Fulda. TAFF ist die Abkürzung für Training, Anleitung und Förderung von und für Familien und sie bedeutet konkrete Hilfe für die Bewältigung schwieriger Alltagssituationen in der Familie. Das durch das Programm „Stärken vor Ort“ des Bundesfamilienministeriums finanzierte und durch der Arbeiterwohlfahrt in Fulda durchgeführte Angebot beinhaltet 10 Trainingseinheiten à 2,5 Stunden in der Woche und richtet sich ausschließlich an Mütter. Sie besprechen innerhalb der 10 Kurstage verschiedene Themen, die von Ernährung über Fernsehkonsum über Regeln und Grenzen bis hin zum Umgang mit Aggression und Wut reichen. Ein roter Faden ist bei allen Treffen erkennbar: Es wird von der Grundannahme ausgegangen, dass die Eltern ihre Kinder lieben und Spezialisten für ihre Entwicklung sind. Sie lernen gemeinsam und auf gleicher Augenhöhe mit ihren Trainerinnen.
Anhand von Beispielsituationen, die z.B. in Bildern dargestellt und in kleinen Rollenspielen nachvollzogen werden, machen sich die Frauen in einem ersten Schritt bewusst, wie sie in Konfliktsituationen reagieren und welche ihrer Verhaltensmuster immer wieder dazu führen, dass Probleme in der Familie auftreten, Grenzen überschritten oder Regeln nicht eingehalten werden. Nachdem sie das erkannt haben, werden mit den Frauen in einem zweiten Schritt positive Alternativen herausgearbeitet und eingeübt. Am Ende können sie ein Zertifikat über ihre erfolgreiche Teilnahme und eine Arbeitsmappe mit vielen praktischen Tipps mit nach Hause nehmen.
Wichtiger noch als die neuen Erkenntnisse ist den Frauen aber meist die Erfahrung, dass es anderen Frauen ähnlich geht und dass ihre Probleme vergleichbar sind. So verlieren sie das Gefühl, allein mit ihren Schwierigkeiten und ihnen damit ohnmächtig ausgeliefert zu sein. Sie beginnen sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen. Im gleichen Maße gewinnen sie an Selbstbewusstsein, was sich schließlich positiv auf ihre Lebenssituation und ihre Familien auswirkt. Das bestätigen auch die Teilnehmerinnen am aktuellen TAFF-Kurs in der Fuldaer Moschee. Nachdem der Kurs seit seinem Start Anfang 2010 bereits zweimal erfolgreich im Bürgerzentrum Aschenberg angeboten wurde, folgten zwei weitere Kurse, die sich speziell an türkische Migrantinnen wenden, und daher auch genau dort angeboten werden, wo die Frauen anzutreffen sind, wo sie sich auskennen und sich wohl fühlen: im Kindergarten „Die Hobbits“ und nun aktuell in der Fuldaer Moschee.
Im 3. Stock des Gebetshauses, der Frauen vorbehalten ist, treffen sich die acht Teilnehmerinnen seit nunmehr zwei Monaten wöchentlich mit ihren Kursleiterinnen, Olga Lichtermann und Tatjana Hirsch. Als Co-Trainerinnen sind Sevim Dahan und Meral Nurdogan ausgebildet worden. Die beiden Türkinnen haben außerdem im Bürgerzentrum Aschenberg eine Fortbildung zu Stadtteilmüttern durchlaufen und sind seitdem aktiv in der Innenstadt und dem Wohnviertel am Gallasiniring. Doch nicht nur ihre Brückenfunktion als bekannte Ansprechpartnerinnen der Frauen ist von Vorteil, sie müssen oft genug während des Kurses praktische Hilfe leisten, indem sie übersetzen. Denn etliche der Frauen, die zur Teilname an dem TAFF-Projekt gewonnen werden konnten, sprechen nur gebrochen oder gar kein Deutsch.
Wer nun denkt, dass ihnen das gleichgültig wäre oder sie damit zufrieden wären, der irrt. Alle Frauen des Projektes empfinden die Sprachbarriere als größtes Hindernis und schwerwiegenden Nachteil der Emigration. Gern würden sie alle gut Deutsch sprechen, doch ist dieses Ziel nicht so leicht zu realisieren angesichts der relativen Zurückgezogenheit ihres Lebens und der Tatsache, dass zu Hause überwiegend türkisch gesprochen und türkisches Fernsehen geschaut wird. Dazu kommt die für sie kaum nachvollziehbare, komplizierte deutsche Grammatik.
So ist der TAFF-Kurs ein willkommener Anlass für die Frauen, nicht nur ihre Erziehungsfragen zu besprechen, sondern gleichzeitig auch ihr Deutsch im vertrauten Kreis zu verbessern. Die praktische Konversation über Kinder, Haushalt und Familie fällt ihnen weit aus leichter, als das trockene Pauken in konventionellen Sprachkursen. Dazu kommt die Tatsache, dass die beiden Kursleiterinnen selbst keine Deutschen sind, sondern als russische Einwanderer genau wissen, mit welchen Problemen die Migrantinnen in Deutschland kämpfen müssen. Gleichzeitig sind sie ein gutes Beispiel dafür, dass und wie man Integration schaffen kann.
Ein positiver Effekt des Kurses ist, neben der Verbesserung der Sozialkompetenz, die gestiegene Motivation Deutsch zu lernen. Auch das ist eine Grundstimmung bei allen Teilnehmerinnen. Meral Nurdogan fasst das so zusammen: „Für unsere Eltern-Generation wurden die Kinder von alleine groß. Es war klar, dass sie irgendwann arbeiten gehen. Heute ist das nicht mehr so. Heute wollen die Eltern, dass die Kinder gut in der Schule sind, damit sie einmal Aussichten auf einen besseren Job haben. Also müssen sie selber auch Deutsch können und die verschiedenen Schwierigkeiten bewältigen.“ Für die Teilnehmerinnen, aber auch für die AWO Geschäftsführerin Edith Becker ist der TAFF Kurs eine effektive Hilfe, dieses Ziel zu erreichen. Sowohl die Teilnehmerinnen, als auch die Organisatoren und Leiter würden es daher begrüßen, wenn das TAFF-Elterntraining auch im nächsten Jahr fortgeführt werden könnte.
„STÄRKEN vor Ort“ wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), dem Europäischen Sozialfonds und der Europäischen Union gefördert. Koordinierungsstelle ist das Amt für Jugend und Familie der Stadt Fulda. Nähere Infos zu den TAFF-Kursen gibt es telefonisch bei Adriana Oliveira unter Tel. 0661/24 29 793 oder 0661/24 28 70 59 im Bürgerzentrum Aschenberg.
Kontakt:
Name: Adriana Oliveira
Organisation: Bürgerzentrum Aschenberg
Anschrift: Aschenbergplatz 16-18
eMail: adriana.oliveira@awo-fulda.de