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Fledermäuse: Nachtaktive Untermieter im Dachgebälk – Untere Naturschutzbehörde: „Völlig harmlose Insektenfresser“

Fulda. Kleine schwarze Kotkrümelchen, ein schrilles Zirpen und Wispern im Dachgebälk oder ein dunkler Schatten in der Abenddämmerung – eindeutige Beweise für Fledermäuse als Untermieter. Vielen Hausbesitzern treiben sie zuerst tiefe Sorgenfalten auf die Stirn. Die Sorge ist allerdings völlig unbegründet, da die nächtlichen Insektenjäger keinerlei Schaden anrichten und auch bald wieder ausziehen. Wenn mit dem Hereinbrechen der Dämmerung für kurze Zeit ein Zirpen, Kratzen, Wispern und Zetern hinter Verschalungen oder unter dem Dach beginnt, dann sind das keine Ratten, Mäuse oder andere unliebsame Hausgenossen. Die Geräusche stammen vielmehr von Fledermäusen, die gerade aus ihrem Tagesschlaf erwachen, um auf Insektenjagd zu gehen.

„Fledermäuse sind possierliche, völlig harmlose Säugetiere und reine Insektenfresser“, so Jörg Burkard, bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Fulda zuständig für geschützte Tierarten. Zu Beginn der Ausflugszeit in der Abenddämmerung werden die eng beieinander lebenden Tiere unruhig, sie streben dem Ausflugsloch zu und „schimpfen“ mit schrillen Rufen. Diese Soziallaute sind, anders als die Ultraschall-Ortungsrufe während des Flugs, auch für Menschen hörbar.

Nur wenige der im Landkreis vorkommenden Fledermausarten suchen im Sommer die menschliche Nähe. Dachböden, Mauerlücken, Verschalungen oder Spalten bieten den Fledermäusen optimale Bedingungen für die Aufzucht des Nachwuchses im Sommerhalbjahr. Fledermäuse bringen ihre Jungen im Frühsommer zur Welt. Sie brauchen möglichst zugluftfreie, warme und störungsfreie Plätze. Einige Arten, wie das Große Mausohr, hängen frei an Dachbalken. Die im Landkreis Fulda häufige Zwergfledermaus oder die seltene Breitflügelfledermaus nutzen enge Spalten zwischen den Balken oder hinter der Fassadenbekleidung als Quartier.

Oft sind es sogenannte Wochenstuben der Weibchen, die dort getrennt von den Männchen gemeinschaftlich ihre Jungen aufziehen. Die Zahl der Tiere in den Wochenstuben ist unterschiedlich. Die Untere Naturschutzbehörde oder die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Fledermausschutz Fulda e.V. werden oft zu Hilfe gerufen, um besorgte Hausbewohner über die nützlichen Tiere zu informieren. 20 bis 100 Zwergfledermäuse in einer einzigen Wochenstube sind dabei keine Seltenheit.

Neben den leisen Geräuschen verraten sich die Fledermäuse häufig auch durch schwarze kleine Kotkrümelchen. Die sind trocken, krümelig und weisen Überbleibsel von Beuteinsekten auf. Diese Spuren von Fledermäusen können einfach weggefegt oder als hochwertiger Pflanzendünger im Garten genutzt werden. Schäden verursachen die nützlichen Insektenjäger nicht. Fledermäuse nagen nicht an Holz, zerbeißen keine Kabel und zerstören keine Isolierung.

Fledermäuse bewohnen Gebäude meist nur kurz. Wenn sie nicht schon vorher das Quartier wechseln, lösen sie Anfang August die Wochenstuben auf. Erst dann sind die Jungtiere nach anfänglichen Versuchen flugfähig. Sie werden nicht mehr gesäugt und jagen selbständig Insekten. Die nächsten Monate bis zum Winter verbringen die Tiere in wechselnden Quartieren. Dabei kommt es nicht selten vor, dass Zwergfledermäuse auch in offen stehende Fenster einfliegen. Das ist kein Grund zur Panik, da die Tiere spätestens am nächsten Abend alleine wieder heraus fliegen. Schwierig wird es lediglich bei gekippten Fenstern. Mit ihrer Ultraschall-Ortung finden die Fledermäuse hier nur schwer den Ausgang. Den Winter verbringen die Fledermäuse in Höhlen und unterirdischen Brauerei- und Bierkellern.

Wer mehr über die geheimnisvollen Kobolde der Nacht erfahren will, kann sich gerne bei der Naturschutzbehörde (Tel.0661/6006-470 bzw. naturschutz@landkreis-fulda.de) oder auf den Internetseiten der Arbeitsgemeinschaft für Fledermausschutz Fulda e.V. unter der Adresse www.fledermausschutz-fulda.de informieren. Dort ist auch beschrieben, wie man als Hausbesitzer selber ein einfaches Fledermausbrett bauen und so weitere Quartiere für die Fledermäuse schaffen kann.

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