich die ARGE Rhön in Zukunft verstärkt stellen, denn die Kulturlandschaft Rhön sei das Aushängeschild für die gesamte Region. Letztlich sei es wichtig, den derzeitigen Stand der Bewirtschaftung durch Land- und Forstwirtschaft zu erhalten. „Das kommt auch dem Rotmilan in entscheidender Weise zugute“, ist sich Habermann sicher.
Konkret wird es beim Rotmilan-Projekt um Fachvorträge, den Horstbaumschutz und den Aufbau eines ehrenamtlichen Arbeitskreises Rotmilan gehen. Informationen, Öffentlichkeitsarbeit und Ausstellungen sind ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Hinzu sollen ein jährliches Rotmilanfest, die Kommunikation auf nationaler Ebene sowie die Kartierung bestehender Rotmilanbrutplätze kommen.
Wichtig: Einheitlicher Standard
Der Koordinator für das Projekt der ARGE Rhön „Die Rhön – Wanderwelt Nummer 1“, Thomas Lemke, stellte dem Gremium ferner ein Projekt vor, bei dem es um die Erarbeitung von einheitlichen Standards für die Winterwanderwege in der Region geht. Ziel sei es, in der Saison 2011/2012 nur noch Winterwanderwege auszuweisen, die nach einheitlichen Kriterien zertifiziert und mit einer einheitlichen Beschilderung versehen sind. „Nur solche Wege sollen in Zukunft auch in den offiziellen Karten auftauchen“, unterstrich Thomas Habermann. Derzeit gebe es 14 Winterwanderwege in der bayerischen Rhön mit einer Länge von 45 Kilometern, 13 in Hessen mit einer Länge von 99 Kilometern und einen Winterwanderweg in Thüringen mit einer Länge von drei Kilometern. „Uns ist es wichtig, bei diesem Projekt den Rhönklub mit einzubinden“, sagte der Vorsitzende der ARGE Rhön.
Qualitätssiegel für den Rhönradweg
Für den Rhönradweg, der von Bad Salzungen aus bis nach Hammelburg führt, soll in Zukunft das Qualitätssiegel des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) beantragt werden. Das habe der Arbeitskreis Touristische Infrastruktur innerhalb der ARGE Rhön bei seiner letzten Sitzung vorgeschlagen. „Eine solche Zertifizierung wird immer wichtiger. Viele Urlauber achten ganz gezielt darauf, auf welchen Wegen sie sich bewegen und ob diese eine besondere Qualität aufweisen“, hob Habermann hervor.
Neue Schutzhütten für den HOCHRHÖNER
Der Rhöner Premiumwanderweg „HOCHRHÖNER“ soll insgesamt zwölf neue Schutzhütten erhalten. Darüber informierte der Geschäftsführer der ARGE Rhön, Manfred Endres. Zurzeit gibt es seitens dreier Berufsschulen aus der Region Vorschläge für Prototypen. „Aus diesen Vorschlägen wird eine Jury die beste Schutzhütte auswählen, und die Gewinnerhütte wird in Serie gehen“, sagte Endres. Ziel sei es, mit den neuen standardisierten Schutzhütten zum einheitlichen Erscheinungsbild des HOCHRHÖNER beizutragen.
„Unbürokratische Zusammenarbeit“
Landrat Thomas Habermann nutzte die erste Vorstandssitzung unter der Führung des Rhön-Grabfeld-Kreises auch dazu, seinem Vorgänger Bernd Woide aus Fulda zu danken. „Er hat in den letzten zwei Jahren in keiner Weise nur die hessische Brille aufgehabt, sondern hat sich immer für die Gesamtrhön eingesetzt. Das hat er sehr persönlich und sehr engagiert getan“, meinte Habermann. Woide habe in erster Linie das Projekt der Dachmarke Rhön vorangetrieben und diese in eine feste Struktur in Form von Länder übergreifendem Verein und einer GmbH überführt.
„Die ARGE Rhön ist eine sehr gute Plattform, wenn es um die Länder übergreifende Zusammenarbeit im Tourismus oder innerhalb des Biosphärenreservats Rhön geht. Die ARGE Rhön kann zwischen den einzelnen Partnern vermitteln und arbeitet viel unbürokratischer, als das die drei Länder untereinander tun“, sagte Habermann. Ausdrücklich bedankte sich der neue Vorsitzende der ARGE Rhön auch beim bisherigen Fuldaer Geschäftsführer Michael Holla, der inzwischen seinen Ruhestand angetreten hat.