Wiesbaden / Hofbieber. „Die keltische Kultur, die sich vor 2500 Jahren über weite Teile Süd- und Westeuropas erstreckte, erscheint wegen ihrer Schriftlosigkeit bis heute rätselhaft. Die Archäologie hilft, die Geheimnisse dieser Kultur zu lüften und leistet so einen Beitrag, die Wurzeln unserer heutigen Kultur zu erklären.“ Das hat Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann bei einem Besuch der wichtigsten keltischen Ringwallanlage in der Rhön hervorgehoben. Bei ihrer Sommerreise besichtigte sie die Reste der keltischen Siedlung auf der Milseburg und Grabungsfunde. Mit der Archäologie seien längst auch Aspekte der Struktur- und Wirtschaftspolitik verbunden, fügte sie hinzu: „Gemeinden und Kreise bedienen sich ihrer bei der Ausrichtung kultureller und touristischer Aktivitäten.“
Der Fuldaer Frühgeschichtsforscher Joseph Vonderau (1863-1951) hatte schon zwischen 1900 und 1906 Siedlungsspuren nachgewiesen. Neben Lanzen- und Pfeilspitzen und anderen Gegenständen aus Eisen entdeckte er zahllose Keramikbruchstücke – Hinweise auf eine lang dauernde Besiedlung des Bergs Milseburg, auf dem auch ein 1.300 Meter langer Steinwall, drei Tore und mehrere kleine Wälle gefunden wurden. Bei Grabungen 2003 und 2004 ergab ein Schnitt durch den äußeren Wall die beeindruckende Mauerbreite von knapp vier Metern. Nach heutigem Kenntnisstand reicht die Besiedlung der Milseburg von der so genannten Urnenfelderzeit bis in die Spätlatènezeit (13. bis 1. Jh. v. Chr.). Ein archäologischer, mit Informationstafeln versehener Wanderweg erschließt das einzigartige Bodendenkmal; eine moderne Installation visualisiert die Monumentalität der Ringmauer.
Neben der Milseburg gibt es in Hessen weitere imposante Geländedenkmäler keltischer Kultur, etwa die Wallanlagen am Altkönig und das Heidetränk-Oppidum im Taunus oder den Dünsberg bei Gießen. Am bedeutendsten keltischen Fundort, dem Glauberg in der Wetterau, entsteht zurzeit die „Keltenwelt am Glauberg – Archäologischer Park, Museum, Forschungsinstitut“. Dort, wo die lebensgroße Statue des Keltenfürsten und seine sensationellen Grabbeigaben gefunden wurden, wird vom Frühjahr 2011 an die keltische Epoche in Hessen dokumentiert. „Mit dem Bau des Keltenmuseums kommt das Land der Verwirklichung des Konzepts eines auf mehrere Stationen in Hessen verteilten dezentralen archäologischen Landesmuseums einen großen Schritt näher“, sagte Kühne-Hörmann.

