Erfurt. „Schnuppern einmal anders“, das war das Motto der beiden Organisatoren des zweiten Schnuppertages beim Erfurter Wehrbereichsmusikkorps III. Hauptfeldwebel Bettina Gmeiner und Oberfeldwebel Tim Jürgen Köddritzsch, beide Militärmusiker im Wehrbereichsmusikkorps und verantwortlich für die Nachwuchsgewinnung, haben deshalb am 10. August 2010 in die Proberäume auf den Erfurter Steiger geladen. „Unser Ziel ist es, den interessierten Jugendlichen und natürlich auch Musikliebhabern einmal einen Einblick in unsere tägliche Musikarbeit zu geben. Das heißt, die Jugendlichen können bei einer Orchesterprobe dabei sein und die unterschiedlichsten Musikinstrumente einmal selbst spielen. Natürlich stehen wir auch allen Fragen offen gegenüber“, sagte Bettina Gmeiner. Im weiteren war von den beiden Nachwuchsfeldwebeln zu erfahren, dass die Gäste auch etwas über die Geschichte und Tradition der Militärmusik und über die Ausbildungs- und Karierremöglichkeiten bei der Bundeswehr erfahren werden.
Die Anreise aus Hofbieber
Kurz vor 10.00 Uhr hielt der Bus vor den Proberäumen des Musikkorps. 31 junge Musikerinnen und Musiker hatten gemeinsam mit ihren Betreuern die zweistündige Busfahrt überstanden. Beheimatet sind die Gäste in Schwarzbach und weiteren Ortsteilen der Gemeinde Hofbieber in der Rhön. Alle Jugendliche sind in einem der sieben Musikvereinen der Gemeinde Hofbieber organisiert. Neben der Jugendgruppe haben sich noch etwa 10 ältere Gäste und Musikliebhaber aus der Region Thüringens sowie eine kleine Gruppe von der Lebenshilfe Erfurt e.V. auf dem Erfurter Steiger eingefunden, um die Militärmusiker einmal bei einer Probe zu erleben.
Oberstleutnant d. R. Marcus Schafft hat gemeinsam mit Uwe Menzel, dem Leiter des Musikvereins „Original Schwarzbachtaler“, diese etwas andere musikalische Bildungsreise in die Landeshauptstadt Thüringens organisiert. „Die Schülerinnen und Schüler sind alle begeisterte Musiker und wollten einmal den Militärmusikern des Wehrbereichsmusikkorps III über die Schulter schauen“, sagte der Bürgermeister der Gemeinde Hofbieber, Marcus Schafft, der zur Zeit eine Wehrübung im Wehrbereichskommando III leistet.
„Es war einfach Klasse“
Pünktlich um 10.00 Uhr begann dann die außergewöhnliche „Musikparty“. Nach einer kurzen Begrüßungsrede durch den Leiter des Wehrbereichsmusikkorps III, Oberstleutnant Roland Kahle, begann die Orchesterprobe. Den Gästen wurden vorgeführt, wie einzelne Musikpassagen des Yorckschen Marsches mit den unterschiedlichen Musikinstrumenten immer wieder wiederholt werden, um das perfekte Klangbild zu bekommen.
Nach der Übungsstunde hatten die Jungmusiker die Chance einmal gemeinsam mit den Militärmusikern ein Musikstück zu spielen. Die Begeisterung stand anschließend den Jugendlichen noch ins Gesicht geschrieben. „Es war einfach Klasse. Die Proben waren wie in unserem Orchester, nur nicht so exakt“, sagten Laura Will und Andreas Krause vom Original Schwarzbachtaler-Orchester. Beide Schüler sind begeisterte Trompeter in ihrem Jugendorchester. Im Anschluss konnten die Gäste in den beiden kleinen Proberäumen noch Kostproben der Swingband, der Tanzcombo sowie im großen Proberaum der kleinen Egerländer-Besetzung hören. Dabei blieb bei keinem der Musiker ein Fuß ruhig auf dem Fußboden stehen, es wurde einfach mitgeswingt.
Lob für die Musiker
In einem ersten Gespräch hat sich der Leiter des Biebertaler – Orchesters, Christoph Müglich, gemeinsam mit Uwe Menzel lobend über diese Veranstaltung ausgesprochen. Ihre Einschätzungen war schlicht und einfach: „Diese Musik ist so, als wenn wir auf der Autobahn fahren und dann plötzlich in ein Feld abrutschen, aber das sind eben „Profis“. Wir können aber das Eine oder Andere für unsere zukünftigen Proben in unseren Orchestern mitnehmen“.
In einer lockeren Fragestunde gab Musikoffizier Thomas Schmidtpeter, nach dem Mittagessen den Besuchern einen Überblick über die Aufgaben und Struktur des Wehrbereichsmusikkorps III sowie die Voraussetzungen zur Einberufung als Militärmusiker.
Gemeinsames Marschieren
Im Anschluss gab es die „Marschausbildung“ der Musiker. Oberstleutnant Kahle lies die Soldaten in Richtung Parkplatz mit Musik in Marschformation aufmarschieren. Die Gäste beobachten dabei genau die Abläufe der Bewegungen der Soldaten. Nach einigen trockenen Marschübungen und mehrfachen Hinweisen zur Körperhaltung im „Stillgestanden“ bei den Soldatinnen und Soldaten wurden acht freiwillige Mitwirkende gesucht. Sie sollten einmal mit den Soldaten gemeinsam mitmarschieren, um zu sehen, was dabei alles zu beachten ist. Willy Martin (76) war einer der Ersten, der sich für diesen Spaß bereit erklärt hatte. Herr Martin, ein gedienter Reservist, wurde 1952 in die Henne-Kaserne einberufen und wechselte anschließend zur Erfurter Polizei, stand in der ersten Rotte bei den Militärmusikern. Er gab zwar sein Bestes, aber der „Chef“ des Musikkorps hatte auch bei ihm etwas zu bemängeln.
Stark vertreten waren die Besucher aus Hofbieber. Sie haben die anderen freien Plätze in der Marschordung eingenommen. Dann wurde es ernst, denn nach dem Befehl „im Gleichschritt – Marsch“, setzte sich die gemischte Formation in Bewegung. Mit einem Militärmarsch versuchte die gemischte Formation den Gleichschritt zu halten, was auch fast gelang. Die Auswertung durch den Chef des Musikkorps sagte jedoch etwas anderes. Nach einigen Hinweisen zur exakten Körperhaltung wurde diese Übung nochmals wiederholt und es klappte anschließend besser. Der Beifall der Zuschauer war für die Gastmarschierer der Lohn für ihren bewiesenen Mut.
Am Ende des Tages war es für alle Teilnehmer wie auch für die Militärmusiker eine gelungene Veranstaltung. Man ist sich näher gekommen mit der guten Absicht, die geknüpften Kontakte künftig zu vertiefen.
Bilder: Tino Arnold









