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Brennende Kerzen als Zeichen der Hoffnung

071210_kindergrabmal.jpgHanau. Viele eifrige Hände halten dem Wind am zweiten Adventssonntag stand. Das ist mühevoll, aber es gelingt. Zum Welttag der verstorbenen Kinder versammeln sich Menschen am Kindergrabmal Hanau, um Kerzen anzuzünden. „Wir suchen Menschen mit ähnlichem Schicksal“ sagt eine betroffene Mutter.

Der Vater, vom Naturell her ein zupackender, eher wortkarger Mann, schweigt, und sein Schweigen ist uneingeschränkte Zustimmung. Eine Familie kommt mit zwei Kinderwagen – sowohl die trauernde Mutter als auch ihre Schwester haben wieder Nachwuchs. Und doch führt die Trauer die Mutter noch Tag für Tag zum Grab des verstorbenen Kindes. Oma, Tante und Schwägerin stehen jetzt an diesem Grab, der Opa kommt nach, sobald er Dienstschluss hat.

Eine Mutter ist mit ihrem Kind gekommen. Behutsam erklärt sie ihm, dass alle Kinder hier dasselbe Schicksal haben – sie sind jetzt im Himmel, so wie das Geschwisterchen. Es liegt an einem anderen Ort begraben, doch hier, am Kindergrabmal Hanau, findet die Mutter einen Ort, um ihre Trauer zum Ausdruck zu bringen. Denn hier können Gedenkschilder angebracht werden für Kinder, deren Grab nicht hier ist, deren Grab nicht mehr existiert – oder vielleicht nie existiert hat.

Eine andere Mutter trauert nicht aus persönlicher Betroffenheit –  Solidarität hat sie am Welttag der verstorbenen Kinder zum Kindergrabmal Hanau geführt: „Ich muss dieses Leid nicht teilen. Ich habe fünf gesunde Kinder, und dafür bin ich sehr dankbar“. Mit diesen Worten packt sie drei Kerzen aus und zündet sie an: Die verstorbenen Kinder sind nicht vergessen.

„Ich finde gut, was hier geschieht.“ Mit diesen Worten begrüßt Privatdozent Dr. med. Thomas Müller die Aktion. Der Chefarzt der Gynäkologie und des Mütter – Kind Zentrums am Klinikum Hanau ist selbst zur Aktion gekommen. Im Kindergrabmal sieht er eine sehr gute und wirksame Möglichkeit, Trauerarbeit zu unterstützen.

Der Trauer einen Ort geben und so zu ihrer Verarbeitung beitragen: Mit diesem Ziel ist das Kindergrabmal Hanau 2000 ins Leben gerufen worden. Zum Welttag der verstorbenen Kinder ist natürlich auch Pfarrer Werner Gutheil hierher gekommen: Der Initiator des Kindergrabmals hat auch die Aktion zum zweiten Adventssonntag nach Hanau in die Öffentlichkeit bringen wollen.

„Es geht darum, Menschen nicht am Grab stehen zu lassen“, sagt Pfarrer Gutheil und erinnert an die Kerze als Symbol der Hoffnung und der Auferstehung. Er spricht mit allen, die gekommen sind, er weist einige auf die Bedeutung der Gedenksteine hin. Sein Anliegen ist gleichermaßen Berufung und Beruf – seit kurzem ist er auch von der Diözese Fulda offiziell Beauftragter für Trauerbegleitung geworden.

Auch in den Fenstern sollen am zweiten Adventssonntag viele Kerzen angezündet stehen, wünscht sich Pfarrer Gutheil. Die Menschen am Kindergrabmal teilen seine Hoffnung. Die Familie, die ihren mit zwei Jahren verstorbenen Jungen täglich am Grab besucht, wird in den nächsten Tagen nach den Kerzen sehen und – wie die aus Solidarität gekommene Mutter von fünf Kindern auch – die im Wind ausgegangenen Kerzen neu entzünden. (Roland Bernd)

Eine Selbsthilfegruppe kann bei der Bewältigung von Trauerarbeit wesentliche Hilfe leisten. Wer an der Gründung einer Selbsthilfegruppe zum „Tod am Anfang des Lebens“ unter Leitung von Monika Wiedemann Interesse hat, ist herzlich eingeladen, sich bei Pfarrer Werner Gutheil zu melden, der auch gerne weitere Informationen zu Angeboten für Trauernde gibt. Katholische Klinikseelsorge am Klinikum Hanau, Telefon: (0 61 81) 296-4580, E-Mail: wgutheil@t-online.de
 

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