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Bilanzpressekonferenz der Sparkasse Fulda – „Kreditklemme im Mittelstand kein Thema“

Fulda. Die ersten 100 Tage hat der Sparkassenvorstand in seiner neuen Besetzung zwar noch nicht hinter sich – dafür aber ein aus seiner Sicht erfreuliches Geschäftsjahr 2009. Bei der Bilanzpressekonferenz im Dalbergsaal des Fuldaer Stadtschlosses zogen Vorstandsvorsitzender Alois Früchtl und seine beiden Kollegen Uwe Marohn und Horst Habermehl ein positives Fazit für das „Jahr 1“ nach der Finanzkrise.

Die meisten Geschäftsfelder entwickelten sich deutlich positiv. Und auch die Ertragslage verbesserte sich nach einem etwas schwächeren Jahr 2008 wieder auf das Niveau des Jahres 2007. Fulda gehört weiterhin zu den ergebnisstärksten Sparkassen in Hessen. Gerhard Möller, bei der Präsentation der Zahlen in dreifacher Funktion als Hausherrr, Oberbürgermeister und amtierender Verwaltungsratsvorsitzender zugegen, darf zusammen mit Landrat Woide auf eine Sparkasse bauen, die das wirtschaftliche Geschehen in der Region gleichermaßen stabilisieren wie fortentwickeln kann.

Einer der prominentesten wirtschaftspolitischen Streitpunkte der letzten Monate, die so genannte Kreditklemme, war für Alois Früchtl deshalb auch kein Thema, dem er aus dem Weg gehen wollte. Zumindest die mittelständische Kundschaft der Sparkassen und der genossenschaftlichen Institute ist nach seiner Einschätzung nicht betroffen. Dies bestätigten auch die Erfahrungen unabhängiger Institutionen wie der Deutschen Bundesbank oder der KfW-Bank. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld sei zwar auch für die Sparkasse mit höheren Ausfallrisiken verbunden. Doch viele Kunden zeigten dafür bei den Gesprächen über die Finanzierungsmodalitäten Verständnis. Unter diesen Umständen ergäben sich Lösungen, die für beide Seiten vertretbar sind.

Die geschäftspolitische Ausrichtung des Kreditgeschäfts sei bei der Sparkasse unverändert: Kreditwürdigkeit und dauerhafte Kapitaldienstfähigkeit eines Unternehmens blieben die wichtigsten Kriterien der Kreditentscheidung. Bei größeren Kreditverhältnissen versuche die Sparkasse ihre Risiken mit benachbarten Schwesterinstituten oder mit der Landesbank Hessen-Thüringen zu teilen.

Kräftiges Plus bei den Einlagen

Nach Überzeugung von Uwe Marohn, seit 1. Januar 2010 Vorstandsmitglied der Sparkasse, haben viele Menschen – ob als Privatperson, als Unternehmer oder als Freiberufler – die Vorzüge regionaler Kreditinstitute neu für sich entdeckt. Rendite bleibe als Kriterium für die Entscheidung wichtig. Doch andere Aspekte wie Nähe, Zuverlässigkeit und Sicherheit hätten nach der Zuspitzung der Finanzkrise deutlich an Gewicht gewonnen. Innerhalb eines Jahres erhöhten sich die Kundengelder in der Sparkassenbilanz um mehr als 140 Mio EUR (+ 5,7 Prozent) – ein auch im Vergleich mit den anderen hessischen Sparkassen überdurchschnittlicher Wert.

Das kräftige Einlagenwachstum ließ auch die Bilanzsumme nach oben gehen. Sie war im Jahr 2008 erstmals über die 3-Milliarden-EUR-Grenze gestiegen; nunmehr erhöhte sie sich nochmals auf fast 3,2 Milliarden EUR. Das Einlagenplus war nach Worten von Marohn zu mehr als 60 Prozent von Zuflüssen gewerblicher und institutioneller Kunden getragen. Offensichtlich verfügten viele Unternehmen immer noch über beachtliche Liquiditätspolster; wiederholt hätten Kunden auch größere Volumina von anderen Kreditinstituten abgezogen und zur Sparkasse gebracht.

Der Trend, auch um den Preis vergleichsweise niedriger Guthabenzinsen möglichst flexibel zu bleiben, habe angehalten. Das habe das Volumen der täglich verfügbaren Kundengelder deutlich erhöht. Viele Kunden, so die Einschätzung des Sparkassenvorstands, warteten entweder auf ein höheres Zinsniveau oder reagierten auf zunehmend unsichere Lebensumstände. Angebote mit festen Laufzeiten, etwa Sparkassenbriefe, hätten selbst bei ausgesprochen attraktiven Konditionen im mittleren Laufzeitbereich nur verhaltene Nachfrage gefunden. Bezogen auf die Bilanzsumme refinanziert sich die Sparkasse Fulda weiterhin in einem hessenweit überdurchschnittlichen Maß aus Kundeneinlagen. Für Vorstandsmitglied Uwe Marohn ein besonderer Vorteil: „Unser Kreditgeschäft mit dem heimischen Mittelstand ist damit in keiner Weise abhängig von den Engpässen und Launen der Kapitalmärkte.“

Flaute im Wertpapiergeschäft

Wie ein Spiegelbild des dynamischen Einlagengeschäfts liest sich die Flaute im Wertpapiergeschäft. Die ausgeprägte Risikoabneigung vieler Kunden traf insbesondere festverzinsliche Wertpapiere und Investmentfonds. Lediglich bei den Aktien hielten sich Käufe und Verkäufe der Kunden annähernd die Waage. Der Bruttoumsatz im Wertpapiergeschäft mit Kunden verminderte sich um fast 35 Prozent auf etwa 270 Mio EUR.

