Wiesbaden. „Auch in Hessen stehen wir im Bereich der Pflege in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen“, erklärte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner in Wiesbaden. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Hessen sei innerhalb von zwei Jahren um rund 11.000 Personen und damit um 6,2 Prozent gestiegen. „Wurden 2007 noch 175.836 Pflegebedürftige gezählt, so hat sich die Zahl laut der aktuellen Pflegestatistik auf 186.893 zum Stichtag 15. Dezember 2009 erhöht.“ Die Landesregierung habe diese Problematik insbesondere durch die bundesweit einzigartige Dokumentation des Hessischen Pflegemonitors schon lange erkannt und arbeite an einem Maßnahmenbündel, das verschiedene Ebenen berücksichtige. „Um hier etwas zu erreichen, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen aller Akteure sowohl auf kommunaler, auf Landes- als auch auf Bundesebene“, betonte Grüttner.
Im Bereich der Ausbildung habe sich das Land beim Bund stark gemacht. „Die Mehrbedarfe an Fachkräften in der Alten- und Krankenpflege werden wir über die Erstausbildung nicht decken können. Die Pflege wird verstärkt auf Umschüler angewiesen sein“, so Grüttner. Durch die Förderung der Bundesregierung im Rahmen des im Konjunkturpaket II erlassenen „Gesetzes zur Sicherung von Beschäftigung und Stabilität“ habe man in Hessen die Zahl der Umschüler stark erhöhen können, von 326 im Jahr 2009 auf 616 im Jahr 2010. 90 Prozent der Umschüler gehen nach Abschluss der Ausbildung auch in den jeweiligen Pflegeberuf. Die Bundesförderung über Bildungsgutscheine läuft am 31. Dezember jedoch aus.
„Wir haben uns auf Bundesebene dafür eingesetzt, die Förderfähigkeit von Bildungsgutscheinen in der Altenpflege im dritten Umschulungsjahr weiter zu erhalten. Trotz einstimmigen Votums der Länder ist die Bundesregierung diesem Wunsch bislang nicht nachgekommen. Damit jedoch die rechtlichen Voraussetzungen bestehen, dass Bildungsgutscheine ausgegeben werden dürfen, stellt das Land Hessen für alle ab dem 1. Januar 2011 beginnenden Umschüler die Finanzierung des dritten Ausbildungsjahr sicher, indem das Schulgeld für diese Schüler übernommen wird“, erklärte der Sozialminister. So garantiere das Land auch weiterhin die Finanzierung der Schulkosten für diese Auszubildenden. Grüttner: „Wir drängen aber weiter auf ein positives Signal des Bundes.“
Die Anzahl landesfinanzierter Schulplätze ist in den letzten Jahren kontinuierlich auf aktuell 3.498 Auszubildende und 817 Umschüler erhöht worden. Das Land fördert zudem Modellprojekte im Rahmen seiner arbeitsmarktpolitischen Programme, um auch Langzeitarbeitslosen und insbesondere Migrantinnen und Migranten jeden Alters Optionen im Beschäftigungsbereich der Pflege über eine Ausbildung in der Altenpflege zu eröffnen.
An die Bundesregierung gerichtet regte Sozialminister Grüttner an, die auf der Grundlage der sozialen Pflegeversicherung geforderte Dokumentation, welche die Pflegekräfte in allen Pflegebereichen von ambulant bis vollstationär verfassen müssen, auf das Wesentliche zu reduzieren. „Damit hätten die Pflegekräfte mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe. Dokumentation in wesentlichen Bereichen, die die Gesundheit der einzelnen pflegebedürftigen Person betreffen, ist sinnvoll. Alles andere, was darüber hinausgeht und Selbstverständlichkeiten wie Nahrungs- oder Trinkzufuhr niederlegt, ist zu viel. Dieses Übermaß an Bürokratie sollte reduziert werden.“ Allein über die Nachfolgegesetze des Heimgesetzes sei dies nicht zu leisten, da der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Leistungserbringung von Pflege auf Grundlage des Bundesgesetzes prüfe.
Dem Fachkraftbedarf könne jedoch nur mit einem Maßnahmenbündel begegnet werden, das auf allen Ebenen und durch alle Akteure umzusetzen ist. „Dazu gehört unter anderem, ältere Pflegekräfte länger im Beruf zu halten sowie Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Ausbildung und des Berufsbildes und die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Dazu gehört aber auch, dass mittelfristig die Kosten für die Ausbildung, also Ausbildungsvergütung und Schulgeld, durch die gesamte Beitragsgemeinschaft der Pflegeversicherung mitfinanziert werden. So würden alle Beitragszahler die Kostenbelastung zusammen schultern“, sagte Grüttner abschließend. Er werde sich dafür einsetzen, dass die Pflege ein zentrales Thema der Gesundheitsministerkonferenz werde, deren Vorsitz Hessen 2011 inne hat, kündigte der Minister an.