Fulda. Für diesen Abend konnte Herr Heiko Kauffmann Mitglied des Vorstands und Mitbegründer der Bundesarbeitsgemeinschaft PRO ASYL gewonnen werden, um speziell auf die Umsetzung der Rechte von Flüchtlingskindern einzugehen. „Das Jahrhundert des Kindes“ hätte es laut der schwedischen Reformpädagogin Ellen Key (1849-1926) werden sollen – es wurde jedoch „das Jahrhundert der Flüchtlinge“. In keinem anderen Jahrhundert -so Herr Kauffmann, gab es mehr Vertreibungen und weltweite Kriege als im 20. Jahrhundert. Die Leidtragenden sind dabei vor allem die Kinder. Selbst den Kindern, denen es gelingt zu fliehen und in vermeintlich sicheren Ländern Schutz zu suchen ist ein Ende des Leidens nicht gegönnt.
Auch Deutschland traumatisiert diese Kinder weiter durch seine restriktive Asylpraxis bei der „Aufnahme“, bei der Unterbringung und Ghettoisierung in Asylbewerberheimen und vor allem durch die ständige Angst vor Abschiebung. Hier ist in Teilen der Politik und der Gesellschaft ein großer Unverstand zu erkennen. der sich u.a. in der Äußerung eines konservativen Politikers ausdrückt: „Angst ist nicht Asylrelevant!“ Die Auswirkung eines solchen Umgangs sind verherrend und haben sich laut Herr Kauffmann in den letzten 20 Jahren trotz angekündigter und auch von Deutschland unterzeichneter Milleniumsziele und der Ratifizierung der UN Kinderrechtskonvention nicht verbessert. Vor kurzem wurde zwar die viel diskutierte Vorbehaltserklärung zur Konvention in diesem Land zurückgenommen – die Praxis selbst jedoch nicht geändert.
Wie perfide der Umgang mit dem Thema ist zeigt auch der Verweis auf die Notwendigkeit zum nationalen Bürokratieabbau – so dass aufgrund dessen Gesetze zum Schutz des Kindes wegdiskutiert werden sollen. Die Diskrepanz zwischen dem was gesagt wird und dem was getan wird ist dabei das ernüchternde so der Referent weiter – denn Ratifizierung bedeutet doch auch Verpflichtung. Dem Hohn zu sprechen scheint auch eine internationale Organisation wie „Frontex“ (Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen), deren Praktiken oft völlig konträr zu vereinbarten Menschenrechtsverträgen der Europäischen Staaten sind.
Gerade aber weil national und international noch immer so viel Unrecht geschieht ist ein Engagement des einzelnen unerlässlich -so Herr Kauffmann in seinem Appell an die ZuhörerInnen, die dann die anschließenden Diskussion nutzten um Fragen zu stellen und eigene Ansichten zum Thema einzubringen.