Auch im neuen Jahr hat der Sparkassenvorstand noch keine durchgreifende Belebung des Wertpapiergeschäfts beobachten können. Die seit 1. Januar gesetzlich geforderte schriftliche Protokoll jedes Anlagegesprächs sieht Uwe Marohn grundsätzlich positiv. Die Sparkasse könnte damit die Qualität ihrer Wertpapierberatung noch deutlicher werden lassen. Das Protokoll verbessere die Transparenz für Kunde und Berater.

Trotz Krise viele neue Darlehen

Vorstandsvorsitzender Alois Früchtl konnte von einem ebenfalls lebhaften Darlehensneugeschäft der Sparkasse im Geschäftsjahr 2009 berichten. Die Zusagen stiegen um mehr als 20 Prozent auf über 340 Mio EUR an. Dabei entwickelte sich die Nachfrage der Unternehmen und Selbstständigen mit einem Plus von 24 Prozent sogar noch stärker als die Nachfrage von Privatkunden (im Vorjahresvergleich: + 17 Prozent).

Mit marktgerechten Konditionen, der Option auf eine 15-jährige Zinsfestschreibung und einem hohen Maß an Flexibilität konnte die Sparkasse ihre Position auch bei der Immobilienfinanzierung weiterhin gut behaupten. Die Darlehenszusagen schnellten hier nochmals um fast ein Drittel nach oben. Die Nachfrage nach Finanzierungsmitteln für Renovierungen, energetischen Sanierungen und Installation von Photovoltaikanlagen war ungebrochen. Zur Beratungsqualität der Sparkasse gehört es dabei, in vielen Fällen auch zinsgünstige KfW-Förderprogramme einzubinden.

Im übrigen privaten Finanzierungsgeschäft entschieden sich mehr als 1 000 Kunden für einen Sparkassen-Privatkredit oder einen Sparkassen-Autokredit. Beide zeichneten sich, so Vorstandsmitglied Uwe Marohn, durch marktgerechte Konditionen und eine schnelle, unkomplizierte Abwicklung aus. Die staatliche Umweltprämie („Abwrackprämie“) für gebrauchte Autos habe auch bei der Sparkasse für eine „Sonderkonjunktur“ gesorgt.

Ortsnaher und zuverlässiger Aktivposten für die Region

Abgesehen von der gewachsenen Zusammenarbeit mit den mittelständischen Unternehmen der Region spiegelt sich die Kundennähe vor allem im Filialnetz der Sparkasse wider. Hier wird sie nach den Worten von Horst Habermehl, seit 1. November 2009 Vorstandsmitglied, weiterhin einen bedarfsgerechten Kurs fahren. Will heißen: Es könne in den nächsten Jahren immer wieder einzelne Standorte geben, die die Sparkasse in Frage stellt. Gleichzeitig werde sie an anderer Stelle aber auch investieren, wenn sich Kundengewohnheiten und Kundenströme verlagerten.

Beispielhaft nannte Habermehl einerseits die Schließung der Filiale Josefstraße in Hünfeld zum Jahresende 2009, andererseits beträchtliche Investitionen in den Filialen Neuhof, Eiterfeld und Dr. Dietz-Straße, die geplante Verlagerung der Filiale Mittelkalbach und die wachsende Nutzung des Beratungsangebots der Sparkasse auf dem Gelände der Hochschule Fulda.

Die Sparkasse Fulda, so Habermehl, sei für Stadt und Landkreis Fulda auch im vergangenen Jahr zuverlässiger Wirtschaftsfaktor, Sponsor und Mäzen gewesen. Im Jahresdurchschnitt 2009 waren etwa 740 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, davon ca. 50 Auszubildende. Aufträge an heimische Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und Dienstleister, Steuerzahlungen, Gewinnausschüttungen an Stadt und Landkreis sowie Spenden und Sponsoring der Sparkasse summierten sich im Jahr 2009 auf deutlich über 10 Millionen EUR. Die beiden Sparkassen-Stiftungen förderten gemeinnützige Zwecke und Einrichtungen im sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Bereich mit ca. 
170 000 EUR. Beispiele für das Engagement der Sparkasse waren finanzielle Beiträge zum Figurenensemble auf dem Fuldaer Borgiasplatz, zur Sanierung der Pfarrkirche St. Jakobus in Hünfeld und der evangelischen Kirche in Burghaun, die Unterstützung der Veranstaltungsreihen „Literatur im Stadtschloss“, „Leseland Hessen“, „Rhön-SpecialCup“, „Rhön-SuperCup“ und „Sparkassen-GrandPrix“ sowie Hilfen für soziale Projekte und Aktivitäten wie Caritas, Perspektiva, Telefonseelsorge und Hospiz St. Elisabeth.

Gesucht: engagierte junge Bankkaufleute

Engagiert warb der Vorstandsvorsitzende bei Schülerinnen und Schülern dafür, die Sparkasse auch als zukunftssicheren Arbeitsplatz wahrzunehmen. Die Ausbildungsqualität sei anerkannt hoch – nicht nur für (Fach-) Abiturienten, sondern auch für Realschulabsolventen. Im Januar dieses Jahres habe die Sparkasse alle frischgebackenen Bankkaufleute aus ihrem Haus in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. Zum 1. August 2010 habe die Sparkasse 21 neue Auszubildende eingestellt. Für das im Sommer 2011 beginnende Ausbildungsjahr suche die Sparkasse wieder junge Leute; sie könnten sich online über www.sparkasse-fulda.de bewerben.

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