Eichenzell. Seinen 80. Geburtstag kann am 6. August Geistlicher Rat Pfarrer i. R. Oskar Seufert feiern. Der langjährige Pfarrer und Dechant von Johannesberg, der nicht nur bei seinen früheren Ministranten als engagierter Seelsorger, unermüdlicher Organisator und Frohnatur in bester Erinnerung geblieben ist, stammt aus Weyhers in der Rhön und lebt heute in Rothemann. Der Jubilar wuchs als jüngstes von sechs Geschwistern auf, von denen zwei im Kindesalter starben und zwei im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen; lediglich die Schwester überlebte noch. Als Spätberufener trat Seufert im Frühjahr 1956 ins Fuldaer Priesterseminar ein. Besonders gerne erinnert er sich an die vielen Theologentage – damals besuchten die Seminaristen die Gemeinden im Bistum – , insbesondere die „Bunten Abende“, bei denen er Heinz Erhardt imitierte. Nach Ende seiner philosophisch-theologischen Studien, die ihn auch nach München geführt hatten, wurde er am 14. April 1962 im Fuldaer Dom durch Bischof Adolf Bolte zum Priester geweiht. Die Primiz feierte er neun Tage später in seiner Heimatpfarrkirche St. Bonifatius – die erst im Juli 2005 mit der Primiz des heutigen Bischofssekretärs Dirk Gärtner wieder eine solche Feier erleben sollte.
Auf die Priesterweihe folgten fünf Kaplansjahre in Hattenhof mit den Filialen Kerzell und Rothemann, in denen Pfarrer Seufert heute noch als Ruheständler aushilft. Im April 1967 kam er als Kaplan nach St. Jakobus Hünfeld mit seiner Filiale Sargenzell. Am 1. März 1969 wurde der Jubilar Pfarrer der Pfarrei St. Johannes d. Täufer zu Johannesberg, wo er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im September 1997 über 28 Jahre als eifriger Seelsorger wirkte und als Religionslehrer in der Grundschule tätig war. Dabei kam ihm nicht zuletzt auch seine Erfahrung in der kirchlichen Jugend- und Verbandsarbeit zugute.
Als einer der ersten im Bistum gestaltete er seine Pfarrbriefe mit Hilfe des Offsetdrucks und sandte Sternsinger aus. Pfarrer Seufert entfaltete eine intensive Bautätigkeit, so in Pfarrheim und Pfarrhaus und dann in der Pfarrkirche selbst, die 1976/77 eine Fußbodenheizung erhielt. Da man auf Fundamente von Vorgängerkirchen und Gräber früherer Pröpste von Johannesberg stieß, fanden monatelang Grabungen statt. Der Chorraum bekamt einen neuen Zelebrationsaltar, erbaut aus den Fundamentbasen einer Vorgängerkirche. In den 80er Jahren folgte schließlich die Außenrenovierung der Pfarrkirche St. Johannes d. Täufer. 1995/96 schließlich konnte die unweit der Kirche befindliche alte Schule aus der Zeit um 1750 zu einem geräumigen Pfarrzentrum umgebaut werden, das den Namen „Johanneshaus“ trägt.
Im Dezember 1986 wurde Pfarrer Seufert in Anerkennung seiner Verdienste von Erzbischof Dr. Johannes Dyba zum Geistlichen Rat ernannt. Das Vertrauen seiner Mitbrüder berief ihn 1987 zum Dechanten des Dekanates Johannesberg, nachdem er bereits seit 1978 das Amt des stellvertretenden Dechanten wahrgenommen hatte. Zwei weitere Male ernannte ihn Erzbischof Dyba zum Dechanten von Johannesberg. Besonders gerne erinnert sich Pfarrer Seufert an ein „seelsorglich frohmachendes und unvergeßliches Ereignis“ im Herbst 1991: damals fand nämlich im gesamten Dekanat Johannesberg eine große Gemeindemission mit Oblaten- und Pallottinerpatres statt. In Johannesberg hatte diese Mission eine ungeheure Resonanz – über 900 Kassetten mit den aus Anlaß der Mission gehaltenen Predigten der Oblatenpatres Theo Gildehaus und Klaus Wand wurden von den Gläubigen bestellt.
Am 31. August 1997 wurde Pfarrer Seufert, der Erzbischof Dyba aus gesundheitlichen Gründen um Versetzung in den Ruhestand gebeten hatte, feierlich von seiner Pfarrei verabschiedet. Zugleich wurde sein Nachfolger Pfarrer Michael Oswald ins Amt eingeführt. Zusätzlich zu seiner Aushilfe in Rothemann und Umland hat der Jubilar über Jahre auch in Künzell bei Pfarrer Willi Schmitt gerne ausgeholfen. Auch vertrat er die Ruhestandsgeistlichen im Priesterrat der Diözese. Von Februar 1999 bis Juli 2010 war Pfarrer Seufert Geistlicher Beirat für den Kreuzbund e. V. der Diözese Fulda, eine Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und deren Angehörige. (bpf)