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Begegnungen in Guatemala – KAB’ler im Gespräch mit Bischof Alvaro Ramazzini

080316_ramazzini.jpgFulda/San Marcos. In der Zeit vom 17. Februar bis 1. März hielt sich eine Delegation der KAB und anderer Organisationen in dem mittelamerikanischen Land Guatemala auf. Unter ihnen KAB Diözesanpräses Pfarrer Christian Sack und KAB Diözesansekretär Michael Schmitt. Ziele der Reise waren der persönliche Kontakt zwischen Mitgliedern der KAB Deutschlands und Mitgliedern der MTC San Marcos (Movimiento Trabajadores Campesinos/as de San Marcos) wie auch der Besuch zahlreicher Projekte die von der KAB und anderen Institutionen unterstützt werden.

Wichtig war auch der Kontakt zu Bischof Alvaro Ramazzini mit dem die beiden Fuldaer KAB´ler mehrere intensive Gespräche führen konnten, bevor er – noch vor der deutschen Delegation – nach Deutschland flog, um in München die Misereor-Kampagne „Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen“ für den Süddeutschen Bereich mit zu eröffnen.

Ein Auszug aus dem Gespräch, das KAB Diözesanpräses Pfarrer Christian Sack (Bad Hersfeld) und KAB Diözesansekretär Michael Schmitt (Fulda) mit Bischof Alvaro Ramazzini in San Marcos, Guatemala, führten.

Wie sehen Sie die Möglichkeit für eine soziale und persönliche Entwicklung der ursprünglichen Bevölkerung in Guatemala, besonders in Ihrer Diözese San Marcos?

Ramazzini: “Es gibt solche Möglichkeiten, aber unter der Voraussetzung, dass der Staat wirklich einen regionalen Entwicklungsplan anstoßen würde. In San Marcos liegen einige der ärmsten Gemeinden von Guatemala. Es sind rückständige und vergessenen Gebiete. Viele Male hat die Kirche, hat die Diözese darauf insistiert, dass es unumgänglich ist, ein neues Gesetz zur Landentwicklung voranzubringen. Bis jetzt hat sich so gut wie nichts bewegt. Der Staat muss in großem Maß in Bildung, Gesundheit und Schaffung von Arbeitsplätzen investieren. Die Mehrheit unsere Bevölkerung ist jung. Das ist ein positiver Faktor, aber er stellt auch eine immense Herausforderung dar. Strukturelle Veränderungen auf dem Land könnten eine reale Entwicklung für die indigenen Völker bringen.”

Wie können Sie Ihren Einfluss für ein besseres Leben der Menschen in Guatemala geltend machen?

Ramazzini: “Wenn ich einen Einfluss habe, dann will ich ihn nutzen, um ständig die Situation der Ungerechtigkeit und der Armut anzuklagen, in der unsere Landsleute leben. Im Moment liegt in meiner Verantwortung die Neubelebung der bischöflichen Kommission für menschliche Mobilität, Sozialpastoral und die nationale Caritas, und ich bin verantwortlich für die Landpastoral in unserer Kirchenprovinz. Ich werde versuchen, diese Verantwortlichkeiten auf die Weise zu gebrauchen, dass die Stimme der Ärmsten gehört werden und in die Foren einfließen kann, in denen die Probleme von Entwicklung und sozialer Gerechtigkeit diskutiert werden.”

Was wünschen Sie sich von den Mitgliedern der KAB im Bistum Fulda bzw. von den Christen in unserem Bistum für die Menschen in Ihrem Land Guatemala?

Ramazzini: “Ich wünsche mir ein stärkeres Band der Kommunikation und der Gemeinschaft im Glauben und im Gebet, aber ebenso Aufmerksamkeit für unsere großen sozialen und ökonomischen Probleme. Diese Aufmerksamkeit kann man durch einen ständigen Austausch, zum Beispiel mit den Mitgliedern der KAB, haben, oder durch die Nachrichten, die wir ihnen zukommen lassen können. Eine wichtige Sache ist, dass wir nicht vergessen sind. Viele Menschen könnten nämlich glauben, dass nach der Unterzeichnung der Friedensverträge und mit der neuen Regierung alles in Guatemala in Ordnung sei, was aber so nicht ist. Diese Beziehung kann sich ergeben in Folge irgendeines Projektes zur materiellen Hilfe.”

Bischof Alvaro Ramazzini

Seit 1989 leitet Bischof Alvaro Ramazzini (60) die Diözese San Marcos im guatemaltekischen Hochland an der Grenze zum mexikanischen Bundesstaat Chiapas. Sein unerschrockener Einsatz für die Menschenrechte, vor allem der bäuerlichen und indianischen Bevölkerung, haben ihm nicht nur internationales Ansehen eingebracht, sondern in der Vergangenheit auch Todesdrohungen. Ein neues „Bedrohungspotential“ hat sich in den letzten Monaten nicht mehr ergeben zumal er auch nicht mehr als Vorsitzender der guatemaltekischen Bischofskonferenz wiedergewählt wurde und er nunmehr von sich aus auf seine „Leibwächter“ verzichtet. „Ich fühle mich jetzt freier, einerseits ohne die ständige Anwesenheit von Leibwächtern und andererseits ohne die Bürde des Vorsitzes der Bischofskonferenz. Ich muss nun die Lage hier nicht mehr so diplomatisch schildern und kann die Problemlagen freier benennen“ so Ramazzini

Foto: KAB – v.l.: KAB Diözesanpräses Pfr. Christian Sack, Bischof Alvaro Ramazzini, KAB Diözesansekretär Michael Schmitt

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